Ukraine-Krise

Putin drängt Kiew zur Aufgabe von Debalzewe

Die Waffenruhe in der Ostukraine steht vor dem Scheitern. In erbitterten Kämpfen rücken die Separatisten in Debalzewe ein. Russlands Präsident Putin weilt in Ungarn und ruft Kiew zur Aufgabe der Stadt auf.
Update: 18.02.2015 - 06:49 Uhr 16 Kommentare

Putin: Die Gewalt ist deutlich zurückgegangen

Debalzewe/BudapestKremlchef Wladimir Putin hat die Ukraine zur Kapitulation in der im Osten des Landes umkämpften Stadt Debalzewe aufgerufen. „Die ukrainischen Offiziellen sollten ihre Soldaten nicht daran hindern, die Waffen niederzulegen“, sagte Putin am Dienstag bei einem Ungarn-Besuch. Dann würde die vergangene Woche vereinbarte Waffenruhe auch Bestand haben. Putin betonte zugleich, zur Beilegung des Konflikts könne es „keine militärische Lösung“ geben. Dem Westen warf der russische Präsident vor, der Ukraine bereits Waffen zu liefern. „Nach unseren Informationen werden diese Waffen bereits geliefert“, sagte er in Budapest. Neue Waffen für die Ukraine könnten die Zahl der Opfer erhöhen, am Ergebnis werde sich aber nichts ändern. „Das ist unvermeidlich“, sagte er.

Der UN-Sicherheitsrat forderte einstimmig die sofortige Einhaltung der Waffenruhe.

Debalzewe ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Region. Auch nach dem Inkrafttreten der Feuerpause in der Nacht auf Sonntag tobten dort Kämpfe. Tausende ukrainische Soldaten sollen eingekreist sein. Ukrainische Truppen und prorussische Separatisten warfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vor. Am Dienstag nahmen die Aufständischen Debalzewe nach erbitterten Gefechten weitgehend ein. Damit gab es knapp eine Woche nach dem Minsker Gipfel nur noch wenig Hoffnung auf baldigen Frieden. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko rief die internationale Gemeinschaft auf, alles für eine Umsetzung der in der weißrussischen Hauptstadt vereinbarten Abmachungen zu tun.

Die Kämpfe bei Debalzewe seien von Anfang an absehbar gewesen, sagte Putin in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Insgesamt hätten die Kämpfe in der Ostukraine aber nachgelassen. Zugleich hielt er dem Westen vor, die Ukraine mit Waffenlieferungen zu unterstützen. Moskau verfüge über entsprechende Informationen. Aus Russland gelangen nach westlichen Angaben seit langem große Mengen Kriegsgerät zu den Separatisten.

„Nur ein paar Wohnviertel sind noch übrig, dann haben wir den Ort völlig unter Kontrolle“, sagte Separatistensprecher Eduard Bassurin am Dienstag zur Lage in Debalzewe. Er sprach von „zahlreichen Gefangenen und vielen Toten“. Die Militärführung in Kiew sagte, die Truppen in Debalzewe leisteten weiter Widerstand. Die Aufständischen setzten Artillerie und Panzertechnik ein.

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16 Kommentare zu "Ukraine-Krise: Putin drängt Kiew zur Aufgabe von Debalzewe"

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  • Glückwunsch an die Separatisten. - Wenn sie es nun schaffen den Kessel ganz auszuräumen und dabei nennenswerte Mengen an Westwaffen und Söldnern präsentieren können, dann ist das militärische, politische, mediale und moralische Totalfiasko für Kiew und die sie unterstützenden USA/NATO/EU absolut PERFEKT! - Trotz des aktuellen Sieges bleibt aber ein sehr großer Wehrmutstropfen, denn die USA aben es leider wieder ein mal geschafft ein zuvor friedliches und stabiles Land in Chaos, Tod, Bankrott und Zerstörung zu treiben, sowie die wirtschaftlichen, politischen und freundschaftlichen Beziehungen zu Russland zu zerstören. - Erst wenn es die freie Welt, angeführt von den BRICS Staten und allen Blockfreien schafft, die USA politisch, wirtschaftlich und militärisch bis auf Nordamerkia zurückzudrängen, erst dann wird ein Weltfrieden tatsächlich möglich sein, falls es die im Einfluss und Ansehen kontinuierlich sinkenden USA nicht vorher schaffen, die ganze Welt in einen 3 großen Krieg zu ziehen.

  • Es war bereits vor Minsk 2 klar, dass in Debalzewe ca.8000 Soldaten eingekesselt wurden.Pr.Putun kritisierte das direkt nach den Verhandlungen. Meiner Meinung nach ist dieses Verhalten reine Absicht. - Man verabschiedet ein Waffenstillstandsabkommen,wo man von Anfang an weiß das es aufgrund der eingekesselten Soldaten nicht halten kann,und wenn er dann scheitert macht man die Separatisten dafür verantwortlich, damit man eine Rechtfertigung für neue Sanktionen und Waffenlieferungen hat. - Ich habe hier im Link noch ein bisschen "Russland Propaganda".Ich bitte auch die Foristen die sich prinzipiell keine Russland Propaganda anschauen dieses mal eine Ausnahme zu machen bevor Sie den nächsten Kommentar schreiben. - https://www.youtube.com/watch?v=0jmILqSvT-4

  • Merkel behauptet, dass die sogenannten Speratisten, die in Wahrheit Freiheitskämpfer gegen die Kiew Unterdrücker sind, die Vereinbahrung von Minsk gebrochen haben !?!? - Dabei wurde fast in der gesamten Presse gestern gemeldet, dass KIEW und JAZNENUK NICHT BEREIT SIND DIE SCHWEREN WAFFEN in der umstrittenen Stadt ABZUZIEHEN !! - Diese Frau und deren Mitstreiter, wo auch immer, haben jeden Realitätssinn verloren !!!

  • - Zum Theme NATO, USA, KRIEGE einmal Oskar Lafontaine bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz ...sehr lehrreich !! https://www.youtube.com/watch? v=SKTTwBGJzVo - Und Willy Wimmer (CDU, ehemals Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter H. Kohl) https://www.youtube.com/results?search_query=willy+wimmer+2014 https://www.youtube.com/results?search_query=willy+wimmer+2015

  • Ergänzung:

    es gibt auch zweiten Punkt aus der Minsker Abkommen, der die weiteren Aktivitäten um Debalzewo legitimiert.
    Es besagt, die Abführung der schweren Waffen ab der Kampflinie.
    Debalzewo war bereits eine Woche vor den Verhandlungen in Minsk umzingelt.
    Somit, rein rechtlich, verstößen sie nicht gegen Minsker Abkommen.

    ABER, das Wichtigste, was in EU Presse nirgendswo geschrieben wird. Die Aufständischen bieten den Soldaten freies Geleit aus der Umzingelung, wenn sie ihre Waffen niederlegen. Keiner soll unnötig sterben!

  • Ich erstaune immer wieder über die Fingerfertigkeiten und Fantasie der Journalisten.
    Der gesamte Artikel aus verschiedenen Informationen laienhaft zusammengeschustert und die Aussagen Putins aus dem Kontext herausgerissen.

    Liebe Journalisten, zeigt eure Professionalität, tut eure Arbeit, recherchiert. Aber am besten fahrt nach Donbass, redet mit ALLEN Beteiligten, seht mit euren eigenen Augen, was dort passiert und nicht vom Sofa aus dem warmen Büro! Ich schon peinlich das Ganze!

  • Wie auch sonst (Energiewende, Ausländer, Griechenpleite, Bundeswehr) ist die Merkelpolitik krachend gescheitert.
    Anständige Politiker würden zurücktreten. Nicht jedoch diese selbsternannten "Eliten", die in Wirklichkeit völlig überforderte Parteischranzen sind.

  • Fortsetzung

    ... die illegal in ihr Land eingedrungen sind.

    Man muß sich dieser Interpretation von Minsk II nicht anschließen, aber man muß zugeben, daß sie keineswegs jeder Logik entbehrt.

    Schließlich sind die politischen Repräsentanten der neurussischen Volksrepubliken in Minsk offiziell in gewisser Weise staatsrechtlich anerkannt worden. Es ist nämlich bestimmt worden, daß die neue Verfassung der Ukraine und auch die Kontrolle der Grenze zu Rußland mit ihnen und nur mit ihrer Zustimmung ausgehandelt werden können.

    Putin, der offensichtlich ein guter Schachspieler ist, war so klug, Minsk II vom Weltsicherheitsrat bestätigen zu lassen. Das diplomatische Ergebnis dieser gestrigen Bestätigung ist nun, daß die Regierungen der neurussischen Volksrepubliken einen in völkerrechtlich verbindlicher Weise anerkannten internationalen Status haben.

    Daß eine Regierung, die international de facto anerkannt ist, das Recht und die Pflicht hat, auf ihrem Territorium befindliche ausländische Bewaffnete zu entwaffnen, dürfte klar sein, und daß sich Delbazewo auf dem Territorum der Volksrepublik Donezk befindet, ebenfalls.

  • Herr Wung,

    wie geschmacklos, verlogen, prinzipienlos muss man sein, um so etwas zu verfassen?!!

    solche Propagandaschriber haben die Ukraine ins Unglück gestürzt.... sie werden das noch verantworten.

  • Zitat: "Die Gefechte bei Debalzewo gelten als massiver Verstoß gegen das Friedensabkommen, das bei Verhandlungen unter anderem mit Bundeskanzlerin Merkel und Putin in Minsk geschlossen worden war. "

    Aus Sicht der Volksrepubliken Donezk und Lugansk ist die Vertreibung der ukrainischen Truppen aus Debalzewo keineswegs ein Verstoß gegen Minsk II.

    Der Regierungschef von Donezk, Sachartschenko, hat das in einem Fernsehvotum Anfang der Woche ausdrücklich gesagt. Er hat erklärt, daß das Abkommen von Minsk vorsieht, daß alle illegalen ausländischen bewaffneten Kräfte entwaffnet und zurückgezogen werden müssen.

    Nun sie die Truppen der Ukraine aus Sicht der neurussischen Volksrepubliken ganz ohne Frage illegale ausländische Bewaffnete, nämlich Okkupationstruppen, die

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