Ukraine
Die Waffenruhe hält, obwohl Schüsse fallen

Die Waffenruhe in der Ostukraine scheint vorerst zu halten. Allerdings werfen sich beide Konfliktparteien gegenseitig vor, die Feuerpause zu verletzen. Zwei Zivilisten sterben nach einem Raketenangriff.
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KiewKurz nach Inkrafttreten der vereinbarten Waffenruhe in der Ostukraine haben sich die Konfliktparteien gegenseitig Verletzungen der Feuerpause vorgeworfen. Die ukrainischen Behörden berichteten am Sonntag von einem Bruch der Waffenruhe 50 Minuten nach der Frist. Die Rebellen warfen der Ukraine vor, kurz nach Mitternacht Geschütze aufgestellt zu haben. Die Waffenruhe war am Sonntag in Kraft getreten.

Und direkt nach dem Beginn sind laut Behördenangaben zwei Zivilisten bei einem Separatistenangriff getötet worden. Ein alter Mann und eine Frau seien rund 20 Minuten nach Inkrafttreten der Waffenruhe beim Einschlag einer Grad-Rakete in dem Dorf Popasna in der Region Lugansk ums Leben gekommen, sagte der Regionalgouverneur Gennadij Moskal am Sonntag.

Abgesehen vom Tod der beiden Zivilisten schien die Waffenruhe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Rebellen jedoch weitgehend zu halten.

Nahezu an der gesamten Front hätten die Kämpfe seit 03.00 Uhr aufgehört, erklärten die ukrainischen Behörden. Lediglich ganz vereinzelt habe es noch Zwischenfälle gegeben. In Donezk waren nach Mitternacht zwar noch vereinzelt Schüsse, aber kein Artilleriefeuer mehr zu hören, wie AFP-Reporter vor Ort berichteten.

Auch in der Hafenstadt Mariupol und dem Bahnknotenpunkt Debalzewe, wo es kurz zuvor noch erbitterte Gefechte gegeben hatte, werde die Waffenruhe eingehalten, verlautete aus ukrainischen Militärkreisen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko befahl seinen Soldaten, das Feuer einzustellen, zeigte sich jedoch besorgt, ob die Vereinbarung halten wird. Zuvor hatte er gesagt, seine Regierung werde Sofortmaßnahmen ergreifen, falls die Feuerpause nicht eingehalten werde. „Wenn es keine Frieden gibt, müssen wir die Entscheidung in Erwägung ziehen, Kriegsrecht einzuführen“, sagte er. Dieses werde dann nicht nur für die Regionen Donzek und Lugansk gelten, sondern für das gesamte Land.

US-Präsident Barack Obama sagte Poroschenko in einem Telefonat kurz vor Inkrafttreten des Waffenstillstands, dass er tief besorgt sei über die andauernde Gewalt, besonders in und um den Bahnknotenpunkt Debaltzewo. Beide Präsidenten betonten einer Mitteilung des Weißen Hauses zufolge, dass es unbedingt nötig sei, dass alle Parteien die Feuerpause umsetzten.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, bei einem Nichteinhalten der Waffenruhe würden Region und Menschen „einen hohen Preis „zahlen müssen. Falls diese Gelegenheit vertan werde, sei der Weg für Verhandlungen für eine lange Zeit nicht mehr gehbar.

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