Ukraine
Klitschko lässt Janukowitsch abblitzen – Neue Gewalt

Die Taktik des umstrittenen ukrainischen Präsidenten Janukowitsch geht nicht auf: Die Opposition hat das Angebot der Führung einer neuen Regierung als „vergiftet“ abgelehnt. Kurz danach eskalierte die Gewalt erneut.
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KiewNach der Ablehnung der Opposition an einer Regierungsbeteiligung hat sich die Lage in der Ukraine am Sonntag weiter zugespitzt. In der Nacht zum Sonntag hatten etwa 2000 gewaltbereite Demonstranten ein zentral gelegenes Kongress- und Ausstellungszentrum eingenommen. Das ehemailige Lenin-Museum war von Sicherheitskräften zuletzt als Quartier genutzt worden.

Einer der Oppositionsführer, Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko, bestätigte am Sonntag, dass es bei der Einnahme des Gebäudes „kein Blutvergießen“ gegeben habe. Auch wenn die Besetzung des Kongresszentrums weitestgehend gewaltfrei verlief, ist die Spannung in der ukrainischen Hauptstadt weiter gestiegen. Viele Menschen fragen sich, wie die Machtelite des Landes auf die Ablehnung der Regierungsbeteiligung der Opposition reagieren wird.

Am Samstag Abend hatte Präsident Janukowitsch überraschend der Opposition eine Regierungsbeteiligung angeboten. Doch Ex-Boxweltmeister und Vorsitzender der Udar-Partei sowie Arseni Jazenjuk von der Vaterlandspartei der inhaftierten ehemaligen Regierungschefin Julia Timoschenko lehnten das Angebot ab. Jazenjuk sollte nach den Vorstellungen von Janukowitsch neuer Regierungschef werden, Klitschko dessen Stellvertreter.

Nach einer längeren Beratung erklärten die beiden Oppositionsführer, dass sie das Angebot nicht annehmen werden. „Wir setzen unseren Kampf fort, bis der Präsident zurücktritt. Das hier war nur die erste Runde“, erklärte Klitschko und nannte Janukowitsch’ Offerte „ein vergiftetes Angebot“. Der einzige Ausweg aus der schweren Staatskrise sei der Rücktritt von Janukowitsch und der Regierung, sagte er vor tausenden Regierungsgegnern, die trotz -20 Grad auf dem Maidan ausharrten.

„Janukowitsch ist auf viele unserer Forderungen eingegangen. Bei anderen werden wir versuchen, noch einen Kompromiss zu finden“, sagte er. Außerdem erneuerte er unter dem Jubel seiner Anhänger, dass es noch in diesem Jahr Präsidentschaftswahlen geben müsse. Er selbst wolle dabei antreten, hatte er bereits zuvor angekündigt. Er appellierte noch einmal, nur gewaltfreien Widerstand zu leisten und kündigte weitere Verhandlungen mit Janukowitsch an.

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