Ukraine-Krise
Putin droht mit Drosselung von Gaslieferungen

Wladimir Putin droht das Volumen der Gaslieferungen nach Europa zu senken, falls die Ukraine Pipelines anzapfen sollte. Energiekommissar Oettinger erklärte, die EU könne einen sechsmonatigen Lieferstopp überbrücken.
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BelgradRussland droht mit einer Verringerung der Gaslieferungen nach Europa, falls die derzeit von der Versorgung abgeschnittene Ukraine die Transit-Pipeline anzapfen sollte. Präsident Wladimir Putin sagte am Donnerstag bei einem Besuch in Belgrad, er hoffe aber, dass es nicht soweit komme. „Wenn wir wie schon 2008 feststellen sollten, dass unsere ukrainischen Partner ohne Erlaubnis aus dem Pipeline-Exportsystem Gas entnehmen, werden wir genau wie damals das Volumen um die gestohlene Menge reduzieren.“ Ein Stresstest der EU kam jedoch zu dem Ergebnis, dass selbst im Falle eines sechsmonatigen russischen Lieferstopps kein EU-Haushalt im kommenden Winter ohne Heizung auskommen muss.

„Ich kann Ihnen versichern, dass es keine Krise geben wird, die man russischen Teilnehmern der Energie-Kooperation anlasten kann“, erklärte Putin. Er schränkte jedoch ein: „Es gibt große Transit-Risiken.“ Russland und die Ukraine streiten sich seit Monaten über die Begleichung von Milliardenschulden durch die Ukraine und über den Preis für Erdgaslieferungen. Der Staatskonzern Gazprom beliefert die ehemalige Sowjetrepublik deswegen seit Juni nicht mehr.

Die Auseinandersetzung könnte sich im Winter auf andere Länder auswirken, weil die EU ein Drittel ihres Gases in Russland kauft. Die Hälfte davon fließt durch die Ukraine, die im Winter ebenfalls viel Gas benötigen dürfte.

Die EU kann nach Angaben von Energiekommissar Günther Oettinger flexibel auf einen Lieferstopp reagieren. Dies hätten umfangreiche Tests in den 28 Mitgliedsländern sowie zehn Nachbarländern ergeben. „Wenn wir zusammenarbeiten, Solidarität zeigen und die Empfehlungen dieses Berichtes umsetzen, muss kein Haushalt in der EU der Kälte überlassen werden“, erklärte Oettinger. Falls Angebot und Nachfrage nicht von allein einen Engpass überbrücken, so könnten notfalls die Behörden eingreifen und beispielsweise strategische Reserven freigeben, einen Wechsel des Brennstoffs anordnen oder die Nachfrage beschränken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
    "in einem am 01.09. bekanntgewordenen Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso"
    Da hat sich Herr Barroso ofiziell bei Russland entschuldigt, das aus dem Zusammenhang gerissen zu haben. Ansonsten hätte Russland das gesamt Interview veröffentlicht und das wäre sehr peinlich für Herrn Barroso geworden.

    Warum wird hier nichts und in der gesamten Deutschen Presse von dieser Entschuldigung geschrieben?

  • ....so könnten notfalls die Behörden eingreifen und beispielsweise strategische Reserven freigeben, einen Wechsel des Brennstoffs anordnen oder die Nachfrage beschränken.....
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    Strategische Reserven lassen sich freilich kurzfristig freigeben , aber wie will man auf einen anderen Brennstoff ausweichen ?
    Kohle setzt einen recht lange vorarbeit voraus, Atomkraft haben wir sehr bald nicht mehr und wenn man von Brennstoff spricht, meint man weder Solar noch Windkraft .
    Vielleicht sollten wir uns mit dem abschalten von Kraftwerken mehr zeit lassen , zumindest solange , bis der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine beigelegt ist und Europa wieder verlässlich mit Energie versorgt werden kann .

  • Ja und 2tens geht es um Vertrauen. Wenn die Russen das Gas abstellen, bekommen die nirgends mehr einen Fuß in die Tür auch bei den Gelben nicht.

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