Ukraine-Krise Die Angst erobert Mariupol

Die Waffen sollten längst schweigen. Doch um Mariupol in der Südostukraine wird täglich gekämpft. Die Menschen haben nicht nur Angst vor Angriffen der prorussischen Separatisten.
Update: 02.03.2015 - 14:34 Uhr 18 Kommentare
Rund um Mariupol wird weiter gekämpft: Ukrainische Soldaten vor der Stadt in der Süd-Ostukraine. Quelle: dpa
Ukrainische Soldaten

Rund um Mariupol wird weiter gekämpft: Ukrainische Soldaten vor der Stadt in der Süd-Ostukraine.

(Foto: dpa)

KiewWährend US-Geheimdienste vor einem möglichen Angriff prorussischer Separatisten auf die Hafenstadt Mariupol warnen, versuchen die in der Stadt verbliebenen Menschen das Leben so normal wie möglich zu gestalten. Doch in der Südostukraine stehen die Zeichen weiter auf Destabilisierung.

Ein Blick auf die Internetseiten von 0629.com.ua, einer Seite für regionale Nachrichten aus Mariupol, reicht, um herauszufinden, dass die Sicherheitslage in Mariupol fragil ist. Allein Ende der Woche sind laut dem Online-Portal, das der Stadtregierung steht, zwei Menschen von „maskierten, in Camouflage gekleideten Männern entführt worden“. Die Familien des 29-jährigen Alexander Burkut und des 49 Jahre alten Vitali Tabatschuk sind in großer Sorge. Entweder sind die Männer von prorussischen Separatisten entführt worden, die ihre Reihen mit Kämpfern auffüllen wollen, oder sie wurden Opfer krimineller Banden, die Lösegeld erpressen wollen. Manchmal geschieht auch beides.

Die ehemals 500.000 Einwohner zählende Hafenstadt hat nicht nur ein externes Sicherheitsproblem, in der Stadt scheinen sich auch mehr und mehr kriminelle Banden breit zu machen, die um Einfluss kämpfen. Zwar zeigen ukrainische Medien in den meisten Berichten über Mariupol, wie sehr sich die zwischen 250.000 bis 300.000 verbliebenen Bewohner gegen eine mögliche Besatzung ihrer Stadt stemmen. Doch für Experten ist längst klar, dass Mariupol in ein von verschiedenen Gruppen kontrolliertes Gebiet abrutschen könnte, über das der ukrainische Staat immer weniger Kontrolle hat.

Als wollte man auch optisch diesem Eindruck entgegentreten, hatte die Stadtverwaltung am Samstag zum Frühlings-Subotnik aufgerufen. Und tatsächlich kamen etwa 50 Bürger, die die Grünanlagen in der Innenstadt vom Herbstlaub und Müll reinigten. Einige hatten sich die blau-gelbe Landesfahne der Ukraine um die Schultern gewickelt. Lydia war mit ihrem Mann zum Subotnik gekommen, sie sagte dem ukrainischen TV-Sender Ukraina: „Wir sind fast im Rentenalter und wollen unsere Heimat nicht verlassen. Nach all den schweren Monaten hoffe ich, dass es in Mariupol nun wieder ruhiger wird.“

Andere sehen die Lage skeptischer. Bürgermeister Juri Chotlubej gab vor ein paar Tagen bekannt, dass die anhaltenden Zahlungsrückstände von Unternehmern die Stadt an den Rand der Zahlungsunfähigkeit bringen könnten. Im Haushalt klaffe eine Lücke von mehr als 60 Millionen Griwna aus dem Jahr 2013 (umgerechnet zwei Millionen Euro). Für 2014 werde eine Summe in doppelter Höhe befürchtet. Vor allem die schlechte Zahlungsmoral von Firmen und das schleppende Steueraufkommen machen der Stadtregierung von Mariupol zu schaffen. „Dabei sollten alle, die hier mit uns leben, ihre Pflichten erfüllen und Steuern und Rechnungen begleichen“, so der Aufruf des Bürgermeisters.

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18 Kommentare zu "Ukraine-Krise: Die Angst erobert Mariupol"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Was für einen "Demokratie"prozess meinen Sie? Wie können die Faschos aus Kiew, unterstützt von hemdärmeligen Amis mit ihren (sehr eigenen) Interessen irgendwas mit Demokratie zu tun haben? Lesen Sie weniger "BLÖD"! Das ganze "Spiel" hier entspricht dem, was ein gewisser Scharfmacher namens Brzezinski als Ziel seines Geostrategieschachs ansieht. Die UA ist nur Mittel zum Zweck. Es wird am Ende viele Verlierer (UA, RUS, EU) und (vielleicht) EINEN großen Gewinner (USA) geben. Mal etwas weiter als bis zum "Eisernen Vorhang" im eigenen Kopf schauen.

  • *Würde die Regierung in Kiew sich dazu entscheiden, die Versorgung zu kappen,* - wieso der Konjunktiv? Liebe Redaktion, das geschieht doch längst - insbesondere, was Wasser und Gas angeht!!
    Warum schreibt Ihr nicht darüber??

  • Wenn die Freiwilligenverbände in Mariupol jetzt schon als ukr. Soldaten durchgehn, dann ist das schon sehr bedenklich. dort befindet sich doch die Asov Bande. Dass dort Anarchie herrscht wundert mich nicht. Vermutlich wäre ein Großteil der Einwohner froh, wenn die Separatisten dort aufräumen würden. In Deutschland Rechtsextremismus verurteilen und in der Ukraine verherrlichen, das geht nicht!

  • Ich sagen Ihnen auch alles in ein Mikrofon,was Sie hören wollen, wenn ich Angst habe und endlich in Frieden leben möchte!

    Darf ich daran erinnern, dass auch auf der Krim kleine grüne Männchen für Unruhe sorgten! Die kleinen grünen Männchen waren dann tatsächlich russische Soldaten, spätere Aussage von Putin!

    Also wer destabilisiert hier einen Staat? Sicher nicht die Ukrainer selbst!

  • Wir brauchen keine web-seite von den Separatisten!

    Die sollen die Waffen niederlegen und sich in den Demokratieprozess einfügen!

    Die russischen und sonstigen zusammengewürfelten Kriegsspieler sollen die Ukraine verlassen!

  • Aber was hat Putin damit zu tun? Oder Russland??

    Man sollte den HB Leser nicht für so einfälltig halten!

    Putin hat sein Kriegsziel in der Ukraine noch nicht erreicht. Der Landzugang zur Krim fehlt noch. Ich glaube noch nicht an den Frieden, solange Putin sein Ziel nicht erreicht hat. Hoffen darf man trotzdem.
    Da russische Soldaten mit ihrem Kriegsgerät im Nachbarland Ukraine kämpfen und auch sterben, kann man nicht mehr von Bürgerkrieg sprechen .

    Schönen Abend noch.

  • ohne wenn und aber, in der Nähe Mariupol wird weiter gekämpft.
    Aber was hat Putin damit zu tun? Oder Russland??

    Sicherlich, Russland hat entscheidende Interessen, dass in Donbass und Ukraine Frieden herrscht, den es ist ein Konflikt an den Grenzen Russlands und kann auf Russland umgeleitet werden. Was auch Ziel der USA ist - Destabilisierung der Region, Chaos und Krieg mitten in Europa, Schwächung der Gegner (siehe Russland und EU).

    Aber, wenn wir die Region betrachten, herrscht in der Ostukraine Bürgerkrieg. Und auch wenn Poroschenko und die neuen Regierungen DNR und LNR in Minsk Friedensabkommen unterschrieben haben, hat Poroschenko keine Kontrolle über die abtrünnigen Söldner, Rechtsradikale Gruppierungen, die immer noch weiterhin Krieg führen!

  • An strategisch wichtigen Orten wie etwa östlich der Stadt Mariupol fänden weiter Kämpfe statt, ergänzte Hug.
    Herr Hug ist Vize Chef der dortigen OSZE. Dies Zitat stammt nicht aus der Prawda sondern vom HB Online vom 02.03.2015

    Leider wird hier viel unfundierter Unsinn geschrieben, besonders wenn es um den Zar, seine Streifzüge und die Beseitigung der politischen Gegner geht.

    Schönen Abend noch.

  • Ich glaube Sie stellen viel zu hohe Anforderungen an die Autorin dieses Artikels... Sie können von einem Journalisten nicht verlangen, dass er seine Arbeit versucht gut zu erledigen, das ist wirklich zu viel des Guten...

    Recherche etc.? nein nein, das ist zu viel Arbeit.

  • @ Herr Josef Martin

    überprüfen Sie die Fakten zu Krim und nicht zu vergessen die geschichtlichen!

    Wie war es 1954? War es legitim Krim an Ukraine zu übergeben? Kann man ein Volk, Teil des Landes einfach so, ohne die Menschen dort zu fragen z.B. über Referendum, ob die es überhaupt wünschen, befürworten?
    Krim und die dort lebende Bevölkerung sind keine Ware, um es einfach so weitergegeben zu werden. Und dies wurde, unter Einhaltung internationaler Rechtsprechung durchgeführt. 96,6% der Krimer haben sich für die Wiederanschließung an Russland entschieden. und das sollten wir in EU akzeptieren! Den es gibt keine Verjährungsfrist für solche Taten! Und Chrustschov tat es nur, um nach Stalin an der Macht bleiben zu können.

    Das sind Fakten, und nicht "ein Bekannter meiner Tante, hat gehört ..."

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