Überraschung in Brasilien
Lula muss in die Stichwahl

Überraschung bei der Präsidentenwahl in Brasilien: Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva, der als haushoher Favorit galt, hat die Wiederwahl in der ersten Runde verpasst und muss nun in die Stichwahl am 29. Oktober. Das bestätigte die Wahlbehörde TSE in der Nacht zum Montag (Ortszeit) in Brasilia.

dpa RIO DE JANEIRO. Nach Auszählung aller Wahllokale habe der Staatschef der sozialistischen Arbeiterpartei (PT) am Sonntag mit 48,61 Prozent die mit Abstand meisten Stimmen gewonnen, die zur Wiederwahl nötige absolute Mehrheit aber verfehlt.

In der Stichwahl muss der 60-jährige Ex-Gewerkschaftsboss gegen Geraldo Alckmin von der Partei der Sozialdemokratie Brasiliens (Psdb) antreten. Der 53 Jahre alte frühere Gouverneur des Bundesstaates und Wirtschafszentrums São Paulo erhielt laut TSE 41,64 Prozent. Dahinter folgten die früheren PT-Mitglieder Heloisa Helena (Partei für Sozialismus und Freiheit, Psol) mit 6,8 und Christóvam Buarque (Demokratische Arbeitspartei, PDT) mit 2,7 Prozent.

Lula gab zunächst keine Stellungnahme zum Ergebnis ab. Im internen Kreis soll er seine Partei verantwortlich gemacht und eingeräumt haben, er sei sehr niedergeschlagen. Laut Medien rief er seine Minister zu einer dringenden Sitzung zusammen, um den Wahlkampf „neu zu definieren“. Die meisten Zeitungen Brasiliens schrieben am Montag von einer „Niederlage“ Lulas. Die noch vor Tagen als sicher geglaubte Wiederwahl sei nun „ernsthaft gefährdet“, schreibt das Blatt „Folha de Sao Paulo“.

Dabei hatte sich Lula am Sonntag bei der Stimmabgabe in seiner Heimatstadt São Bernardo im Bundesstaat São Paulo noch sehr optimistisch gezeigt: „Ich gewinne schon in der ersten Runde“, hatte er versichert. Der Präsident hatte in den Umfragen lange Zeit einen Vorsprung von 25 Prozentpunkten vor Alckmin gehabt. Doch seine Position in der Öffentlichkeit bekam offenbar entscheidende Kratzer durch den jüngsten Skandal um den Kauf eines Dossiers mit belastendem Material über die Opposition durch enge Mitarbeiter des Präsidenten.

Neu gewählt wurden am Sonntag auch alle 513 Abgeordneten des Bundesparlaments, 27 der 81 Senatoren sowie die 27 Gouverneure der Bundesstaaten und die insgesamt 1 059 Abgeordneten der Regionalparlamente. Die Enthaltung lag trotz Wahlpflicht bei 17 Prozent.

Schlappen erlitt die Regierungskoalition bei der Gouverneurswahl in zwei der drei reichsten und politisch sehr wichtigen Bundesstaaten Brasiliens. Sowohl in São Paulo als auch in Minas Gerais setzte sich die oppositionelle Psdb mit ihren jeweiligen durch. In Bundesstaat Rio de Janeiro gibt es eine Stichwahl.

Die rund 126 Mill. stimmberechtigten Brasilianer wählten am Sonntag unter dem Eindruck zahlreicher Korruptionsaffären, die vor allem die Regierung erschütterten, und des schlimmsten Flugzeugunglücks in der Geschichte des Landes, das am Freitag 155 Menschenleben forderte. Der Urnengang verlief nach Medienberichten ohne größere Zwischenfälle.

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