Über 100 Tote
Neues Blutbad in Bagdad

Bei drei Terroranschlägen sind in Bagdad mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Die Explosionen ereigneten sich in überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtvierteln. Nur Stunden zuvor hatte Ministerpräsident Nuri al-Maliki angekündigt, seine Regierung werde bis Jahresende die vollständige Verantwortung für die Sicherheit des Landes übernehmen.

HB BAGDAD. Bei der Explosion in dem Stadtteil Al-Sadrija wurden nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija 75 Menschen getötet. 20 Iraker starben nach Angaben der Polizei, als eine Autobombe auf einem Platz in Ost-Bagdad detonierte, der an die Schiiten-Vorstadt Sadr-City angrenzt. 30 weitere Menschen wurden bei diesem Anschlag verletzt.

Sadr ist eine Hochburg des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, der Schauplatz des Anschlags, eine Kreuzung nahe einem belebten Marktes, sei mit Leichen übersät. Unter den Opfern waren auch viele Kinder. „Ich sah Dutzende von Toten“, sagte der Fotograf. Einige Menschen seien bei lebendigem Leib in Minibussen verbrannt. „Frauen weinten und riefen die Namen ihrer Angehörigen, die bei dem Anschlag getötet wurden“, sagte der Fotograf weiter.

Bei einem dritten Autobombenanschlag auf einer Straße im Innenstadt-Viertel Karrade starben zehn Menschen. Laut Angaben aus Sicherheitskreisen wurden weitere zehn Menschen verletzt.

Zuvor hatte die Polizei bekannt gegeben, sie habe in der Hauptstadt innerhalb von 24 Stunden 25 Leichen von Mordopfern gefunden.

Vor zwei Monaten haben die USA und irakische Sicherheitskräfte einen Einsatz gegen Aufständische in Bagdad gestartet. Dies war als letzter Versuch gewertet worden, ein Abrutschen des Landes in den Bürgerkrieg noch zu verhindern.

Nun wird befürchtet, dass die Mehdi-Miliz Sadrs mit Racheakten auf die Anschläge reagieren könnte. Sadr zog am Montag seine Minister mit der Begründung aus der Regierung ab, Maliki müsse die USA zu einem Zeitplan für den Abzug ihrer 146 000 Soldaten im Irak drängen.

Am Mittwoch übergaben britische Streitkräfte die Kontrolle der südlichen Provinz Maisan den irakischen Behörden. Damit sind diese jetzt für vier von 18 Provinzen zuständig. Bis zum Jahresende würden alle Provinzen übergeben sein, erklärte Regierungschef Maliki.

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