Überfälle auf Ausländer
Griechenland will gegen Fremdenfeindlichkeit ankämpfen

Nach den jüngsten Überfällen auf Ausländer in Athen will die griechische Regierung hart gegen Rechtsradikale durchgreifen. Gleichzeitig sollen wieder Einheimische in das Stadtzentrum von Athen zurückkehren.
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AthenNach mehrtägigen Ausschreitungen mit überwiegend rassistischem Hintergrund will Athen nun hart durchgreifen. Problembezirke sollen aufgewertet werden. Mehr als 900 Polizisten sollen ab sofort täglich auf die Straßen der betroffenen Stadtteile patrouillieren. Die Rückkehr von Einheimischen in die seit Jahren zu Migranten-Ghettos heruntergekommenen Stadtviertel soll gefördert werden. Das kündigte die griechische Regierung am Dienstag an.

"Wir brauchen die Mitwirkung der Bürger. Das Stadtzentrum (Athens) ist eine gesundheitsgefährdende Bombe geworden", sagte die Staatssekretärin im Innenministerium, Theodora Tzakri, im staatlichen Rundfunk. Schon am Vorabend hatte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou bei einer Dringlichkeitssitzung erklärt: "Unsere Intervention zielt darauf, dass die Stadt wieder ihre Seele findet."

Den Regierungsplänen zufolge sollen Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis ausgewiesen werden. Flüchtlingen, die zur Rückkehr in ihre Heimat bereit sind, soll auch finanziell geholfen werden. Griechen, die wieder zurück ins Stadtzentrum von Athen ziehen, können mit Steuererleichterungen rechnen. Außerdem sollen geschlossene Hotels in der Stadtmitte zu Studentenheimen umgebaut werden.

Die Gewalt gegen dunkelhäutige Ausländer sowie die Kriminalität illegaler Einwanderer und einheimischer Banden hatten in den vergangenen Tagen einen neuen Höhepunkt erreicht. Nachdem ein Nordafrikaner einen Griechen bei einem Raubüberfall erstochen hatte, war es in Athen zu pogromartigen Überfällen auf dunkelhäutige Ausländer gekommen. Zu den Tätern zählten viele Rechtsradikale.

In der Stadtmitte Athens leben Schätzungen zufolge mehr als 300.000 Migranten ohne Papiere. Sie hausen in kleinen heruntergekommenen Wohnungen und verlassenen Häusern. In vielen Fällen sind in 60-Quadratmeter-Wohnungen 15 oder 20 Menschen zusammengepfercht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Anf. Juni 12 wurde meiner Frau in Athen bei einem Raubüberfall durch illegale Ausländer die Fotokamera vom Hals abgeschnitten. Wir verfolgten die Räuber und sahen, in welches Haus sie flüchteten. Die - personell überbesetzte, untätig herumhängende - Polizei weigerte sich, den Raub überhaupt aufzunehmen. Und auf die Aufforderung, doch in das Haus der Räuber einzudringen, sagte die Polizei nur resignierend: "It´s a ghetto". So wie die Schulden jahrzehtelang unter den Teppich gekehrt wurden, wird es derzeit auch das Illegalenproblem. So wie die Schulden den Europäern vor die Füsse gekippt werden, so werden es zukünftig die Illegalen.

  • Große internationale Reiseführer warnen eindringlich vor Besuch in? Athen? Falsch, Südafrika? Falsch, Ostdeutschland natürlich.

    Wenn aus purer Lust an sinnloser Gewalt getötet wird, schreibt der Hallesche Universitätsprofessor Marneros in seinem Buch „Blinde Gewalt“. Gewalt nur weil es Spaß macht. Er schreibt nicht über Kampfhunde oder Löwen, nein, er schreibt über DDR-ler. Nicht mal Tiere töten aus Spaß.

    Athener Zustände, damit können wir in Ostdeutschland nur träumen. Aber nicht mit den zig Paramilitärs, die man dazu benötigt, die Städte von Westbürgern und Ausländern zu reinigen. Alles staatlich protegiert, versteht sich. Schon seit 20 Jahren. Fremdenfeindlichkeit in einem Land ohne Fremde – noch perverser geht nicht mehr.

    Griechenland möchte gegen Fremdenfeindlichkeit vorgehen - von den Griechen können wir also noch viel lernen.
    http://www.siggi40.magix.net/website#XY%20ungel%C3%B6st

    @margrit117888
    Nicht die Grenzöffnungen müssten zurückgenommen werden, sondern der Rückbau der Mauer.

  • Könnte es sein, daß die Greichen nun noch ein paar Millionen "Einwohner" ausfindig machen, die dann auch von "Rettungsschirmen" u. a. Dauersubventionsspendern mit ernährt und unterhalten werden müßten? Man läßt die Probleme wachsen, um sich zusätzliche Mittel zu beschaffen - da können wri echt noch was lernen!

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