Ukraine-Krise
Bürger spenden per SMS an Schwarzmeerflotte

Von Kiews Seestreitmacht ist nach dem Verlust der Krim nicht mehr viel übrig geblieben. Die Ausrüstung stammt oft noch aus früheren Sowjetzeiten. Die Führung setzt nun auf Freiwillige.
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OdessaDie ukrainische Kriegsflotte ist geschrumpft. Zwei Dutzend Boote, versteckt hinter Vorratstanks und riesigen Handelsschiffen im Hafen von Odessa - das ist alles, was von der Seestreitmacht des Landes übrig geblieben ist, seit Russland sich im März die Krim einverleibt hat. Mit der Halbinsel hat die Ukraine auch das Hauptquartier ihrer Flotte an den großen Bruder verloren. Flottenchef Admiral Denis Beresowski lief zu den Russen über.

„Es ist nicht die beste Zeit für die Flotte“, räumt der Sprecher der Kriegsmarine, Oleh Tschubuk, ein. Das ist eine eher optimistische Einschätzung. Der Osten der Ukraine wird von Unruhen erschüttert. Separatisten drohen, die für Sonntag geplante Präsidentenwahl zu verhindern. Und durch den Anschluss der Krim an Russland verlor das Land zwei Drittel seiner Kriegsschiffe - nämlich alle, die auf der umstrittenen Halbinsel stationiert waren.

Kiews westliche Unterstützer zögern, der Ukraine beim Ersatz der Verluste zu helfen. Sie fürchten, Russland könne die Lieferung von Rüstungsgütern als Provokation werten und die Krise verschärfen. Die ukrainische Restflotte hat deshalb kaum noch Möglichkeiten, die lange Schwarzmeerküste des Landes zu schützen. Ihr fehlt selbst die nötigste Ausrüstung. Die Regierung muss bei der Bevölkerung um Spenden betteln, damit sie ihre Rechnungen bezahlen kann.

In Odessa, wo die Kriegsmarine inzwischen ihr Hauptquartier aufgeschlagen hat, fühlen sich viele Menschen von Russland verraten. Beim Zerfall der Sowjetunion 1991 habe die Ukraine nicht geglaubt, eine große Flotte nötig zu haben, sagt der pensionierte U-Boot-Kapitän Ewgenii Liwschiz. Russland hatte ja seine große Schwarzmeerflotte auf der Krim stationiert und zahlte der Ukraine Pacht für seine Stützpunkte dort. Kiew habe geglaubt, Russland werde die Ukraine schützen. „Unsere Einstellung war: Wir brauchen nicht viel. Wir glauben dir, großer Bruder“, erinnert sich Liwschiz.

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„Kugelsichere Helme und medizinische Vorräte“

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