Ukraine-Krise
Angst vor dem Winter und dem Krieg

Die Menschen im Osten der Ukraine leiden - unter Inflation, Korruption und Mangelwirtschaft. Und sie fürchten die kalte Jahreszeit und eine Ausweitung der Kämpfe. Eindrücke von unserem Korrespondenten im Kriegsgebiet.
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Kurakhove/DnipropetrowskEs ist kalt geworden in der Ukraine. Schon bei der Ankunft auf dem Flughafen Borispol in Kiew mustert die Grenzschützerin den Besucher mit kühlem Blick. „Was wollen Sie hier?“, fragt die Mittvierzigerin und lässt keinen Zweifel daran, dass Argwohn und Misstrauen bei ihr mittlerweile an erster Stelle der Dienstanweisungen steht.

Weiterflug nach Dnipropetrowsk. Die Millionenstadt in der Ostukraine ist nur gut 200 Kilometer von den schweren Kämpfen zwischen prorussischen Separatisten und Verbänden der ukrainischen Armee in und um Donezk herum entfernt. Auch hier ein ähnliches Bild: ein eiskalter Blick der Sicherheitskräfte. Das Gepäck muss erneutet durchleuchtet werden, obwohl das bereits zweimal in Kiew gemacht wurde.

Die Ukraine befindet sich im Krieg, und mehr noch als nur vor einem Monat ist das überall zu spüren. Fast genau ein Jahr nach Beginn der Proteste auf dem Maidan in Kiew hat sich die Situation in Europas größtem Flächenstaat dramatisch verschlechtert.

Die prorussischen Separatisten haben in den vergangenen Wochen erneut massiv militärische Unterstützung aus Russland erhalten. Nicht nur die Nato und die OSZE haben mehrfach große Militärkonvois beim Überqueren der löcherigen Grenze zwischen Russland und der Ukraine beobachtet.

Auch unabhängige Journalisten berichteten über die mit modernen Waffensystemen beladenen LKW, die von Russland in Richtung Donezk fuhren. Allein in den vergangenen 30 Stunden kamen nach bislang unbestätigten Angaben wieder mindestens zehn ukrainische Soldaten bei den Kämpfen ums Leben.

Moskau hat bisher eine Beteiligung an den Kämpfen im Osten des Landes stets zurückgewiesen. Allerdings, und das trägt zu einer weiteren Zuspitzung der Lage bei, erklärte der russische Präsident Wladimir Putin in einem Interview mit der ARD, in den Gebieten der Aufständischen versuche die ukrainische Armee, alles zu vernichten.

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