Ukraine
Julia Timoschenko als Regierungschefin berufen

Zwei Monate nach dem knappen Wahlsieg des Reformlagers in der Ukraine hat Julia Timoschenko zum zweiten Mal die Regierung übernommen – mehr als zwei Jahre, nachdem sie unter dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs entlassen worden war.

HB KIEW. Die Frau mit dem markanten Zopfkranz hat es geschafft: Nach monatelangen Verhandlungen ist Julia Timoschenko am Donnerstag zum zweiten Mal Ministerpräsidentin geworden. Abzuwarten bleibt aber, ob die 47-Jährige ihre zweite Amtszeit erfolgreicher gestalten kann als die erste. 2005 hielt ihre Regierung gerade sieben Monate, ehe sich Timoschenko mit Staatspräsident Viktor Juschtschenko überwarf.

So schwierig das Verhältnis der beiden Galionsfiguren in der „Orangenen Revolution“ auch ist – jetzt haben sie sich wieder zusammengerauft. Das Ergebnis der vorgezogenen Parlamentswahl vom 30. September hat dem Block Julia Timoschenko (BJuT) und Juschtschenkos Partei Unsere Ukraine auch kaum eine andere Wahl gelassen. Zwar haben beide zusammen eine Mehrheit. Stärkste Partei ist aber die prorussische Partei der Regionen des bisherigen Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch - der wichtigste Gegenspieler der orangenen Reformbewegung ist vor allem im Osten des Landes tonangebend.

Die Beziehungen Timoschenkos zu Russland sind jedoch gespannt. Die Staatsanwaltschaft in Moskau wirft ihr vor, Mitte der 90er Jahre Beamte des russischen Verteidigungsministeriums bestochen zu haben. Timoschenko lehnte es ab, sich in Moskau dazu befragen zu lassen und warf Russland sogar vor, ihre Entführung zu planen. Als Politikerin ist ihr aber bewusst, dass die Beziehungen zu Russland von besonderer Bedeutung sind.

Timoschenko wurde 1960 in Dnjepropetrowsk geboren, mitten im ukrainischen Industrierevier. Sie wuchs bei ihrer Mutter in einfachen Verhältnissen auf und studierte nach dem Schulbesuch Ökonomie und Kybernetik. Seit 1979 mit dem Parteibürokraten Oleksandr Timoschenko verheiratet, kümmerte sie sich danach um das Management der Maschinenfabrik „Lenin“ in Dnjepropetrowsk. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gründete sie die Firma „Ukrainski Benzin“ und übernahm 1995 die Leitung des Erdgasunternehmens EESU. So brachte sie es in den 90er Jahren zu einem beträchtlichen Vermögen.

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