Ukraine in finanzieller Not
Der Hilferuf des Arseni Jazenjuk

Der Ukraine droht der Staatsbankrott. Das sagt Ministerpräsident Jazenjuk – und bittet den Westen um mehr Geld. Das Land leidet weiter unter dem Konflikt mit den Separatisten – auch die neue Waffenruhe scheint gebrochen.
  • 34

KiewDer ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hat eine internationale Geberkonferenz zur Abwendung eines Staatsbankrotts gefordert. Die Unterstützung des Westens sei zum Überleben nötig, sagte der Regierungschef am Donnerstag in einer Rede vor dem Parlament in Kiew. Er verwies auf einen Bericht der „Financial Times“, wonach die Ukraine im kommenden Jahr über ein bestehendes Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) hinaus 15 Milliarden Dollar benötige

Das IWF-Paket umfasst 17 Milliarden Dollar. Zwei Zahlungen von insgesamt 4,6 Milliarden Dollar sind geflossen. Jazenjuk betonte den Reformwillen seiner Regierung, um weiteres Geld des Westens zu erhalten. Das Parlament genehmigte am Donnerstag ein Programm der Regierung, das einen Umbau des Steuerwesens, eine Anhebung der Energiepreise und eine Privatisierung staatlicher Unternehmen vorsieht.

Außerdem soll die Korruption stärker bekämpft werden. „Alles, was in den vergangenen 23 Jahren nicht getan wurde, muss jetzt in 23 Monaten erledigt werden“, sagte Jazenjuk. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) stiegen dennoch zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit fünfeinhalb Jahren.

Die Ukraine leidet in erster Linie unter dem Konflikt mit prorussischen Separatisten im Osten des Landes. Dort toben trotz einer vor drei Monaten vereinbarten Waffenruhe immer noch Kämpfe. Seit Mitte April wurden mehr als 4300 Menschen getötet.

Am Donnerstag zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax einen Anführer der Separatisten mit den Worten, die Aufständischen hätten damit begonnen, größere Artilleriegeschütze von Stellungen im südlichen Teil der Rebellenregion Donezk abzuziehen.

Dagegen sagte der ukrainische Armeesprecher Andrej Lyssenko am Donnerstag, dass trotz einer Feuerpause im Osten des Landes binnen 24 Stunden drei Soldaten getötet worden seien. Dies seien die ersten Todesopfer seit Beginn der neuen Waffenruhe am Dienstag. Acht weitere Soldaten seien verletzt worden. Bislang war die Feuerpause nach Angaben Kiews weitgehend eingehalten worden.

Auf die Waffenruhe hatten sich die ukrainische Regierung und die Führung der prorussischen Separatisten in der vergangenen Woche verständigt. Weiter unklar ist, wann die geplanten Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien anfangen könnten. Als möglicher Termin für den Beginn der Gespräche gilt der Freitag.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ukraine in finanzieller Not: Der Hilferuf des Arseni Jazenjuk"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Erst das Maul weit aufreißen, einen Putsch als Revolution tarnen und anschließend betteln gehen, weil die eigene Unfähigkeit und Hirnrissigkeit die Karre in den Dreck gefahren haben.
    Bedingung für Hilfen:
    1. Auflösung sämtlicher Oligarchen-Konten und Überleitung der geraubten Reichtümer in Eigentum des ukrainischen Volkes
    2. sofortiger Rücktritt der amtierenden Regierung und Neuwahlen in der gesamten Ukraine

  • Der Witz der Ausländischen Minister im Kabinett Jaszenjuk besteht darin, dass die Ausländer ihn zwingen, als Geschäftssprache bei den Sitzungen RUSSISCH zu verwenden.

    Denn manch ein Ausländer ist der Ukrainischen Sprache NICHT mächtig ! Alle haben aber Russisch drauf. Englisch geht NICHT wegen mangelnden Sprachkenntnissen der ukrainischer Abgeordneten.

  • Kommt mir irgendwie bekannt vor. Griechenland ...
    Da waren es auch erst 10 Milliarden, dann 30, dann 50, jetzt sind wir glaube ich bei etwas über 200 Mrd...
    Das erste Geld hatte vorrangig die Einlagen von "Investoren" bedient ...

    Der Unterschied zu Griechenland: Im westukrainischen Vinnytsia kämpfen Rechtsradikale gegen Rechtsradikale und Kiev schickt für Verbrechen bekannte Rechtsradikale (Bataillon Ajdar) "eine Lustration" (Säuberung) in der Region durchführen. Die EU unterstützt also mit Milliarden Rechtsradikale und Terroristen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%