Ukraine-Konflikt in Daten: Wie die Krise eskalierte

Ukraine-Konflikt in Daten
Wie die Krise eskalierte

Noch kein Frieden, aber vielleicht ein erster Schritt: Der Minsker Gipfel könnte den Ukraine-Konflikt entspannen. Wissen Sie noch, wie er überhaupt eskalierte? Handelsblatt Online zeichnet den Weg in die Krise nach.
  • 19

Kiew/Moskau/DüsseldorfDie Ukraine-Krise gipfelt in Minsk: Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ringen mit Kremlchef Wladimir Putin um ein Ende des Blutvergießens und einen Fahrplan zum Frieden. Der Weg bis dahin war lang. Doch wie genau hat der Konflikt mit bisher mehr als 5300 Toten – Sicherheitskreise vermuten sogar bis zu 50.000 Tote – angefangen? Und wie war das noch mal mit der Maidan-Revolution und der Entmachtung des damaligen ukrainischen Ex-Präsidenten Wiktor Janukowitsch? Eine Chronologie des neuen Ost-West-Konflikts – von der ukrainischen Regierungskrise bis zum Krieg.

21. November 2013
Weil Wiktor Janukowitsch, Ukraines Ex-Präsident das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union ablehnte, kamen tausende Ukrainer auf dem Maidan in Kiew zu Proteste zusammen, die im späteren Verlauf der Krise Maidan-Revolution genannt werden. Vor allem junge Menschen wollten die Entscheidung Janukowitschs nicht hinnehmen. Sie demonstrierten für eine freie, westliche Ukraine.

22. Februar 2014
Nach monatelangen Aufständen in Kiew und dem Rest der Ukraine wurde Janukowitsch gestürzt. Die Regierung bildete sich zunächst um den bis heute amtierenden Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk.

27. Februar 2014
Moskau stürmt die Krim, in der Lesart des Westens der Beginn der Annexion der Halbinsel. Pro-russische Milizen besetzten innerhalb kürzester Zeit wichtige Teile der Krim. Russen in Uniform übernahmen die Verwaltung des Flughafens und anderer nationaler Behörden.

16. März 2014

Das Referendum der Krim fiel deutlich aus: 95 Prozent stimmten für eine Anbindung an Russland. Viele Krim-Bewohner hätten sich nach eigenen Angaben schon immer russisch gefühlt. Sie wollten die Abspaltung von der Ukraine. Putin gilt auf der einen Seite als Interessenvertreter seines Landes, auf der anderen Seite als die Inkarnation des Bösen. Die Halbinsel ist für Putin nicht nur von symbolischer Natur, sie ist ihm auch aus anderen Gründen wichtig: Vor der Halbinsel liegen bisher noch nicht erschlossene Quellen von Öl und Gas. Ab 2017 sollen jährlich rund zehn Milliarden Kubikmeter Gas gefördert werden.

17. März 2014
Die erste Reaktion seitens der USA und der EU: Die Regierungen verhängen Einreiseverbote und lassen Konten von Putin-nahen Oligarchen sperren. Mit einer Reihe von härteren Sanktionen wollen Angela Merkel und Co. Putin zur Raison bringen.

Die „Krise“ spitzt sich zu

6. April 2014
Die Krise erreicht die Ostukraine. Pro-russische Separatisten besetzen Verwaltungsgebäude. Russland fordert, dass die Ostukraine eine „unabhängige Volksrepublik“ wird. Militärische Auseinandersetzungen sind zu diesen Zeitpunkt nicht abzusehen, zumindest keine dramatischen.

13. April 2014
Kiew schlägt zurück. Die Regierung um Jazenjuk startet einen „Anti-Terror-Einsatz“ und schickt militärische Truppen in Richtung Osten. Es sterben zehn Menschen ins Slawajansk.

13. Mai 2014
Ein neuer Präsident, eine neue Hoffnung? Drei Monate nach Sturz Janukowitschs gewinnt Petro Poroschenko die Präsidentschaftswahl. Der pro-europäische Politiker soll die Ukraine wieder auf Kurs bringen und eine Lösung mit Russland finden. Westliche Politiker, wie Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, er sei „einigermaßen zufrieden“ mit dem Wahlergebnis. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach Poroschenko sofort Unterstützung bei Reformen des Sicherheitssektors zu. Die 28 Nato-Staaten, zu denen die Ukraine nicht gehört, seien „entschlossen in ihrer Unterstützung der Souveränität, Unabhängigkeit und territorialen Integrität der Ukraine“ gewesen.

Erste Eskalationen

17. Juli 2014
Versehentlicher“ Abschuss von MH17 – einer Maschine der Fluglinie Malaysia Airlines, bei dem 298 Menschen starben. Das Flugzeug flog über Feindgebiet, wie Rakete in die Luft jagte, konnte bis heute nicht endgültig geklärt werden. Eine detaillierte Reproduktion der Ereignisse sehen Sie in dem Multimedia-Special von „Spiegel Online“.

19. Juli 2014
Unter den Toten, die im Flugzeug gesessen haben, waren knapp 200 Holländer. Ein pietätloser Umgang mit den Leichen war die Folge: Tagelang bewachten pro-russische Rebellen das Absturzfeld, weshalb weder die holländische noch die ukrainische Regierung die Körper der Verstorbenen hätten bergen können, Soldaten liefen über die toten Körper. Damit wurde der Ruf des Westens nach Sanktionen für Putin und Russland lauter. Ein Kommentar des holländischen Schriftstellers Leon de Winter.

7. August 2014
Zunächst aber handelte Putin selbst. Mit Importverboten von westlichen Lebensmitteln trifft er auch die deutsche Landwirtschaft hart, wie sich zeigen sollte. Bauern, Ökonomen und Experten fragten sich: Wohin mit den Pfirsichen?

22. August 2014
Die russische Invasion, wie Poroschenko die Hilfskonvois für die Ostukraine nannte, geht weiter. Putin schickte ohne Genehmigung zwölf Lastwagen mit Hilfsgütern ins Nachbarland.

5. September 2014
Minsk: Ein wichtiger Schritt hinein in der Krise. Dem (ersten) Minsker Abkommen sollte einen Waffenstillstand folgen, der jedoch immer wieder gebrochen wurde. Das Protokoll beinhaltete mehrere Punkte, unter anderem die Kontrolle der Vereinbarungen durch OSZE-Beobachter und die Freilassung aller Geiseln. Viele der Abmachungen wurden eingehalten.

16. September 2014
Sonderstatus Osten: Die ukrainische Regierung erkennt der Ostukraine mehr Selbstständigkeit zu.

Minsker Abkommen

20. September 2014
Minsk, die Zweite: Dem Friedensabkommen wird ergänzt, eine Pufferzone soll an der Frontlinie geschaffen werden.

Seite 1:

Wie die Krise eskalierte

Seite 2:

Minsk an Weihnachten 2014

Kommentare zu " Ukraine-Konflikt in Daten: Wie die Krise eskalierte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Gerade habe ich im web.archive.org auch die Reportage eines ukrainischen Reporters über die Zustände beim Militär vom 1.Juni 2014 wiedergefunden. Insbesondere auch die Fotos von Blackwatersöldner sind interessant und möglicherweise auch der Grund weshahl das Original gelöscht wurde? http://web.archive.org/web/20140710000214/http://sovietoutpost.revdisk.org/?p=127

  • Und hier kommt dann endlich der Link https://www.facebook.com/Onlinepetition mit dem freundlichen Hinweis an das HandelsBlatt, daß die Kommentarfunktion deutlich verbesserungswürdig ist, beispielsweise sollte der Post nicht automatisch abgesendet werden, wenn ich die entertaste drücke um eine neue Zeile anzufangen...

  • die Linksammlung umfasst u.a. die Asia Times zu MH17, ein ehemaliger Richter am bayrischen Verwaltungsgerichtshof zum selben Thema, Dirk Müller zu den Ursachen, Eine Petition, die u.a. aufschluss gibt weshalb Frau vdLeyen mittlerweile keine Panzer mehr gen Osten entsenden mag und weiteres

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%