Überwachungsskandal

NSA sammelt 250 Millionen E-Mail-Adressbücher

Die Sammelleidenschaft des US-Geheimdienstes NSA kennt offenbar keine Grenzen. Laut einem Bericht der „Washington Post“ greifen die Agenten in großem Stil auch Kontaktlisten von E-Mail-Konten und Messaging-Diensten ab.
14 Kommentare
Der neue NSA-Komplex im Salt Lake Valley bleibt wegen technischen Problemen noch geschlossen. Schon bald scheint die NSA die Daten-Infrastruktur aber zu brauchen. Quelle: AFP

Der neue NSA-Komplex im Salt Lake Valley bleibt wegen technischen Problemen noch geschlossen. Schon bald scheint die NSA die Daten-Infrastruktur aber zu brauchen.

(Foto: AFP)

WashingtonDer US-Geheimdienst NSA sammelt nach einem Bericht der „Washington Post“ weltweit hunderte Millionen von Kontaktlisten aus E-Mail- und Messaging-Diensten. Viele Konten gehörten Amerikanern, schrieb das Blatt online am Dienstag. Die Informationen stammten von hohen Geheimdienstmitarbeitern und aus streng geheimen Dokumenten des Informanten Edward Snowden.

An einem einzigen Tag im vergangenen Jahr habe die NSA mehr als 444.000 E-Mail-Adressbücher bei Yahoo, mehr als 100.000 bei Hotmail, über 82.000 bei Facebook, gut 33.000 bei Gmail und fast 23.000 bei anderen nicht genannten Dienstleistern gesammelt. Das gehe aus einer Präsentation der NSA hervor. Es sei die übliche Ausbeute eines Tages, heißt es laut „Washington Post“. Damit wären das hochgerechnet mehr als 250 Millionen E-Mail-Adressbücher im Jahr.

Die Sammlung an Kontakten sei so umfangreich, dass gelegentlich eine Überlastung der Speicherkapazitäten gedroht habe, heißt es in der „Washington Post“.

Die Analyse dieser Daten erlaube es dem Geheimdienst unter anderem, nach verborgenen Verbindungen zu suchen. Die Sammlung sei auf geheime Vereinbarungen mit ausländischen Telefongesellschaften oder befreundeten Geheimdiensten angewiesen. Auch wenn das außerhalb der USA geschehe, bestätigten zwei hohe US-Geheimdienstbeamte laut „Washington Post“, dass davon auch Kontakte zahlreicher Amerikaner betroffen seien. Nach Schätzungen könne die Zahl im Bereich von Millionen oder Dutzenden von Millionen liegen.

Ein Sprecher des Büros des Nationalen Geheimdienstdirektors erklärte der Zeitung, dass die NSA Hinweise auf Terroristen, Menschenhändler und Drogenschmuggler suche. „Wir sind nicht interessiert an persönlichen Informationen über normale Amerikaner.“

Online gespeicherte Kontaktlisten seien ergiebigere Datenquellen als Telefonaufzeichnungen. Adressbücher enthielten nicht nur Namen und E-Mail-Adressen sondern auch Telefonnummern, Anschriften und Informationen über Familien und Geschäfte.

Die NSA sei weder vom Kongress noch dem speziell zuständigen geheimen Gericht ermächtigt worden, Kontaktlisten in großen Mengen zu sammeln. Ein hoher Geheimdienstmitarbeiter habe erklärt, das wäre von einem Ort in den USA aus ungesetzlich. Der Geheimdienst arbeite deshalb von Standorten in aller Welt.

Auch Spam-Mails seien ein bedeutendes Problem für die NSA, da sie Datenspeicher mit wertlosen Informationen verstopften. Der größte Teil der E-Mails ist laut einem NSA-Dokument Spam von falschen Adressen.

Sprecher von Google, Microsoft und Facebook erklärten dem Blatt, sie leisteten keine Hilfe für die staatliche Datensammlung. Bei Yahoo hieß es, ab Januar würden alle E-Mail-Verbindungen verschlüsselt. Google hatte es erstes Unternehmen bereits 2010 alle seine E-Mail-Verbindungen gesichert. Nach Angaben von Insidern sollte damit teilweise die Sammlung von Benutzer-Informationen in großem Umfang durch die NSA und durch andere Geheimdienste durchkreuzt werden.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Überwachungsskandal - NSA sammelt 250 Millionen E-Mail-Adressbücher

14 Kommentare zu "Überwachungsskandal: NSA sammelt 250 Millionen E-Mail-Adressbücher"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Weshalb hat die Kanzlerin ihre Adjundanten Profalla und Friedrich nicht noch nachträglich wegen Gefährdung der Öffentlichkeit eingemauert?

    Wäre derartiges Vorgehen nicht ganz im Geiste des "Kampfes gegen Terror"?

    Wenn man nicht soweit gehen wollte, dann könnte man die Herren doch mit dem Bischof von Limburg zusammenbringen und in einen Sachk stecken.

  • Wieso Skandal?
    Die Gleichgültigkeit der Masse kennt keine Grenzen.
    Durch die Lethargie driftet das Wort eher zur Popkultur.
    Liebe Grüße, Tony.

  • Na gut ich versuche mal zu artikulieren und zu adressieren.
    Es ist das "von Gott auserwählte Volk"! Zionistisch indoktriniert.
    Seit der franz. Revolution herrschen sie in Frankreich.
    Einiges später und weniger martialisch hatten sie England im Sack. Seit 1913 (Gründung der FED) die USA. Ab 1917, wieder mit Blut und Tod, Russland.
    Ab 1933, diesmal EVOLUTION statt REVOLUTION (Aufbau und Werdegang Hitlers) Deutschland.
    Und ab 1945 (Gründung der UNO und vor allem Isreals) konnten sie sich Schritt für Schritt über den Rest der Erde hermachen.
    Tja, und da stehen wir nun heute. In einer Welt aus Lügen und Blut. Und leider sind die wenigsten Menschen in der Lage und bei genügend Verstand diesen Schleier beiseite zu wischen um endlich zu erkennen, wer ihnen da in Genick sitzt.
    Aber ich denke mal das wird schon!

  • "..geht hinaus in die Welt und macht sie euch untertan.."
    Wo steht das?
    Auch jeden Fall nicht in "Mein Kampf"!

  • "Tse, was haben Sie denn zu verbergen? *g*"
    ---
    *lach* Prinzipiell nichts. Bei meinen üblichen Mails (Termine und so'n Kram) würde die NSA-Mitarbeiter beim Lesen tief und fest einschlafen vor lauter Langeweile. Ich bin aber auch der Auffassung, daß dieses Nichts den Staat absolut NICHTS angeht. Vertrauliche Daten werden eh verschlüsselt und zwar so, daß sich auch der fähigste Gehiemdienst die Zähne dran ausbeißt resp. wenn er die Lösung endlich hat, ich schon seit Jahrzehnten bei meinen Ahnen bin... :-D

  • @Otto Cuntz
    Nun ja, durch Falschinformation und Vorgaukeln von Sicherheit.
    Ich finde das ein wenig, nun ja, arrogant gedacht.
    Viele sind bestimmt zB begabte Schreiner, haben handwerklich geniale Ideen, aber sind nicht so fit mit dem Internet und froh, wenn sie ihre Rechnungen inzwischen irgendwie per Word und Mail hinkriegen.
    Es fehlt m.E. hier (gewollt?) schlichtweg an Aufklärung und allgemeinverständlicher Unterweisung, wie sich Privatperson oder Unternehmer besser gegen so etwas schützen kann.

  • ...es wissen immer mehr George, und das ist gut so. Die Tabus werden fallen und sie werden artiluliert und adressiert werden.

    Nicht nur hie bei uns, sondern überall auf dem Planeten.

  • "Wer seine E-Mail-Adressensammlung beim Provider hat, ist selber schuld. "

    Tse, was haben Sie denn zu verbergen? *g*

  • Jeder der seine Daten in der ach so tollen "Cloud" speicehrt ist selber schuld. Die "Cloud"-Server stehen wahrschinlich direkt bei der NSA.

    Als Privatmann kann man vielleicht noch damit leben, dass die Urlaubsfotos und Liebebriefe gescannt werden, aber wie ein Unternehmen seine Daten der Cloud/NSA anvertrauen kann ist mir schleierhaft.

  • Die Frage ist doch wozu.

    Die Antwort lautet: Unendliche Macht.

    Die USA streben die Weltherrschaft an, die sie nun, da sie wirtschaftlich am Boden liegen, mit Gewalt und Unterdrückung durchsetzen wollen. Das ist Wahnsinn und es ist die Wahrheit.

    Wer dabei genau "die USA" ist, wissen wahrscheinlich nur wenige auf diesem Planeten.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%