Überfall auf Kuwait kommt den Irak bis heute teuer zu stehen
Unternehmen und Regierungen bitten zur Kasse

Das Regime von Saddam Hussein muss für seinen 1990er Raubzug im Nachbarland Kuwait immer noch tief in die Tasche greifen - und das, obwohl der nächste Krieg bereits in der Luft liegt. Insgesamt sind bei der Kompensations-Kommission der Vereinten Nationen (UNCC) 2,6 Millionen Forderungen eingegangen - die darin reklamierten Schäden belaufen sich auf nahezu 350 Mrd. $. Das entspricht in etwa der dreißigfachen Summe der jährlichen irakischen Wirtschaftsleistung.

GENF. Die UNCC hat Forderungen in Höhe von mehr als 44 Mrd. $ bewilligt. Davon ist inzwischen mehr als ein Drittel an Opfer und Geschädigte Saddams geflossen. Gespeist wird das Programm aus den Erlösen der irakischen Ölverkäufe. Das Land, das über die zweitgrößten Ölreserven der Welt verfügt, muss ein Viertel der Einnahmen bei der UNCC abliefern. Der Uno-Sicherheitsrat machte den Irak für alle Verluste und Schäden der "ungesetzlichen Invasion und Okkupation Kuwaits" 1990/91 haftbar. Regierungen und internationale Organisationen stellten dem Land 210 Mrd. $ für Verluste unterschiedlichster Art in Rechnung.

Nach den Anrainer- und Opferstaaten Kuwait, Saudi Arabien, Syrien, Jordanien und der Türkei erwies sich die deutsche Regierung zusammen mit Italien als besonders klagefreudig: Zwölf Forderungen aus Bonn und später Berlin gingen bei der UNCC in Genf ein. Deutsche Unternehmen forderten in 312 Fällen Schadensersatz. Doch oft gingen die Firmen leer aus. So wies die UNCC im Herbst vergangenen Jahres Forderungen in Höhe von 4,4 Mrd. $ zurück. Lediglich 866 000 $ wurden gutgeheißen. Viele Verantwortliche verzichteten freiwillig auf irakische Zahlungen. "Die wollen die Iraker nicht verprellen", mutmaßt ein Genfer Diplomat. "Nur so können sie lukrative neue Verträge an Land ziehen." Mehr als 190 Unternehmen haben schon einen Rückzieher gemacht, der Irak blieb vor Forderungen in Höhe von etwa 3 Mrd. $ verschont.

Unter den Kooperationswilligen soll auch Daimler-Chrysler sein. Unterhändler vermuten, dass die Stuttgarter mehrere 10 Mill. $ abgeschrieben haben. Die Iraker fühlen sich in Genf vorgeführt. "Das verarmte Land wird in der Kommission regelrecht ausgenommen", sagt ein Anwalt, der Iraks Interessen vertritt. So hätten die Kuwaiter nicht nur die Kosten für die Räumung der irakischen Minen sondern auch den Abtransport der Reste von amerikanischen Splitterbomben reklamiert. Der Irak werde genauso in den Würgegriff genommen wie Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg.Unparteiische Diplomaten hingegen lassen den Einwand nicht gelten. Schließlich, so heißt es, müsse das verbrecherische Regime Saddams seine Lektion gründlich lernen.

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