Überwachung in Peking Deutsche Firmen in Sorge um Chinas Staatsmacht

Deutsche Firmen in China spüren höheren Druck. Schon seit Jahren wird das Geschäft härter. Jetzt drängt die Kommunistische Partei auf mehr Mitsprache in Joint Ventures. Die Stimmung droht zu kippen.
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Deutsche Firmen, die in China tätig sind, sorgen sich um die immer stärkere Einflussnahme des Staates. Quelle: dpa
VW-Werk in Shanghai

Deutsche Firmen, die in China tätig sind, sorgen sich um die immer stärkere Einflussnahme des Staates.

(Foto: dpa)

PekingChina ist der Hoffnungsmarkt für die deutsche Wirtschaft. Trotz aller Schwierigkeiten locken nirgendwo so große Chancen. Doch gleichzeitig wächst auch das Risiko. Langsames und zensiertes Internet, fehlende Fachkräfte, steigender Wettbewerb, Protektionismus sowie mangelnde Rechtssicherheit gehören zu den größten Hürden, wie die jährliche Umfrage der deutschen Handelskammer (AHK) in China ergab.

Doch damit nicht genug. Die Kommunistische Partei drängt zunehmend auf Mitsprache bei den Unternehmen. „Statt auf die unsichtbare Hand des Marktes baut China auf die starke Hand der Partei. Sie baut ihren Einfluss in der Wirtschaft weiter aus, neuerdings durch die vermehrte Gründung von Parteizellen“, schreibt deutsche Botschafter Michael Clauss in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

„Diese Entwicklung hat nicht nur chinesische Staats- und Privatunternehmen erfasst, sondern betrifft inzwischen auch ausländische Firmen. Die Parteipropaganda fordert ganz offen mehr Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen und deren „patriotische“ Ausrichtung“, beschreibt der Botschafter. Firmen müssten sich für einen härteren Wettbewerb wappnen.

Kammerpräsident Lothar Herrmann sagte: „Das Gefühl, weniger willkommen zu sein, hat zugenommen.“ Erhebungen der amerikanischen und europäischen Handelskammern zeigten eine ähnliche Stimmung. In der Umfrage geben 39,1 Prozent (Vorjahr 37 Prozent) der deutschen Unternehmen in China an, sich nicht mehr so willkommen wie früher zu fühlen. Mehr als die Hälfte habe wenig oder kein Vertrauen in Zusagen der chinesischen Führung, den Markt weiter zu öffnen.

Die Enttäuschung wächst, dass Chinas Führung ihre 2013 groß angekündigten marktwirtschaftlichen Reformen nicht wie versprochen umsetzt. Jedes dritte Unternehmen ist unsicher, ob die Marktöffnung mittelfristig erfolgt. Ein Viertel glaubt nicht mehr daran. Ein Anfang des Jahres veröffentlichter Beschluss der chinesischen Regierung zur Öffnung des Marktes und aktiven Nutzung ausländischer Investitionen verpuffte wirkungslos, wie alle fanden.

Nach dem Stimmungstief in den vergangenen zwei Jahren, als sich das Wachstum in China abzubremsen schien, erwarten aber gut zwei Drittel der Unternehmen, dass sich die Umsätze durch den Konjunkturaufschwung in diesem Jahr erholen. Im nächsten Jahr könnte wieder das Niveau von 2014 erreicht werden.

Doch herrscht weiter Vorsicht beim Ausbau der Beschäftigung und der Investitionen. Es wächst auch die Sorge über die hohe Verschuldung und die Stabilität des Finanzsektors, da das robuste Wachstum von 6,8 Prozent in den ersten drei Quartalen dieses Jahres vor allem durch sprudelnde Kredite erreicht wurde.

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