Ukraine-Krise
Maidan – was nun?

Seit über einem halben Jahr halten Demonstranten den Maidan in Kiew besetzt. Doch der neuer Bürgermeister Vitali Klitschko will den Unabhängigkeitsplatz räumen. Aber viele Besetzer wollen nicht weichen. Ein Ortsbesuch.
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Kiew„Räumen?“, lacht der junge Mann auf Kiews Flaniermeile Kreschatik, „jetzt? Nein, wir bleiben“. Im grün-braun-gesprenkelten Kampfanzug sitzt er vor einem der ausrangierten Militärzelte. „Nenn mich Bohdan“, antwortet er geheimnisvoll auf die Frage nach seinem Namen.

Bohdan gehört zu einer Gruppe junger Männer, „zum 100. Batallion“, wie er sie bezeichnet, die seit Dezember ihre Zelte mitten auf dem Kreschatik aufgeschlagen haben und den Kern des Maidan-Aufstandes bilden. Jener Protestbewegung also, die den verhassten Präsidenten Viktor Janukowitsch in die Flucht schlug und für den Umsturz in der Ukraine sorgte.

Nach fast einem halben Jahr des Widerstandes sieht es auf dem Unabhängigkeitsplatz im Zentrum Kiews und auf der Kreschatik noch immer fast so aus wie Ende November als der Protest gegen Korruption und Vetternwirtschaft begann. Notdürftig geflickte Zelte, Holzverschläge, Eisenfässer, Autoreifen, Sandsäcke, herausgerissene Pflastersteine beherrschen das Bild. Neu sind nur die vielen Blumen an den Portraits der über 100 Toten.   

Nicht einmal 24 Stunden, nachdem die Ukraine mit Petro Poroschenko einen neuen Präsidenten und mit dem Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko einen neuen Bürgermeister von Kiew hat, herrscht hier im Herzen der 2,8 Millionen Einwohner-Metropole keine Aufbruchsstimmung. „Wir wollen erst einmal Ergebnisse sehen“, sagt Bohdan trotzig. Bis zu den Parlamentswahlen irgendwann in diesem Jahr, wollen er und seine Gleichgesinnten „mindestens“ noch bleiben. „Und wenn es keine Resultate gibt, dann beginnen wir von vorn“, droht der junge Mann.

Er ist keine Ausnahme hier. Auch auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan herrscht Unzufriedenheit und Trotz. „Wir bleiben“, erklärt ein älterer Mann, der vor einer Holzhütte nicht erst seine erste Bierflasche leert. „Und wenn einer das hier räumen will, bekommt er ein riesiges Problem“, gibt er sich kampfesbetont.

Gerade die Räumung aber hat der designierte Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, gerade angemahnt. Damals, im Winter, war Klitschko fast jeden Tag hier, hat von der großen Bühne einerseits Gewaltlosigkeit gepredigt, andererseits die vielen Tausend Demonstranten zum Durchhalten aufgefordert. Jetzt ist Janukowitsch weg, ein neuer Präsident gewählt, jetzt sei es Zeit, die Barrikaden abzubauen, erklärte der Ex-Boxweltmeister noch in der Wahlnacht. Und auch der von ihm unterstützte neue Präsident Poroschenko forderte die mehreren hundert Demonstranten, die weiterhin hier ausharren, zum Abzug auf.

Kommentare zu " Ukraine-Krise: Maidan – was nun?"

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  • "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan,der Mohr...".Die Demonstranten erhofften sich ein besseres Leben,vielleicht kann Kltitschko ihnen ja was in der öffentlichen Verwaltung anbieten.Von alleine gehen die sicher nicht....

  • ab heute fliegt man luftangriffe....

    wo ist die flugverbots zone ???

    da schlachtet wer sein volk ab...

    wie war das in lybien??

  • Zitat : Maidan – was nun?

    - die Gasrechnungen bezahlen ! Mit unserem Geld ( zwar ueber den IWF, aber immerhin Steuergelder ).

    Die Rechnungen liegen auf dem Tisch und muessen bezahlt werden, spricht der EU-Energiekommissar Oettinger.

    http://swrmediathek.de/player.htm?show=02d56f20-e49c-11e3-aa7a-0026b975f2e6

    Jetzt kann Europa, mit dem neuen Ukrainischen Oligarchen an der Macht, die Rechnungen der Ukrainer uebernehmen.

    Und die Russen werden sich freuen....warum sollen sie militaerisch eingreifen....?

    Hat diese Logik ueberhaupt jemand verstanden ?

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