„Übertreibungen und Lügen“
US-Geheimdienstausschuss greift Snowden an

Weltweit gilt Edward Snowden als Whistleblower. Doch US-Parlamentarier finden keine Hinweise darauf, dass Snowden versucht hat, vor seiner spektakulären Flucht mit der Geheimdienstaufsicht über NSA-Praktiken zu reden.

WashingtonDas US-Repräsentantenhaus hält den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden nicht für einen Whistleblower. Snowden habe größtenteils Dokumente mit Militärgeheimnissen gestohlen, die nichts mit der Privatsphäre von US-Bürgern zu tun hätten, heißt es in einem Bericht des Geheimdienstausschusses. Er stelle sich zwar als jemand dar, der Fehlverhalten der Regierung aufgedeckt habe, sei aber nur ein „verärgerter Angestellter, der häufig Streit mit seinen Vorgesetzten hatte“.

Dank der von Snowden besorgten Informationen enthüllten Medien unter anderem, dass der Geheimdienst NSA die Telefondaten von Millionen US-Bürgern gesammelt hatte. Der Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses untersuchte den Fall zwei Jahre lang und veröffentlichte am Donnerstag Ausschnitte seines Berichts.

Die Parlamentarier monierten, es gebe keinen Hinweis darauf, dass sich Snowden mit Bedenken gegen NSA-Aktivitäten an die Geheimdienstaufsicht in der US-Regierung gewandt habe. Dabei habe er dafür zahlreiche Möglichkeiten gehabt. Mit dem massenhaften Downloaden von Geheimmaterial habe er begonnen, nachdem er wegen eines Streits mit seinen Vorgesetzten gerügt worden sei.

Weiter hieß es, Snowden neige zu Übertreibungen. So habe er sich als hoher CIA-Berater bezeichnet, obwohl er dort nur als Computertechniker gearbeitet habe. Vor einem Test für neue Jobs im NSA habe er sich vorab heimlich die Antworten besorgt. Einen angegebenen Schulabschluss habe er nie bestanden.

Falsch sei auch Snowdens Aussage, er habe die 1,5 Millionen Geheimdokumente noch niemandem gezeigt. Der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der russischen Duma habe dagegen öffentlich erklärt, dass die Regierung in Moskau Geheimdokumente eingesehen habe.

Der Ausschussvorsitzende Devin Nunes sagte, Snowdens Darstellungen steckten voller Übertreibungen und Lügen. „Niemand sollte ihn beim Wort nehmen“, sagte Nunes. Snowden habe sein Land verraten und müsse für seine Verbrechen vor Gericht gestellt werden.

Whistleblower sind in den USA vom Gesetz geschützt, Snowden floh jedoch nach Russland und hat Präsident Barack Obama um Begnadigung gebeten. Die Regierung besteht aber auf einem Prozess, der Snowden bis zu 30 Jahre Gefängnis einbringen könnte.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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