Über 100 Abkommen
Asien verliert sich im Freihandels-Wirrwarr

Ganze 37 Freihandelsabkommen hat Singapur geschlossen, andere asiatische Staaten liegen knapp dahinter. Von diesem Regel-Dschungel profitieren vor allem große Länder wie China: Sie müssen keine Allianzen fürchten.
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Nusa DuaFreihandel über alles: In Asien sprießen die Freihandelsabkommen (FTA) wie Pilze aus dem Boden. Beim Gipfeltreffen der Pazifikstaaten (Apec) auf Bali wurde am Rande kräftig geschachert. Die Südostasiaten wollen in ihrer Region Handelsbarrieren abbauen, China will Freihandel mit Südostasien und ohne die USA, die USA mit den Pazifikanrainern, aber ohne China. „Spaghetti-Wirrwarr“ nennt das der Ökonom Christopher Findlay im Ostasien-Onlineforum der australischen Nationaluniversität. Gerade für kleinere Länder ist das riskant.

„Dort ist es für Unternehmer eine Herausforderung, durch den Irrgarten der FTAs zu navigieren“, sagt Clara Brandi vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. „Kritiker argumentieren, dass das Gewirr unterschiedlicher FTAs Handel hemmen kann, weil Unternehmen mit unterschiedlichen Standards in verschiedenen Märkten und komplizierten Ursprungsregeln klar kommen müssen.“

Laut Asiatischer Entwicklungsbank (ADB) sind in Asien schon mehr als 130 Abkommen fertig, mehr als 100 sind in Arbeit. Sie zählt jede Vereinbarung, an der eines der 48 Länder ihrer Region beteiligt ist. Am fleißigsten waren demnach die Singapurer mit 37 FTAs, gefolgt von Indien mit 34 und Südkorea mit 32. China hat 27.

Jedes hat andere Vorschriften, etwa bei Arbeitsplatzstandards, Umweltauflagen oder Ursprungsregeln. „Wir müssen die Vor- und Nachteile von zu vielen FTAs und anderer widersprüchlicher Vereinbarungen abwägen, die das Wachstum auch hemmen können“, warnte Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam gerade.

Die Welthandelsorganisation (WTO) ist eigentlich für die geordnete Liberalisierung des Welthandels zuständig, mit klaren Prinzipien. „Der Sinn dieser Prinzipien besteht darin, den Abbau von Handelsschranken zum einen mit Wirkung für alle WTO-Mitglieder gleich zu gestalten und zum anderen den am Handel beteiligten Unternehmen ein möglichst einfaches und übersichtliches System von Regeln zu schaffen“, erklärt das Bundeswirtschaftsministerium. Schön wär's. Seit 2001 dümpelt die Doha-Liberalisierungsrunde vor sich hin.

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„Der Ozean ist riesig, weil hunderte Flüsse hineinfließen.“

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