U-Boot vor Stockholm?
Schweden jagt ein russisches Phantom

Schweden macht Jagd auf einen vermeintlichen Eindringling in Stockholms Schären. Die meisten Schweden glauben, dass es sich um ein russisches U-Boot handelt. Dass der Verdacht sofort auf Russland fällt, hat gute Gründe.
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StockholmEin grobkörniges Bild hält Schweden seit Sonntag in Atem: Das Foto, das die schwedische Marine veröffentlicht hat, zeigt nicht viel mehr als einen dunklen Gegenstand auf dem Wasser umgeben von etwas Weißem, möglicherweise Gischt. Details lassen sich auf dem Bild nicht erkennen, doch ein Marinesprecher zeigte sich überzeugt, dass es sich bei dem abgebildeten Gegenstand um „ein von Menschenhand gefertigtes Objekt“ handelt.

Und das wird jetzt gesucht. Mit Helikoptern, Schnellbooten, Fregatten und Wasserbomben macht die schwedische Marine Jagd auf einen vermeintlichen Eindringling. Das schwedische Militär geht von „einer ausländischen Unterwasseroperation“ aus, die sich derzeit irgendwo zwischen den rund 30.000 Inseln und Inselchen vor Stockholm abspielt.

Die Medien werden deutlicher: „Marine jagt russisches U-Boot“. Doch Beweise für eine Verletzung der schwedischen Hoheitsgewässer durch eine fremde Macht gibt es bisher nicht. Und aus dem russischen Verteidigungsministerium kam ein klares Dementi: „Keines unserer U-Boote hat einen Notfall“, erklärte ein Sprecher. Gleichzeitig sagte ein Sprecher des Ministeriums, dass es sich wohl um ein niederländisches U-Boot handelt, dass möglicherweise in den Stockholmer Schären taucht. Die Regierung in Den Haag wies das zurück, bestätigte aber, dass mehrere holländische U-Boot in der vergangenen Woche an einer Nato-Übung in der Ostsee teilgenommen hätten. Alle Boote seien von dem Manöver zurückgekehrt.

Für Schwedens neue Außenministerin Margot Wallström handelt es sich um „eine sehr große Bedrohung im Ostseeraum“, die sich da derzeit vor den Toren der Hauptstadt abspielt. Für Tobias Edberg ist es einfach nur „spannend“. Beide Schweden sprechen über die U-Boot-Jagd. Edberg besitzt in den Stockholmer Schären ein Ferienhaus. Vom Fenster konnte er das ganze Wochenende febrile militärische Aktivitäten beobachten: Helikopter, Amphibienfahrzeuge, Schnellboote und eine Fregatte kreisten immer wieder auf dem Kanholmsfjärden, einem großen offenen Gewässer in der Inselwelt vor Stockholm. „Sie haben sogar kleine Sinkbomben geworfen“, erzählte er der Zeitung Svenska Dagbladet.

Wie die meisten Schweden glaubt auch er, dass es sich vermutlich um ein russisches U-Boot handelt, dass derzeit in den Stockholmer Schären taucht. Dass der Verdacht sofort auf Russland fällt, hat gute Gründe. Zum einen lief vor fast genau 33 Jahren bei Karlskrona in Südschweden ein sowjetisches U-Boot auf Grund und musste geborgen werden. Damals hieß es aus Moskau, dem Kapitän sei ein Navigationsfehler unterlaufen. Zum anderen hatte der schwedische Geheimdienst vergangene Woche einen Notruf in russischer Sprache abgefangen.

Der Funkspruch sei aus den Stockholmer Schären an eine Station in Kaliningrad gesendet worden, berichtete die schwedische Zeitung „Svenska Dagbladet“ unter Berufung auf zuverlässige Quellen. In Kaliningrad ist die russische Ostsee-Flotte stationiert. Ein Marine-Sprecher wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Als dann ein Bewohner in den Stockholmer Schären ein Unterwasserfahrzeug gesehen haben will, wurde der Großeinsatz gestartet. Mittlerweile nehmen mehrere hundert Soldaten an einem der größten Operationen der vergangenen Jahre teil.

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U-Boot entpuppt sich als Seehund

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  • "..., dass mehrere Luftraumverletzungen in den vergangenen Monaten durch russische Kampfjets ein Signal sein sollten, Moskau eine weitere Nato-Annäherung nicht gutheißt."

    Gehören Schweden und Finnland nun auch schon zum "russischen Mutterland"? Oder hat der kleine Diktator im Kreml plötzlich Platzangst?

  • Echt toll diese Fotoqualität !!!! Mit jedem Handy schiesst man bessere Bilder. Es muss wohl unscharf sein ... Irgendwie muss man die militärische NATO Übung rechtfertigen.
    Die Russen verantwortlich machen passt in die Propaganda Landschaft.
    Merken Sie etwas...

    Europa würde gescheiter mit Russland zusammen arbeiten.
    .

  • Ja gut formuliert !

    Man sollte zukünftig den Begriff "Politische Korrektheit" durch "Scheuklappen-Denkweise" ersetzen, denn es ist NICH KORREKT "Lügen und Propaganda zu verbreiten und Denkverbote". Presse in Deutschland: SCHÄMT EUCH.

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