Ukraine
"Das ist kein Waffenstillstand, das ist Theater"

Widersprüchliche Berichte aus der Ukraine: Manche sprechen von Ruhe, Separatisten und Regierung werfen sich Brüche der Feuerpause vor. Die Bevölkerung spricht von "Theater". Und Russland droht mit Gegenmaßnahmen.
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Donezk/Moskau/PragDie Separatisten in der Ostukraine haben den Regierungstruppen vorgeworfen, die am Freitag ausgerufene Waffenruhe gebrochen zu haben. In den Außenbezirken von Donezk habe es am Freitagabend Raketenbeschuss gegeben, sagte der Separatistenvertreter der selbsternannten Volksrepublik Donezk, Wladimir Makowitsch, am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Zudem sei aus der nahegelegenen Region Saporischija ein Konvoi mit schweren Waffen eingetroffen. Die Separatisten wollten ihren Kampf für die Unabhängigkeit der Ostukraine deshalb fortsetzen, kündigte Makowitsch an.

Die Nachrichtenagentur dpa zitiert weitere Aufständische, nach denen die Armee mehrere Orte im Gebiet Donezk unter Feuer genommen habe. Mindestens acht Kämpfer seien durch Granatwerferbeschuss am Flughafen von Donezk verletzt worden. Die Separatisten hätten das Feuer nicht erwidert, hieß es. Die Aufständischen riefen die Regierungseinheiten auf, die am Freitag in der weißrussischen Hauptstadt Minsk beschlossene Feuerpause einzuhalten.

Die prowestliche Führung in Kiew wies die Vorwürfe zurück und wies ihrerseits den militanten Gruppen einen Bruch der Feuerpause vor. "Wir haben eine Reihe von Provokationen durch die Rebellen vorliegen", sagte Armeesprecher Andrej Lyssenko am Samstag vor Journalisten. Die Separatisten hätten am Freitag 28 Mal auf ukrainische Einheiten geschossen, zehn der Vorfälle hätten sich nach Inkrafttreten der Waffenruhe ereignet. Dmitro Timtschuk, ein Verteidigungsexperte mit engen Kontakten zur ukrainischen Armee, warf den Separatisten vor, den Waffenstillstand in mehreren Gebieten verletzt zu haben. "Die ukrainischen Truppen halten sich voll und ganz an die Bedingungen der Waffenruhe", fügte er hinzu.

Nach anderen Quellen hält die Waffenruhe. "Im Moment sieht alles gut aus", zitiert die Agentur Reuters einen unter dem Spitznamen Montana bekannten Rebellenkommandeur. Er schränkte zugleich ein: "Wir wissen aber, dass sie (die ukrainische Seite) das nur ausnutzen, um mehr Truppen und Munition heranzubringen, um uns mit neuer Kraft zu schlagen." "Ich würde (dem ukrainischen Präsidenten Petro) Poroschenko nicht trauen", fügte er hinzu. Poroschenko hatte Russland vorgeworfen, mit eigenen Truppen in den Kampf im Osten der Ukraine eingegriffen zu haben. Die Regierung in Moskau hat solche Berichte immer wieder dementiert.

Eine Einwohnerin von Donezk äußerte ihre Skepsis mit den Worten: "Ich weiß nicht, von was für einem Waffenstillstand wir reden, wenn es immer noch Schüsse gibt. Das ist kein Waffenstillstand, das ist nur Theater. Dieser Krieg wird fünf bis neun Jahre weitergehen. Slawen kämpfen gegen Slawen, es kann nichts Schlimmeres geben."

Ruhig war es in der Umgebung des Hafens von Mariupol am Asowschen Meer, der noch am Freitag heftig umkämpft war. "Viele meiner Männer haben seit Tagen erstmals wieder geschlafen", sagte ein ukrainischer Offizier.

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