Überlegungen der Regierung
Ablösung von General Sanchez im Irak möglich

Nach Angaben aus Verteidigungskreisen denkt die US-Regierung darüber nach, den Oberkommandierenden der US-Truppen im Irak, General Ricardo Sanchez, abzulösen. Die Folter-Vorwürfe gegen US-Soldaten im Gefängnis Abu Ghraib seien aber nicht der Grund, hieß es am Montag.

HB WASHINGTON. Sanchez sei seit 13 Monaten im Irak im Einsatz, und die Kommandeure der Armee- und Marinedivisionen seien in diesem Zeitraum alle abgelöst worden, hieß es in den Kreisen. Auf die Frage, ob die Misshandlungen irakischer Gefangener während Sanchez' Kommando der Grund für seine mögliche Ablösung seien, antwortete der Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums: „Absolut nicht.“ Der Sprecher des Verteidigungsministeriums Bryan Whitman wollte einen Bericht des Fernsehsenders ABC weder bestätigen noch dementieren, wonach General George Casey, der stellvertretende Generalstabschef der Armee, das Kommando der US-Truppen im Irak übernehmen werde. „Wenn wir etwas in dieser Art bekannt zu geben hätten, dann würden wir das tun. Jede Spekulation vor einer solchen Bekanntgabe wäre unverantwortlich“, sagte Whitman.

Der Drei-Sterne-General Sanchez war im vergangenen Juni zum Oberkommandierenden im Irak ernannt worden. In Kreisen des Verteidigungsministeriums wurde davon gesprochen worden, das Oberkommando einem Vier-Sterne-General zu übertragen. Dieser solle für die multinationale Irak-Truppe und die Operationen des US-Militärs im Großen und Ganzen verantwortlich sein. Zusätzlich solle ein Drei-Sterne-General für die laufenden Einsätze verantwortlich sein. Diese Aufgabe hat derzeit General Thomas Metz inne, der Sanchez in der Rangordnung folgt.

Einen Zeitrahmen für eine Ablösung Sanchez' im Irak nannte der Regierungsvertreter nicht. „Er ist dort seit 13 Monaten. ... Wenn er den Irak verlässt, hat das nichts mit Abu Ghraib zu tun. Seine Zeit kommt noch.“ Sanchez und zwei weitere Generäle hatten in der vergangenen Woche vor einem Ausschuss des US-Senats zu den Folter-Vorwürfen gegen US-Soldaten ausgesagt. Sanchez übernahm dabei die Verantwortung für die Misshandlungen im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad, weil sie in die Zeit seines Kommandos fielen. Er verbot am 13. Mai einige Verhörmethoden, darunter Schlafentzug und der Zwang, in schmerzhaften Körperhaltungen zu verharren.

Einer der Zeugen in den Verfahren gegen US-Soldaten, die wegen der Misshandlungen irakischer Gefangener angeklagt sind, sagte einem Bericht der „Washington Post“ zufolge aus, dass Sanchez von den Übergriffen gewusst habe.

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