Ukraine-Krise
Kiew fürchtet russische Winteroffensive

Der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin drängt die Bundesregierung zu mehr Hilfe im Konflikt um prorussischen Separatisten. Auf seiner Wunschliste ganz oben stehen Dieselmotoren für Truppentransporter.
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Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin fordert im Konflikt mit prorussischen Separatisten Unterstützung von Deutschland. „Für unsere Truppentransporter brauchen wir dringend Dieselmotoren, die wir in Deutschland angefragt haben. Hier wäre eine schnelle Lösung wichtig“, zitiert die „Bild“-Zeitung Klimkin. Zugleich warnte der Außenminister: „Wir sehen erneut russische Truppenbewegungen, weshalb wir uns auch auf eine Winteroffensive vorbereiten müssen.“ Aus der Bundesregierung hieß es dem Bericht zufolge, jede Lieferung an die Ukraine sei eine Provokation an Russland, die den Frieden schwieriger mache.

Im Osten der Ukraine tobt seit Monaten ein Konflikt zwischen der Regierung in Kiew und prorussischen Separatisten. Die Gewalt hält trotz einer im September vereinbarten Waffenruhe an. Die Ukraine und der Westen werfen Russland vor, die Rebellen militärisch zu unterstützen. Die Regierung in Moskau weist dies zurück.

Klimkin hat berechtigte Hoffnungen, bei der deutschen Regierung Gehör zu finden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zuletzt in mehreren Auftritten vor einem Flächenbrand in Osteuropa gewarnt. In altem Denken sehe Russlands die Ukraine als seine Einflusssphäre und trete das internationale Recht mit Füßen, sagte sie auf ihrer Australien-Reise beim Lowy-Institut für internationale Politik, einem der renommiertesten sogenannten Think Tanks in Australien. Ähnlich äußerte sich Merkel diese Woche bei ihrer Rede im Bundestag.

Klimkin ist ein Verfechter des prowestlichen Kurses der Regierung in Kiew. Trotz Warnungen aus Moskau hält er am Nato-Kurs seines Landes fest. „Die politische und wirtschaftliche Integration in die EU ist ohne Beitritt der Ukraine zur Nato keine Antwort auf die vorhandene Lage“, sagte Klimkin zuletzt. Nur die Ukrainer selbst seien zu einer Entscheidung darüber berechtigt, welcher Organisation die krisengeschüttelte Ex-Sowjetrepublik beitreten sollte. „Die Ukraine ist ein souveräner Staat und lehnt jeden Druck in dieser Frage ab.“

Russland hält einen möglichen Nato-Beitritt des Nachbarlands für eine Bedrohung seiner Sicherheit und warnt die Führung in Kiew vor einem solchen Schritt. Kremlsprecher Dmitri Peskow forderte zuletzt in einem BBC-Interview eine „hundertprozentige Garantie“ dafür, dass kein Land an einen Nato-Beitritt der Ukraine denke. Russland sei beunruhigt über die zunehmende Stationierung von Kräften des Bündnisses nahe der russischen Grenzen, sagte Peskow. Die Nato hatte mehrfach betont, dass eine Aufnahme der Ukraine nicht bevorstehe.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Kommentare zu " Ukraine-Krise: Kiew fürchtet russische Winteroffensive"

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  • @ Otto

    >> dass sie die Ukraine einnehmen wollen >>

    Die Russen wollen die Ukraine mit Sicherheit nicht einnehmen, um sich geographisch zu erweitern.

    Die Russen würden mit dem Einmarsch in die Ukraine die Junta vertreiben, die täglich die Zivilisten in der Südostukraine ermordet !

    Denn das Häuflein der kriminellen Oligarchen an der Macht der Ukraine ist dabei, ganz Europa zu destabilisieren.

    Der elende Rest der Politdilettanten im potemkinschen Dorf "Brüssel" hat sich auf die Seite des Schurkenstaates Oligarchen-Ukraine geschlagen und hilft den Putschisten, die Russische Minderheit zu vernichten.

    Mit dem Einmarsch in die Ukraine würden die Russen den Europäern einen riesen Gefallen tun, und den neu aufkeimenden Neo-Faschismus beseitigen.

    Und die Ukraine ist KEIN NATO Land, sondern ein Schurkenstaat krimineller Oligarchen !

  • Ich bete jeden Tag darum, dass Russland und der Rest der Welt diese Krise doch noch GUT beenden werden !!
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    Wir haben nur die eine Erde auf der wir alle leben....schade, dass die Westpolitiker dies nicht so sehen, aber das ist nicht nur schade sonder dumm und geradezu unverantwortlich seitens des Westens
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    Der Westen und die NATO sind die Pest und die Cholera auf diesem Planeten !!

  • im Falle eines Atomarschlags ist alles egal. In jedem Fall würden Millionen Menschenleben ausgelöscht.

    Die Russen sind auch Menschen, daher werden auch sie ohne atomaren Erstschlag auf russisches Gebiet keine Atomrakete starten... ebenso halte ich es für unwahrscheinlich, dass sie die Ukraine einnehmen wollen, denn auch dieses Vorgehen würde viele Opfer mit sich bringen.

    Europa möchte keinen Krieg, ebenso wie Russland, weil neben materiellen Verlusten vor allem die Leben unzähliger Menschen kostet.

    Ein direkter Krieg zwischen Nato und Russland würde so wahrscheinlich nicht stattfinden, sondern wie schon zu Zeiten des Kalten Krieges in Form von Stellvertreter-Kriegen.

    Russland wird jedenfalls die Nato nicht angreifen. Die globale Übermacht der Nato ist allerdings schon entscheidend, denn Europa fällt nicht innerhalb eines Tages und Russlands Grenzen sind lang.

    Im Grunde halte ich jedes Überfall-Horror-Szenario, das seine Kreise in Europa zeiht für nicht begründet.

    Die Stärke Deutschlands lag einmal darin von beiden Seiten akzeptiert zu werden. Kohl zufolge ist die feste Bindung der BRD an den Westen ein Erfolg. Dem kann ich nur zustimmen, insofern Dtl tatsächlich die "Westlichen" Werte lebt, als Vorbild. Wir können nicht über andere richten, wenn wir selber nicht besser sind. Dies gilt für wirtschaftliche, soziale und moralische Werte.
    Das die BRD es nicht einmal bei Rekord-Steuereinnahmen schafft den Schuldenstand zu reduzieren ist eigentlich ein Armutszeugnis. Wie können wir von anderen es dann verlangen?
    Die Doppelmoral des Westens sollte sich die BRD schnellstens abgewöhnen. Eine Straftat bleibt eine Straftat egal wer sie begeht.
    Wenn Dtl die "westlichen Werte", die es stetig vor sich her träg auch lebt, werden wir eine wesentlich angesehenere Stellung in der Welt genießen als wir es derzeit tun.

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