Ukraine-Konflikt
Mit Cyber-Kriegern gegen Putin

Der Krieg wandert vom Schlachtfeld ins Netz: Auf die Propaganda Russlands will Kiew ebenfalls mit Propaganda antworten – mit Hilfe einer „Informations-Armee“. Statt Waffengleichheit mit Kreml-Chef Putin droht Zensur.
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KiewMehr als 50.000 Männer werden in der Ukraine für den Soldatenjob fit gemacht. In wochenlangen Trainingscamps lernen die 20- bis 60-Jährigen derzeit, ihr Heimatland mit der Waffe zu verteidigen. Doch seit ein paar Tagen sollen nach dem Willen Kiews alle Bürger in den Krieg ziehen – am eigenen Computer. Informationsminister Juri Stez hat zur Gründung einer „Informations-Armee“ gegen den Medienkrieg von Kremlchef Wladimir Putin aufgerufen. Die Ukraine sucht nun also neben Militärs auch Cyber-Krieger.

Nicht nur auf den Schlachtfeldern im ostukrainischen Donbass will die Ukraine damit in die Offensive gehen, auch der Informations-Krieg mit Russland soll ab sofort anders geführt werden. Im Internet sollen die Kämpfer am PC den Cyber-Krieg gegen die anti-ukrainische Propaganda des russischen Staatsfernsehens und unzähliger von Moskau beauftragter Trolle aufnehmen. Doch die Idee von Stez entpuppt sich bereits nach wenigen Tagen als Flop.

In den sozialen Netzwerken in der Ukraine ist mehr Spott und Häme zu dem Projekt zu finden als die ernsthafte Bereitschaft, sich der Initiative des auch sonst umstrittenen Informationsministers anzuschließen. Erst wenige Wochen im Amt, hat sich der frühere TV-Journalist des 5. Kanals bisher nicht mit Ruhm bekleckert.

Ehemalige Kollegen des Ministers, wie die jetzigen Parlamentarier Mustafa Naidem, ebenfalls TV-Journalist, und Sergej Leschtschenko, bis Oktober 2014 stellvertretender Chefredakteur der Internetzeitung Ukrainska Prawda, warnten davor, dass mit dem Informationsministerium eine neue Zensurbehörde entstehe. Und tatsächlich, Minister Stez hat in der Vergangenheit sehr viel Zeit darauf verwendet, zu erklären, wieso die Ukraine unabhängige, öffentlich-rechtliche Sender nach dem Vorbild der britischen BBC oder der deutschen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD/ZDF derzeit nicht brauche.

Der 38-jährige Ex-Journalist und Ex-Parlamentarier hält es für die „patriotische Pflicht jedes Ukrainers, der den Umgang mit dem Computer beherrscht, sich der Internet-Armee anzuschließen“. Auf der Homepage des Ministeriums können Name und E-Mail-Adresse hinterlassen werden, und schon ist man Mitglied der neuen ukrainischen Cyber-Armee.

Wer das ausfüllt, erhält auf seinen E-Mail-Account die Meldung: „Herzlichen Glückwunsch, dass Sie uns gefolgt sind. Ihre erste Aufgabe ist sehr einfach: Laden Sie alle Ihre Kontakte auf unsere Website herunter und bestellen Sie unseren Newsletter. Halten Sie sich bereit, wir schicken Ihnen schon bald Ihre zweite Aufgabe.“

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Russische Übermacht auch an der Meinungsfront

Kommentare zu " Ukraine-Konflikt: Mit Cyber-Kriegern gegen Putin"

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  • Herr Mayr,
    ich kann mir langsam nicht vorstellen, wie Ihre Kommentare hier durchkommen??

    "aber erst nachdem Sie (RU) Deutschland rechtswidrig geteilt hat"

    Das ist nichts anderes als leugnen der Unrechttaten durch die Nazis.
    Geschichtsfälschung. Bis Gestern in D verboten.

    Sie vertreten hier auch WEN ?????? ( Ich und andere )

  • googeln Sie mal den Begriff "IRONIE" ;-)))))

  • @ Herr Daniel Mayr

    Ich kann nur bestätigen, es gab Ihrerseits mehrere Kommentare zur Lieferung von Waffen usw.

    Aber auch geschichtlich möchte ich Sie korrigieren, Russland ist der direkter und rechtlicher Nachfolger der Sowjetunion und war DAS Hauptmitglied der Sowjetunion. Den, wie Sie wissen, bestand die Sowjetunion aus mehreren eigenständigen Nationen, unteranderem auch Ukraine. Vergleich dazu finden Sie in der Europäischen Union, aber ohne zentralem Entscheidungsträger. Brüssel ist ja nur ein Schatten davon!
    Und auch Deutschland wurde nicht nur von Sowjetunion geteilt. Es waren USA, England und Frankreich beteiligt. Das nennt man Recht des Siegers, inkl. der Reparationszahlungen.

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