Ukraine-Krise: Die Angst erobert Mariupol

Ukraine-Krise
Die Angst erobert Mariupol

Die Waffen sollten längst schweigen. Doch um Mariupol in der Südostukraine wird täglich gekämpft. Die Menschen haben nicht nur Angst vor Angriffen der prorussischen Separatisten.
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KiewWährend US-Geheimdienste vor einem möglichen Angriff prorussischer Separatisten auf die Hafenstadt Mariupol warnen, versuchen die in der Stadt verbliebenen Menschen das Leben so normal wie möglich zu gestalten. Doch in der Südostukraine stehen die Zeichen weiter auf Destabilisierung.

Ein Blick auf die Internetseiten von 0629.com.ua, einer Seite für regionale Nachrichten aus Mariupol, reicht, um herauszufinden, dass die Sicherheitslage in Mariupol fragil ist. Allein Ende der Woche sind laut dem Online-Portal, das der Stadtregierung steht, zwei Menschen von „maskierten, in Camouflage gekleideten Männern entführt worden“. Die Familien des 29-jährigen Alexander Burkut und des 49 Jahre alten Vitali Tabatschuk sind in großer Sorge. Entweder sind die Männer von prorussischen Separatisten entführt worden, die ihre Reihen mit Kämpfern auffüllen wollen, oder sie wurden Opfer krimineller Banden, die Lösegeld erpressen wollen. Manchmal geschieht auch beides.

Die ehemals 500.000 Einwohner zählende Hafenstadt hat nicht nur ein externes Sicherheitsproblem, in der Stadt scheinen sich auch mehr und mehr kriminelle Banden breit zu machen, die um Einfluss kämpfen. Zwar zeigen ukrainische Medien in den meisten Berichten über Mariupol, wie sehr sich die zwischen 250.000 bis 300.000 verbliebenen Bewohner gegen eine mögliche Besatzung ihrer Stadt stemmen. Doch für Experten ist längst klar, dass Mariupol in ein von verschiedenen Gruppen kontrolliertes Gebiet abrutschen könnte, über das der ukrainische Staat immer weniger Kontrolle hat.

Als wollte man auch optisch diesem Eindruck entgegentreten, hatte die Stadtverwaltung am Samstag zum Frühlings-Subotnik aufgerufen. Und tatsächlich kamen etwa 50 Bürger, die die Grünanlagen in der Innenstadt vom Herbstlaub und Müll reinigten. Einige hatten sich die blau-gelbe Landesfahne der Ukraine um die Schultern gewickelt. Lydia war mit ihrem Mann zum Subotnik gekommen, sie sagte dem ukrainischen TV-Sender Ukraina: „Wir sind fast im Rentenalter und wollen unsere Heimat nicht verlassen. Nach all den schweren Monaten hoffe ich, dass es in Mariupol nun wieder ruhiger wird.“

Andere sehen die Lage skeptischer. Bürgermeister Juri Chotlubej gab vor ein paar Tagen bekannt, dass die anhaltenden Zahlungsrückstände von Unternehmern die Stadt an den Rand der Zahlungsunfähigkeit bringen könnten. Im Haushalt klaffe eine Lücke von mehr als 60 Millionen Griwna aus dem Jahr 2013 (umgerechnet zwei Millionen Euro). Für 2014 werde eine Summe in doppelter Höhe befürchtet. Vor allem die schlechte Zahlungsmoral von Firmen und das schleppende Steueraufkommen machen der Stadtregierung von Mariupol zu schaffen. „Dabei sollten alle, die hier mit uns leben, ihre Pflichten erfüllen und Steuern und Rechnungen begleichen“, so der Aufruf des Bürgermeisters.

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  • Was für einen "Demokratie"prozess meinen Sie? Wie können die Faschos aus Kiew, unterstützt von hemdärmeligen Amis mit ihren (sehr eigenen) Interessen irgendwas mit Demokratie zu tun haben? Lesen Sie weniger "BLÖD"! Das ganze "Spiel" hier entspricht dem, was ein gewisser Scharfmacher namens Brzezinski als Ziel seines Geostrategieschachs ansieht. Die UA ist nur Mittel zum Zweck. Es wird am Ende viele Verlierer (UA, RUS, EU) und (vielleicht) EINEN großen Gewinner (USA) geben. Mal etwas weiter als bis zum "Eisernen Vorhang" im eigenen Kopf schauen.

  • *Würde die Regierung in Kiew sich dazu entscheiden, die Versorgung zu kappen,* - wieso der Konjunktiv? Liebe Redaktion, das geschieht doch längst - insbesondere, was Wasser und Gas angeht!!
    Warum schreibt Ihr nicht darüber??

  • Wenn die Freiwilligenverbände in Mariupol jetzt schon als ukr. Soldaten durchgehn, dann ist das schon sehr bedenklich. dort befindet sich doch die Asov Bande. Dass dort Anarchie herrscht wundert mich nicht. Vermutlich wäre ein Großteil der Einwohner froh, wenn die Separatisten dort aufräumen würden. In Deutschland Rechtsextremismus verurteilen und in der Ukraine verherrlichen, das geht nicht!

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