Überfüllte Gefängnisse
USA im Inhaftieren an der Weltspitze

Nirgends auf der Welt werden so viele Menschen ins Gefängnis gesteckt wie in den USA – obwohl die Zahl der Verbrechen in den letzten Jahrern stetig gefallen ist. Den amerikanischen Justizvollzug stellt dies vor ungeahnte Probleme.

HB WASHINGTON. Das Staatsgefängnis Angola im US-Staat Louisiana hat eine eigene blühende Bestattungsindustrie. Ein Häftling baut Särge, andere legen sie mit Stofffutter aus, und wieder andere organisieren die Beerdigungszeremonien. Man ist stark beschäftigt hier, denn die meisten der gut 5 000 Gefangenen verbüßen lebenslange Strafen, und das bedeutet, dass mehr als 90 Prozent von ihnen hinter Gittern sterben werden. Die Dauer der Haft wiederum bringt es mit sich, dass viele der immer älter werdenden Häftlinge den Kontakt zur Außenwelt verloren haben und ihre letzte Ruhestätte auf dem Gefängnisgelände finden.

Bevor es so weit ist, werden die gebrechlichen und kranken Alten in einer eigenen geriatrischen Abteilung betreut und die Sterbenden in einem Hospiz - Einrichtungen, die es mittlerweile auch in vielen anderen US-Gefängnissen gibt. Das wiederum bedeutet eine Kostenlawine: Eine solche Intensivbetreuung bedeutet pro Kopf etwa 60 000 Dollar im Jahr - das Dreifache der Aufwendungen für einen gesunden Gefangenen.

Und das Problem dürfte sich noch verschärfen, denn die Staats-und Bundesgefängnisse in den USA sind voller denn je. Eine jüngste Statistik des Washingtoner Justizministeriums zeigt: Die USA sind die Weltmeister im Inhaftieren. Danach saßen hier Ende 2005 insgesamt fast 2,2 Millionen Menschen hinter Gittern, gut 56 000 oder 2,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Das heißt, auf 100 000 Einwohner kommen 738 Häftlinge, und das sichert den USA die Spitzenreiterrolle vor Russland mit 611 pro 100 000 Bürger.

Zum weiteren Vergleich: In Großbritannien liegt die Rate bei 148, in Deutschland bei 95 und in Frankreich bei 85, wie das „Sentencing Project“ in Washington sagt. Das ist eine Organisation, die sich für umfassende Strafrechtsreformen in den USA einsetzt und auch errechnet hat, dass Ende 2005 in den USA insgesamt mehr als sieben Millionen Menschen entweder hinter Gittern saßen, auf Bewährung frei oder begnadigt waren. Das ist jeder 32. US-Bürger. Und jeder 23. der Inhaftierten ist älter als 55 Jahre - ein 85-prozentiger Anstieg gegenüber 2005.

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