Ukraine-Krise
Neue Nationalhelden im Dauerregen

In der Ukraine wird gekämpft und gewonnen – auf dem Spielfeld: Das zerrüttete Land feiert den Einzug von Dnipro Dnipropetrowsk ins Europa-League-Finale als nationalen Sieg. Doch der Krieg spielt auch im Fußball mit.
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Kiew„Der Außenseiter Dnipro Dnipropetrowsk gewinnt die Regenschlacht von Kiew“, jubelte der Moderator des ukrainischen Sportsenders 2+2 kurz nach Mitternacht. Neben dem total überdrehten Fernsehmann stand Trainer Miron Markewitch, der aber nicht so recht mitmachen wollte beim Feiern und lieber gleich schon wieder nach vorn schaute: „Der schwerste Weg steht uns noch bevor.“

Denn jetzt will Dnipro Dnipropetrowsk auch das nächste Spiel gewinnen: Das Finale der Europa League am 27. Mai in Warschau gegen den FC Sevilla. Es wäre ein historischer Erfolg für den ukrainischen Klub, der lange im Schatten der dominierenden Mannschaften Dynamo Kiew und Schachtjor Donezk stand. Nun hat Dnipro die Chance, mit Schachtjor gleichzuziehen und den ersten europäischen Titel nach der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 zu gewinnen.

Die sportliche Geschichte des Halbfinales gegen den SSC Neapel ist schnell erzählt. In dem kampfbetonten Spiel hatten die Ukrainer nicht nur ein ausverkauftes Haus auf ihrer Seite, sondern neben dem schlechten Wetter – Dauerregen und Temperaturen unter zehn Grad – auch noch Glück. Denn Neapel vergab die Torchancen fast im Dutzend.

Das Spiel wurde im Kiewer Olympiastadion ausgetragen, eine Anordnung der Uefa, weil die Sicherheitslage in der Ostukraine weiterhin als gefährlich gilt. Doch die Kiewer Arena, in der sonst Rivale Dynamo Kiew seine Partien austrägt, verwandelte sich in eine Kopie des Heimstadion Dnipros. Vereinschef Igor Kolomoiskji, Oligarch und Milliardär, hatte die Tickets zum Spottpreis von 30 Griwna, umgerechnet 1,26 Euro, an die Fans verteilen lassen.

Aus allen Landesteilen waren Belegschaften und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes angereist. Fahnen mit Städtenamen wie Vinnizya oder Schitomir zierten das Olympiastadion, das auch sonst eher einem blau-gelben Meer glich, als dass die weiß-blauen Vereinsfarben von Dnipro dominierten. Die Ultras von Dnipro hatten starke Unterstützung durch ihre Kollegen von Dynamo Kiew erhalten. Nicht nur als der Matchwinner Jewgenij Seleznew in der 58. Minute zum 1:0 traf, erhob sich der Schlachtruf „Slawa Ukrainij“, was auf Deutsch so viel wie „Ruhm der Ukraine“ bedeutet. Das gab der Begegnung einen Anstrich, als ob die Nationalmannschaft auf dem Rasen stünde.

Dnipro Dnipropetrowsk hatte zuletzt viele neue Fans aus anderen Teilen des Landes gewonnen. Wohl auch, weil Trainer Myron Markewitsch nicht – wie das in Donezk der Fall ist – überwiegend auf südamerikanische Legionäre setzt, sondern viele Landsleute in die Startelf stellt, die einen körperbetonten, unbequemen Stil pflegen.

Das kommt an. Genauso, wenn sich der Dnipro-Boss Kolomoiskij öffentlich mit dem russischen Präsidenten anlegt: Unter anderem unterstellte er Wladimir Putin Minderwertigkeitskomplexe aufgrund seiner geringen Körpergröße.

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  • Kleiner Korrekturvorschlag: Dnipros Trainer Myron Markevych stammt aus der Nähe von Lviv (Lemberg), deshalb ist er ukrainischer Muttersprachler und musste die Sprache nicht erst "auf seine alten Tage" lernen.

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