Überfälle am Wahltag: Mindestens 15 Tote in Kenia

Überfälle am Wahltag
Mindestens 15 Tote in Kenia

Die Präsidentenwahl in Kenia ist von tödlichen Überfällen auf Polizeiwachen überschattet worden. Es gab mindestens 15 Tote, darunter neun Sicherheitskräfte und sechs Angreifer.
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Nairobi/MombasaÜberschattet von tödlichen Angriffen auf Polizeiwachen haben die Kenianer einen neuen Präsidenten gewählt. Bei Bandenüberfällen wurden nach Polizeiangaben mindestens neun Sicherheitskräfte und sechs Angreifer getötet. Insgesamt verlief die Abstimmung am Montag aber EU-Wahlbeobachtern zufolge friedlich. Bei der Wahl vor sechs Jahren wurden mehr als 1200 Menschen getötet, Auslöser waren Stammesrivalitäten.

Als Favoriten galten diesmal Ministerpräsident Raila Odinga und sein Stellvertreter Uhuru Kenyatta. Präsident Mwai Kibaki durfte nach zwei Amtsperioden nicht erneut antreten. Die Beteiligung war nach Angaben der Wahlbeobachter hoch. Vor vielen Stimmlokalen bildeten sich lange Schlangen, weshalb die Öffnungszeiten teilweise verlängert wurden. Es war unklar, wann mit ersten Ergebnissen gerechnet werden konnte. Die Wahlkommission hat eine Woche lang Zeit, das offizielle Ergebnis bekanntzugeben. Sollte keiner der insgesamt acht Kandidaten im ersten Durchgang die absolute Mehrheit erreichen, fällt die Entscheidung in einer Stichwahl am 11. April. Neben dem Präsidenten standen auch das Parlament, Senatoren und Provinzgouverneure zur Wahl.

Angesichts der Ausschreitungen von 2007 hatten viele Kenianer Angst, dass es zu einer Wiederholung der Massaker kommen könnte. Kibaki und andere führende Politiker mahnten zum Gewaltverzicht. Viele Läden blieben vorsorglich geschlossen. Doch abgesehen von den Angriffen im Küstengebiet von Mombasa lagen zunächst keine Berichte über Gewalttaten vor. Die Atmosphäre sei überwiegend ruhig, sagte der Chef des EU-Beobachtereinsatzes, Alojz Peterle, in Nairobi.

Die Angriffe wurden kurz vor Öffnung der Wahllokale am Stadtrand der Hafenstadt Mombasa und in Kilifi etwa 50 Kilometer nördlich verübt. Mit Macheten bewaffnete Angreifer fielen über Sicherheitskräfte her und töteten neun von ihnen, wie die Polizei mitteilte. Sie machte die regionale Separatisten-Bewegung MRC für die Überfälle verantwortlich, die sich gegen Wahlen ausgesprochen und stattdessen ein Unabhängigkeitsreferendum gefordert hatte. Ein Sprecher der Gruppe lehnte jedoch jede Verantwortung für die Angriffe ab und erklärte, die MRC strebe nach Veränderung nur durch friedliche Mittel.

Die Gewaltexzesse vor sechs Jahren hatten Kenias Ruf als stabile Demokratie untergraben. Der jetzt 68-jährige Odinga verlor damals die Wahl gegen Kibaki knapp. Sein jetziger Gegenkandidat Kenyatta wird vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag beschuldigt, in die Gräueltaten verwickelt gewesen zu sein. Sein Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, William Ruto, sicherte dem Gericht die Zusammenarbeit zu. Kenyatta und er würden die Vorwürfe entkräften. Kenyatta ist Sohn des Staatsgründers Jomo Kenyatta, der die britische Kolonie 1963 in die Unabhängigkeit führte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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