Überproduktion
Reform soll Krise im Weinbau lindern

Die Europäische Kommission will die Anbaufläche für Wein drastisch verringern und einfache Tafelweine für den Konsumenten attraktiver machen. Damit soll die hohe Überproduktion in der EU verringert und die Krise der Hersteller durchschnittlicher Weine überwunden werden.

BRÜSSEL. Die weit reichenden Reformpläne, die EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel am morgigen Donnerstag offiziell vorstellen wird, bergen erhebliches Konfliktpotenzial mit den großen Weinbauländern Europas. Wie aus Fischer Boels Bericht an die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament hervorgeht, sollen innerhalb von fünf Jahren 400 000 Hektar der insgesamt 3,4 Mill. Hektar umfassenden Anbaufläche für Wein in der EU stillgelegt werden. Winzer, die bereit sind ihre Rebflächen zu roden, bekommen dafür attraktive Prämien. Die Kosten für das Ausstiegsprogramm veranschlagt die Kommission auf insgesamt 2,4 Mrd Euro. Der Bericht liegt dem Handelsblatt vor.

Doch Widerstand formiert sich bereits. So haben Frankreich, Italien, Spanien und Portugal, die vier größten EU-Weinbauländer, schon vor Veröffentlichung der Pläne in einem Memorandum massive Bedenken gegen die Flächenstilllegung geäußert. Sie fürchten, dass dadurch traditionelle Kulturlandschaften zerstört werden.

Experten der Kommission indes betonen, nur so sei dem steigenden Überangebot an Wein in der EU beizukommen. In den vergangenen Jahren lag der Überschuss unter Berücksichtigung von Ein- und Ausfuhren bei durchschnittlich 22 Mill. Hektolitern im Jahr, das sind zwölf Prozent der Produktion. Tendenz steigend.

Das Problem betrifft vor allem einfache Tafelweine, doch auch Qualitätsweine sind zunehmend unverkäuflich. Die EU hat deshalb bisher in großem Stil die Destillation von Wein zu hochprozentigem Alkohol subventioniert. Diese Politik müsse umgehend gestoppt werden, heißt es in Fischer Boels Reformpapier. Denn die Maßnahme sei teuer, gesundheitspolitisch fragwürdig und stabilisiere kaum die Einkommen der Winzer.

Mindestens ebenso einschneidend sind die Reformen, die Fischer Boel zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Weine vorschlägt. So sollen künftig auch einfache Tafelweine auf dem Etikett Jahrgang und Rebsorte angeben dürfen. Bisher ist dies Qualitätsweinen mit geschützter Herkunftsbezeichnung vorbehalten. Damit will die dänische Agrarkommissarin erreichen, dass einfache europäische Weine mit ihren Konkurrenten aus der „neuen Welt“ besser mithalten können. Mehrfach hatte sie darauf hingewiesen, dass etwa Australien und Chile in den vergangenen zehn Jahren ihre Weinexporte fast um das Zwanzigfache gesteigert hätten, während die Ausfuhren der EU gerade mal um 20 Prozent zunahmen. Zur Erklärung heißt es in der Kommission, die Käufer im Supermarkt würden häufig die Weine aus Übersee bevorzugen, weil diese „schicker“ aufgemacht seien.

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