Übergangsregierung soll Wahlen organisieren
Durchbruch bei Madagaskar-Verhandlungen

Nach monatelanger politisch motivierter Gewalt in Madagaskar haben sich die verfeindeten Lager auf eine Übergangsregierung geeinigt. Sie soll den Weg zu Wahlen unter internationaler Beobachtung ebnen. Damit endet vorerst ein Konflikt, der mehr als 100 Menschen das Leben gekostet hat.

HB MAPUTO. In der schweren innenpolitischen Krise im afrikanischen Inselstaat Madagaskar zeichnet sich eine Verhandlungslösung ab. Nach dreitägigen Gesprächen in Mosambiks Hauptstadt Maputo haben sich die Konfliktparteien auf eine Übergangsregelung geeinigt.

Nach der putschähnlichen Machtübernahme Mitte März durch Andry Rajoelina (35) sieht die Einigung eine Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung durch Neuwahlen innerhalb von 15 Monaten vor. Eine Übergangsregierung wird bis dahin die Amtsgeschäfte übernehmen, erklärte der UN-Sondergesandte Tiébilé Dramé nach Unterzeichnung des Abkommens am frühen Sonntagmorgen.

Der international isolierte Rajoelina beugte sich dem Druck der Verhandlungspartner und gewährte dem von ihm abgesetzten Präsidenten Marc Ravalomanana durch eine Amnestie die Chance zur Rückkehr auf die viertgrößte Insel der Welt. Der mit Hilfe meuternder Soldaten entmachtete Ravalomanana betonte dagegen, er werde sich zugunsten der Kompromisslösung nicht an der Übergangsregierung beteiligen. Er war im Juni wegen „Interessenkonflikts im Amt“ im Zusammenhang mit dem Kauf eines neuen Regierungsflugzeugs in Abwesenheit zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

An den Gesprächen in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo beteiligt waren vier bisherige Präsidenten der Afrika vorgelagerten Tropeninsel. Die Gespräche wurden von Mosambiks Ex-Präsident Joaquim Chissano geleitet. Er war von der regionalen SADC-Staatengruppe - der auch Madagaskar angehört - als Vermittler ernannt worden. Der Konflikt auf der Insel hatte mehr als 100 Menschen das Leben gekostet.

Das Abkommen sieht auch eine Amnestie für den früheren Dikator Didier Ratsirake vor, der 2001 von Ravalomana bei einer umstrittenen Wahl aus dem Amt gedrängt worden war. Dem seither im französischen Exil lebenden Ratsiraka drohten zehn Jahre Haft wegen der veruntreuung öffentlicher Gelder.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%