UDF-Parteichef François Bayrou stellt sich quer
Zähes Ringen um Regierungsumbildung in Frankreich

Eigentlich sollte am Mittwochmorgen in Paris das nach dem Wahldebakel für die Sozialisten umgestaltete Kabinett vorgestellt werden. Doch die Sache gestaltet sich offenbar schwieriger als erwartet. Denn der Termin wurde verschoben.

HB PARIS. Staatspräsident Jacques Chirac besprach sich im Tagesverlauf mehrfach mit Premierminister Jean-Pierre Raffarin, um letzte Hand an die Kabinettsliste anzulegen. Chirac habe auch zahlreiche Telefonate mit Kandidaten für ein Ministeramt geführt, hieß es aus dem Elysée- Palast. Die Vorstellung des Kabinetts wurde vom Vormittag auf den Nachmittag oder Abend verschoben.

Chirac hatte Premierminister Jean-Pierre Raffarin am Dienstag trotz der Niederlage bei den Regionalwahlen wieder mit der Regierungsbildung betraut. Das war auf scharfe Kritik der kleinen liberalen Partei UDF gestoßen, die nach Chiracs Plänen künftig mehr als mit nur einen Minister in das Kabinett entsenden sollte. UDF-Chef François Bayrou lehnte es jedoch ab, selbst der Regierung beizutreten, und forderte grundlegende politische Kursänderungen. Das habe Chiracs Pläne offenbar teilweise umgeworfen, hieß es.

In Paris gilt es nun als sicher, dass der parteilose Außenminister Dominique de Villepin in das Innenressort wechselt. Innenminister Nicolas Sarkozy solle Superminister für Wirtschaft, Finanzen, Industrie und Arbeit werden und den Ehrentitel Staatsminister bekommen. Der EU-Kommissar für Regionalpolitik, Michel Barnier, wurde als neuer Außenminister gehandelt. Für ihn solle der Fraktionschef von Chiracs Partei UMP, Jacques Barrot, nach Brüssel gehen, hieß es.

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