Übergangschef gefordert
US-Finanzminister rückt von Strauss-Kahn ab

IWF-Chef Strauss-Kahn gerät zunehmend unter Druck: Auch die USA wenden sich nun von dem Franzosen ab. Finanzminister Geithner forderte den Währungsfonds auf, seine Spitze neu zu besetzen - und nannte auch Gründe dafür.
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Washington/New YorkWegen der Inhaftierung von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat die US-Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgefordert, eine Interimsführung zu ernennen. Er könne sich zwar zu dem konkreten Fall nicht äußern, aber Strauss-Kahn sei derzeit offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten, sagte Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag in New York. Es sei daher wichtig, dass das IWF-Direktorium offiziell jemanden einsetze, der für eine Übergangszeit die Führung übernehme. Derzeit hat IWF-Vize John Lipsky die Aufgaben von Strauss-Kahn übernommen, der wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung einer Hotelangestellten in Untersuchungshaft sitzt. Ein offizieller Interimschef wurde aber nicht ernannt.

Aus dem Umfeld des IWF-Direktoriums hieß es, dass das Führungsgremium Kontakt zu Strauss-Kahn aufnehmen wolle, um zu erfahren, ob er sein Amt weiter ausführen wolle. Das 24-köpfige Gremium kann den IWF-Chef von seinem Posten entheben. Eine Person aus dem Umfeld des Direktoriums sagte, ideal wäre ein Rücktritt. Eine zweite Person erklärte aber, dass diese Sicht nicht von dem gesamten Gremium geteilt werde. Ein IWF-Sprecher sagte lediglich, seit der Festnahme am Samstag habe das Direktorium keinen Kontakt zu Strauss-Kahn gehabt. Dies dürfte aber zu gegebener Zeit geschehen.

In die Debatte über eine Nachfolge von Strauss-Kahn kam weiter Bewegung. Vor allem die großen Schwellenländer brachten sich in Stellung. China, Brasilien und Südafrika begannen indirekt die Regelung infrage zu stellen, wonach Europa traditionell den IWF-Chef stellt. Als zweiten Mann an der Spitze wollen die USA offenbar Präsidentenberater David Lipton als Nachfolger von Lipsky, wenn dieser wie geplant sein Amt im August aufgibt, wie Reuters aus IWF-Kreisen erfuhr.

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  • Im Vergleich zu Japan ist Frankreich/Europa noch glimpflich davongekommen - vorerst...

  • Teil 2 von 2

    Zuvor hatte die Polizei erklärt, das Zimmermädchen habe die Suite Strauss-Kahns gegen 13.00 Uhr betreten, ohne zu wissen, dass sich dort jemand aufhalte. Anschließend habe der IWF-Chef die Frau attackiert. Das Zimmermädchen erstattete Anzeige und in Rekordzeit erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchter Vergewaltigung, sexueller Belästigung und Freiheitsberaubung.

    Die französische Tageszeitung Le Monde berichtet hingegen, der 62-Jährige habe seine Hotelrechnung um 12.28 Uhr bezahlt und sich anschließend mit seiner Tochter zum Essen getroffen. Nach dem Essen sei Strauss-Kahn mit seiner Tochter direkt zum Flughafen gefahren. Um 15.40 Uhr habe er für den Flug nach Paris eingecheckt, der eine Stunde später starten sollte. Das Ticket habe er lange im Voraus gebucht.

    In Anbetracht dieser Aussagen hat die New Yorker Polizei die Tatzeit jetzt nach vorne Verlegt. Statt um 13 Uhr soll das Vergehen nun um 12 Uhr begangen worden sein.

    Selbst das NYPD hat mittlerweile zugeben müssen, dass Strauss-Kahn am Samstag um 12.28 Uhr aus dem Sofitel auscheckte. Zuvor hieß es noch, dass DSK um 13 Uhr nackt im Zimmer stand.

  • Teil 1 von 1

    Dominique Strauss-Kahn bleibt im Knast wegen Fluchtgefahr und wird auch nicht gegen Kaution freikommen. Die Haftstrafe für sein angebliches Vergehen liegt zwischen 5 und 25 Jahren. DSK will jetzt ein Alibi vorlegen: er hatte zum Tatzeitpunkt schon ausgecheckt. - New Yorker Polizei hat deshalb die Tatzeit "nach vorne verlegt".

    Die Affäre um DSK wird immer abstruser. Weil sich herausstellte, dass DSK zur fraglichen Zeit gar nicht im Hotel war, wurde die Tatzeit "nach vorne verlegt". Jetzt soll er das Vergehen angeblich um 12 Uhr begangen haben. Weiterhin wurde bekannt, dass DSK vom Airport aus das Hotel angerufen habe, um nach seinem verlorenen Telefon zu fragen. Nur dadurch wussten die Behörden, dass er im Flugzeug sitzt und konnten ihn so kurze Zeit später festnehmen. (Quelle WSJ)

    Die Richter in New York wollen DSK auch nicht auf Kaution freilassen. Es bestünde Fluchtgefahr und die Möglichkeit, dass sich DSK nicht dem Verfahren stellt, begründete das Gericht sein hartes Vorgehen. Für seine Tat droht dem IWF-Chef eine Haftstrafe zwischen 5-25 Jahren, hieß es aus New York. Unterdessen bleibt DSK weiterhin bei seiner Aussage: unschuldig. Seine Unschuld möchte er anhand eines sauberen Alibis beweisen.

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