Ukraine in Geldnot
Investoren verzweifelt gesucht

Die Ukraine will Anteile an Staatskonzernen auch an internationale Investoren verkaufen und sucht derzeit verstärkt nach Interessenten. Vor allem der Energie-Konzern Naftogaz soll so schnell wie möglich in private Hände.
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KiewDie in Finanznot geratene Ukraine will ihre Staatskonzerne teilweise an ausländische Investoren verkaufen und den Staatshaushalt zusammenstreichen. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk kündigte am Dienstag an, alle staatlichen Unternehmen nach internationlen Richtlinien prüfen zu lassen und Anteile an den internationalen Märkten zu verkaufen.

Auch der ukrainische Staatskonzern Naftogaz müsse privatisiert werden, forderte der Vizechef der Präsidialbehörde, Dmytro Schymkiw. Ziel der Regierung sei es außerdem, das Haushaltsbudget um 25 Prozent zu kürzen, erläuterte Schymkiw. Aber schon eine Kürzung um zehn Prozent wäre nach seinen Worten „fantastisch“.

Die Subventionen für Naftogaz würden „in den Himmel schießen“ und kosteten den Staat etwa zehnmal so viel wie die Armee, sagte Schymkiw. Deshalb müssten die Gaspreise sowohl für private als auch gewerbliche Abnehmer erhöht werden. Nach monatelangem Streit um unbezahlte Rechnungen und die Höhe des Gaspreises erhält die Ukraine seit Dienstagmorgen wieder Erdgas aus Russland.

Seit dem Sturz des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch im Februar streiten sich Naftogaz und der russische Monopolist Gazprom über den Gaspreis und unbezahlte Rechnungen. Im Juni hatte Gazprom der Ukraine deshalb den Gashahn zugedreht. Das Land ist bei der Erdgasversorgung fast völlig von Russland abhängig.

Unterdessen sagte Naftogaz-Chef Andrij Kobolew bei einer Investorenkonferenz in London, Anfang nächsten Jahres stünden neue Verhandlungen mit Gazprom an. Wenn Gazprom sich an die zugesagten Gaslieferungen halte und Naftogaz die Rechnungen bezahle, stünden die Aussichten auf eine für die Ukraine günstigere Vereinbarung gut.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Teil 2

    Die USA stellen sich ganz offenkundig bereits auf einen baldigen Staatsbankrott der Ukraine ein – und wollen retten, was dann noch zu retten ist. Vorrangig wohl die Bodenschätze des Landes.

    Die personellen Weichen wurden entsprechend gestellt.
    Ein Vorgang, der exemplarisch deutlich macht, wer in Kiew das Sagen hat.
    Auf Betreiben von US-Präsidentenmarionette Poroschenko wurde die amerikanische US-Bankerin Natalie Ann Jaresko zur neuen ukrainischen Finanzministerin ernannt.

    Zuvor hatte sie beim Finanzinvestor Horizont Capital und einem Private Equity Fonds gearbeitet. Sie war also Managerin eines "Heuschrecken"-Fonds und weiß, wie man sich aus einem Pleitekandidaten die letzten Filetstücke sichert.

    Vor ihrer Karriere als Banksterin arbeitete Jaresko im US-Außenministerium.
    Wenige Stunden vor ihrer Ernennung zur neuen Finanzministerin erhielt sie in einer Nacht- und-Nebelaktion die ukrainische Staatsbürgerschaft.
    Sie hat nun 2 Jahre Zeit, ihre US-amerikanische Staatsbürgerschaft zurückzugeben.
    Aber vielleicht ist das gar nicht erforderlich, weil sie bis dahin ihre Mission erfüllt hat.

    Haben die Amerikaner in der Kiewer Marionettenregierung das Sagen, und die Europäer dürfen zahlen?

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/12/02/ukraine-us-investment-bankerin-ist-neue-finanzministerin/

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/12/06/ukraine-leitet-europaeische-steuergelder-an-gazprom-weiter/

  • Faktisch steht die Ukraine bereits heute am Rande des Staatsbankrotts.
    Die Währung kollabiert, die Wirtschaft liegt am Boden oder befindet sich in den Händen von Oligarchen wie dem schillernden Präsidenten Petro Poroschenko, und schon in den kommenden 6 Monaten fehlen dem Land 10 Milliarden Dollar.

    Bereits jetzt dürfen die westeuropäischen Steuerzahler in die Bresche springen.
    Vor Kurzem überwies Brüssel 500 Millionen Euro an die Ukraine.
    Dabei handelt es sich um die erste Tranche eines insgesamt 1,61 Milliarden Euro umfassenden Hilfspakets für Kiew.

    Doch dieser Betrag könnte sich bald als Tropfen auf den heißen Stein erweisen, wenn in der Ukraine spätestens Ende 2015 die "Pulverfass-Anleihen" explodieren.
    Tatsächlich ist Russland auf den internationalen Finanzmärkten nämlich ein geschickter Schachzug gelungen.

    Vor gut einem Jahr verkaufte die Ukraine Staatsanleihen an russische Investoren.
    Dabei handelt es sich, wie jetzt bekannt wurde, um Bonds nach ausländischem Recht.
    Das hat zur Folge, dass der ukrainische Staat als Emittent dieser Anleihen deren Bedingungen nicht einseitig ändern kann.

    Zu den Merkmalen dieser Papiere gehört eine Zahlungsunfähigkeits-Klausel.
    Und genau die machen die Bonds zu "Pulverfass-Anleihen". Sollte die Ukraine gegenüber einem Unternehmen, an dem Russland die Mehrheit hält, in Zahlungsverzug kommen oder gar die Rechnungen nicht begleichen, kann Russland auf sofortige Auszahlung der Anleihegelder bestehen.

    Darüber hinaus kann Russland die Auszahlung fordern, wenn die ukrainischen Staatsschulden den Grenzwert von 60 % des Bruttoinlandsprodukts überschreiten.
    Explodieren die "Pulverfass-Anleihen", könnten nach Expertenschätzungen kurzfristig 16 Milliarden US-Dollar zur Zahlung fällig werden.
    In diesem Fall wäre der Staatsbankrott der Ukraine nicht mehr aufzuhalten!

    Helfen könnten dann nur noch die Europäer. Sprich: In erster Linie wieder Staaten wie Deutschland und Österreich.

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