Über 200 Tote
Schwerste Kämpfe seit Talibansturz in Afghanistan

Bei heftigen Kämpfen in Afghanistan sind am Wochenende mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Taliban-Kämpfer und Soldaten der Nato lieferten sich im Süden des Landes blutige Gefechte. Das westliche Militärbündnis meldete am Sonntag vier Tote in den eigenen Reihen. Bei einem Flugzeugabsturz kamen außerdem 14 britische Soldaten ums Leben.

HB KABUL. Die alarmierenden Nachrichten aus Afghanistan überschlagen sich nur so. Am Wochenende kam es zu den schwersten Gefechten seit dem Sturz der Taliban Ende 2001, mehr als 200 Rebellen und vier Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF starben.

Die Vereinten Nationen vermelden unterdessen, dass der Drogenanbau in Afghanistan auf ein Allzeithoch gestiegen ist - das Land produziert in diesem Jahr 92 Prozent allen Rohopiums weltweit und bestreitet die globale Produktion des Grundstoffes von Heroin inzwischen fast im Alleingang. Fünf Jahre nach Beginn des Kampfes gegen den Terror steht Afghanistan wieder am Rande des Abgrunds.

Die Nato-geführte Isaf nannte ihre am Samstag begonnene Offensive in Südafghanistan „Operation Medusa“: Kritiker sehen in diesem Namen etwas unbewusst Wahres: Für jeden der mehr als 200 Köpfe, die die Isaf den Taliban abschlug, würden neue nachwachsen. Der Paschtunwalis, der Ehrenkodex der Paschtunen, in deren Gebiet die Kämpfe stattfinden, schreibt Rache für getötete Verwandte vor.

Konservative Schätzungen gehen davon aus, dass für jeden Toten zehn Angehörige der radikal-islamischen Bewegung beitreten. Immer mehr Beobachter glauben, dass der Konflikt im Süden militärisch nicht mehr gewonnen werden kann.

Dabei verkündete US-Präsident George W. Bush im Juni 2004 „den ersten Sieg im Krieg gegen den Terrorismus“ in Afghanistan. Inzwischen ist klar, dass das verfrüht war. „Wir sind nicht in einer Postkonflikt-, sondern in einer Konfliktphase“, sagt ein europäischer Diplomat in Kabul. Fünf Jahre nach dem 11. September 2001 und dem anschließenden Sturz der Taliban werden Warnungen laut, die Internationale Gemeinschaft könnte in Afghanistan scheitern.

„Nach fünf Jahren sehen wir keinen Fortschritt, sondern eine Entwicklung zurück“, sagt der Schriftsteller und Angehörige der afghanischen Menschenrechtskommission, Kasim Achgar. „Das ist das Gegenteil von dem, was sich die Menschen erhofft haben.“ Die Taliban würden immer stärker und hätten in ganz Afghanistan Unterstützer. Die Sicherheitslage habe sich landesweit verschlechtert. Die Armut, die die Menschen den Rebellen in die Arme treibe, habe einen Höhepunkt erreicht. Achgars Fazit: „Die Regierung hat versagt.“

Seite 1:

Schwerste Kämpfe seit Talibansturz in Afghanistan

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%