Überfüllte Lager
Neue Flüchtlingswelle erreicht Italien

Nachdem am Sonntag rund 350 Menschen aus Afrika und Asien die süditalienische Insel Lampedusa erreicht haben, hat die italienische Küstenwache am heutigen Montag ein weiteres Boot mit rund 100 Flüchtlingen gesichtet.

HB ROM. Wegen des hohen Wellengangs sei es zunächst nicht möglich gewesen, die Flüchtlinge an Bord eines Schiffes der Küstenwache in Sicherheit zu bringen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Das Boot sollte daher zunächst zu der ebenfalls zu Italien gehörenden Insel Linosa gebracht werden.

Die italienischen Behörden haben unterdessen die Verlegung hunderter Asylsuchender von dem überfüllten Aufnahmelager auf Lampedusa nach Sizilien angekündigt. 360 Flüchtlinge sollten am Dienstag mit Flugzeugen und Schnellbooten von Lampedusa weggebracht werden, hieß es. Seit Jahresbeginn sind rund 3 500 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Lampedusa oder Sizilien gelangt. Im Vorjahr waren insgesamt rund 9 000 illegale Einwanderer gezählt worden, die von Schleppern meist von der libyschen Küste aus auf die Reise nach Italien geschickt werden. Viele Flüchtlinge haben wegen der starken Strömungen und der oft stürmischen See in diesem Mittelmeerabschnitt bereits das Leben verloren.

Für die italienischen Behörden steht außer Frage: Schlepperbanden wollen die guten Wetterbedingungen während der Sommermonate nutzen, um möglichst viele Menschen aus Dritte-Welt-Ländern nach Italien einzuschleusen - diese müssen dafür tausende Dollar zahlen und wissen gar nicht in welche Gefahr sie sich begeben. Denn schon viele Flüchtlinge sind im Kanal von Sizilien - so heißt der Mittelmeerabschnitt zwischen Sizilien und Nordafrika - bereits hilflos ertrunken.

Innenminister Giuseppe Pisanu hatte zuletzt sogar behauptet, dass „zwei Millionen Verzweifelte auf die Überfahrt nach Italien warten“. Von der nordafrikanischen Küste aus können Flüchtlinge bei gutem Wetter in zwei Tagen Lampedusa erreichen - die meisten Schlepper schicken die Menschen, die von einem besseren Leben im vermeintlich goldenen Europa träumen, von der libyschen Küste los. Italien hat bisher vergeblich versucht, Tripolis zum Kampf gegen die Schlepperbanden zu mobilisieren.

Auch ein Abkommen, das die italienische Marine zur Kontrolle der libyschen Küste berechtigen würde, konnte nicht erreicht werden. Eine derartige Vereinbarung hat Italien bereits mit Albanien getroffen - seitdem ist der Flüchtlingsstrom über die Adria praktisch zum Erliegen gekommen. Italien fühlt sich bei den meisten Versuchen, der illegalen Einwanderung Herr zu werden, von den anderen europäischen Ländern im Stich gelassen. Der Wirbel rund um die „Cap Anamur“, die nach wie vor beschlagnahmt im Hafen von Porto Empedocle auf Sizilien vor Anker liegt, war von vielen Kommentatoren auch als Hilferuf an die anderen EU-Staaten interpretiert worden.

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