Überraschungsvisite
Obama besucht Afghanistan

Überraschend ist der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama nach Afghanistan geflogen. Aus Sicherheitsgründen bleiben Details geheim. Anschließend startet der Politiker eine Reise um die Welt - auch nach Berlin.

HB KABUL. Obama sei am Nachmittag (Ortszeit), also gegen 9.15 Uhr MESZ auf dem Flughafen in Kabul gelandet, teilte ein hochrangiger Berater des Senators aus Illinois mit. Obama sei am Donnerstag aus den Vereinigten Staaten abgereist und habe zunächst bei einem Zwischenstopp Soldaten in Kuwait besucht.

Die Einzelheiten der Reise wurden aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehalten. Obama wird sich bei seinen Gesprächen in den Hauptstädten erstmals detailliert zu seinen außenpolitischen Vorstellungen äußern. Gegner des schwarzen Senators werfen ihm Unerfahrenheit in internationalen Fragen vor. Obama will auch den Irak besuchen.

Geplant ist ein Treffen Obamas mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Obama wolle außerdem mit Vertretern der Streitkräfte sprechen und erfahren, was in Afghanistan und im Irak die dringlichsten Probleme seien, sagte der Senator vor seinem Abflug. Außerdem wolle er den Truppen dort „für ihre heldenhafte Arbeit“ danken. Obama hat sich für eine deutliche Verstärkung der US-Truppen in Afghanistan und einen Abzug der Soldaten aus dem Irak ausgesprochen.

Er wolle mehr zuhören als selbst reden, erklärte Obama und betonte, er reise als Senator in die beiden Länder. Sein Sprecher Robert Gibbs stellte klar, der Auslandsbesuch knapp vier Monate vor der Präsidentenwahl sei keine Wahlkampfreise. Obama gehe es um substanzielle Treffen mit „unseren Freunden und Verbündeten“, bei denen gemeinsame Herausforderungen und Gefahren für die Sicherheit im 21. Jahrhundert Thema sein sollten. Begleitet wird Obama von den demokratischen Senatoren Chuck Hagel und Jack Reed.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki unterstützt laut einem Bericht des „Spiegels“ Obamas Plan, die US-Truppen binnen 16 Monaten aus dem Land abzuziehen. Das wäre „der richtige Zeitraum für den Abzug, geringe Abweichungen vorbehalten“, zitierte das Magazin den Regierungschef. Wer im Irak mit kurzen Fristen rechne, sei „näher an der Wirklichkeit“, die Stationierung der amerikanischen Truppen zu verlängern, würde dagegen Probleme bereiten. Die US-Streitkräfte sollten den Irak „so bald wie möglich“ verlassen, sagte Al-Maliki.

Die USA hätten sich bislang schwer getan, einem konkreten Zeitplan für den Truppenabzug zuzustimmen, „weil ihnen das wie das Eingeständnis einer Niederlage vorkommt“, wurde der Ministerpräsident weiter zitiert. „So ist es aber nicht.“

In den nächsten Tagen wird Obama auch in Israel und in Jordanien erwartet. Am Donnerstag trifft er in Berlin ein. Auch London und Paris stehen auf dem Programm seiner Reise. Für seinen öffentlichen Auftritt am Donnerstag in Berlin soll eine Art Fanmeile aufgebaut werden. Dies berichtet die "Berliner Zeitung". Den Auftritt des Politikers an der Siegessäule sollen so viele Menschen wie möglich verfolgen können. Deshalb werden laut dem Bericht auf der Straße des 17. Juni zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor Großleinwände wie zuletzt zur Fußball-EM aufgebaut. Vorgesehen sei, dass Obama etwa eine Stunde lang spricht.

Unterdessen ist ein weiterer Überraschungsgast in Afghanistan eingetroffen. Der französische Verteidigungsminister Hervé Morin landete am Morgen in Kabul und will zwei Tage im Land bleiben, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Er wollte zunächst die französischen Truppen in Kabul sowie in der Provinz Kapisa nordöstlich von Kabul besuchen. Für Sonntag ist ein Besuch des Begleitkommandos der Luftwaffe in der südlichen Provinz Kandahar geplant. Morin war bereits zwei Mal - im September und im Dezember vorigen Jahres - zu Kurzbesuchen in Afghanistan.

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