Ukraine-Krise
Flughafen offenbar von Separatisten angegriffen

Der neue ukrainische Präsident Poroschenko hat sich viel vorgenommen. Er will eine moderne Ukraine schaffen. Moskau ist nicht begeistert. Separatisten haben indessen einen Flughafen angegriffen. Die Lage ist kritisch.
  • 0

DonezkProrussische Separatisten haben Samstagabend und Sonntagmorgen offenbar den internationalen Flughafen von Lugansk angegriffen, der als eine der wenigen Einrichtungen in der ostukrainischen Region unter Kontrolle der ukrainischen Streitkräfte steht. „Sie versuchen offensichtlich, das Gebäude für die Stromversorgung des Flughafens zu zerstören“, sagte einer der Soldaten, die den Flughafen verteidigen, der Nachrichtenagentur AFP. Nach seinen Angaben wurde von seiner Truppe niemand verletzt. Von Seiten der Separatisten wurden die Angriffe zunächst nicht bestätigt.

Wegen der instabilen Lage in der Region ist der Flughafen seit rund einem Monat geschlossen. Laut dem ukrainischen Fallschirmjäger haben sich beide Seiten bisher nur kurze Scharmützel um die Kontrolle des Geländes geliefert, Angriffe wie am Samstagabend und Sonntagmorgen aber habe es noch nicht gegeben.

Prorussische Aktivisten hatten im Mai in Lugansk und der benachbarten Region Donezk unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen. In beiden Regionen liefern sie sich seitdem immer wieder heftige Gefechte mit den ukrainischen Truppen. Bei blutigen Kämpfen um den Flughafen von Donezk waren Ende Mai rund 40 Menschen getötet worden. Er steht seitdem wieder unter Kontrolle der ukrainischen Truppen.

Russland hat indessen seine Forderung nach Waffenruhe in der Ostukraine bekräftigt. Die Ukraine müsse den ersten Schritt tun und ihren Militäreinsatz mit Panzerfahrzeugen und Artillerie beenden, um einen Dialog in den Gebieten Donezk und Lugansk zu ermöglichen. Das sagte die Chefin des russischen Föderationsrates, Valentina Matwijenko, am Samstagabend im russischen Staatsfernsehen. „Eine militärische Lösung des Konflikts im Südosten der Ukraine gibt es nicht und kann es nicht geben“, sagte die Politikerin.

„Sobald in Kiew das Kommando gegeben wird, das Feuer einzustellen und die Strafaktion gegen die friedlichen Bürger im Südosten zu beenden, ist Russland bereit, alles dafür zu tun, damit auch die andere Seite ihre Waffen niederlegt und sich an den Verhandlungstisch setzt“, sagte Matwijenko.

Die Antrittsrede des neuen ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, der einen Westkurs und eine enge Partnerschaft mit der EU und den USA ankündigte, kommentierte Matwijenko abschätzig. „Das sind alles nicht mehr als Illusionen von Herrn Poroschenko. Die neuen Machthaber in der Ukraine sollten den gesunden Menschenverstand einsetzen. Ohne Russland wird dieses Land nicht aus der politischen und nicht aus der wirtschaftlichen Krise kommen“, sagte Matwijenko.

Poroschenko hatte am Samstag bei seiner Amtseinführung erklärt: „Es ist die Zeit gekommen, eine neue und moderne Ukraine zu errichten.“ Niemand habe das Recht, die Ukraine auf ihrem Weg in die EU zu stören, sagte der Milliardär angesichts von Versuchen Russlands, den Westkurs der Ex-Sowjetrepublik zu bremsen. „Die Rückkehr der Ukraine zu ihrem natürlichen, europäischen Zustand war der Traum von vielen Generationen“, sagte Poroschenko.

Nach seinem Amtseid kündigte der Oligarch an, alles für die Einheit und Freiheit des Landes zu tun. Poroschenko betonte, dass er die von Russland einverleibte Schwarzmeerhalbinsel Krim weiter als Teil der Ukraine ansehe. „Russland okkupierte die Krim, die ukrainisch war, ist und weiter sein wird“, sagte er. Das habe er auch dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Vortag bei einem Treffen in Frankreich gesagt.

Seite 1:

Flughafen offenbar von Separatisten angegriffen

Seite 2:

Die gemeinsame Grenze sichern

Kommentare zu " Ukraine-Krise: Flughafen offenbar von Separatisten angegriffen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%