Ukraine-Krise Rebellen nehmen ukrainische Armee in die Zange

Die prorussischen Rebellen gehen zum Gegenangriff über. Im Südosten des Landes eröffnen sie eine neue Front. Ein Durchbruch bis zur Halbinsel Krim scheint möglich. Angeblich kämpfen russische Soldaten an ihrer Seite.
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Poroschenko sagt Treffen in Türkei ab

DüsseldorfNoch vor kurzem trat Oberst Andrej Lysenko selbstbewusst vor die Presse. Jeden Tag verbreitete der Sprecher der ukrainischen Armee neue Erfolgsmeldungen. Wer ihm zuhörte, musste glauben, der Sieg im Kampf gegen die prorussischen Separatisten stehe kurz bevor. Doch das war wohl etwas voreilig. Tatsächlich geraten die ukrainischen Soldaten offenbar in die Defensive. Sie drohen im Südosten des Landes in die Zange genommen zu werden.

Bei Donezk und Lugansk haben die prorussischen Rebellen in den vergangenen Tagen mit einer Gegenoffensive begonnen. Sie nahmen eine wichtige Anhöhe östlich der umkämpften Stadt Donezk ein. Gleichzeitig rücken Aufständische auch im Südosten des Landes nahe der ukrainisch-russischen Grenze vor. Damit eröffnen sie eine zweite Front – möglicherweise dank direkter Unterstützung aus Russland.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach am Donnerstag davon, es seien „russische Truppen in die Ukraine geschickt“ worden. Die Lage habe sich „extrem verschärft“. Einen Staatsbesuch in der Türkei sagte Poroschenko ab. Die Regierung in Kiew sieht es als erwiesen an, dass Russland hinter dem Erstarken der Rebellen steckt, die einen Anschluss an das Nachbarland fordern.


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Die Aufständischen erklärten, sie seien mit Panzern in die Stadt Nowoasowsk eingedrungen, als Nächstes wolle man Mariupol einnehmen. „Die Befreiung der Stadt ist eine Sache von Tagen“, kündigte ein Sprecher der Separatisten an. Von ukrainischer Seite wurde der Vormarsch der prorussischen Rebellen bestätigt. Die ukrainische Armee konzentriere sich nun auf die Verteidigung von Mariupol. Der Stadt mit 500.000 Einwohnern ist strategisch von großer Bedeutung. Sie verfügt über einen Seehafen und ist ein bedeutendes Zentrum der Metallindustrie. Wer sie kontrolliert, kontrolliert auch den Weg zur Halbinsel Krim, die Russland im März annektiert hatte.

Tausende „Freiwillige“ im Einsatz
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13 Kommentare zu "Ukraine-Krise: Rebellen nehmen ukrainische Armee in die Zange"

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  • Die drohende Niederlage abzuwehren, indem man auf ausländische Unterstützung bei einer angeblichen Invasion hofft, wäre kein falscher Gedanke und sollte in Betracht gezogen werden. Es bedarf wesentlich härterer Beweise für eine russische Invasion als verschwommene Bilder und Berichte. Sollten die vorgelegt werden, gibt es aber trotzdem keine kriegerische Option gegen Russland. Das wäre Wahnsinn! Auch die schlimmsten Kriege fingen alle mal ganz klein an. Also Finger davon!

    Jede moderne Volkswirtschaft ist abhängig vom Handel. Eine konsequente wirtschaftliche Isolation, könnte also jeden Aggressor in die Knie zwingen. Wenn es dafür im Winter hier etwas kühler wird in den Wohnungen und die Rohre bersten, egal, alles besser als Krieg und unsere Handwerker haben was zu schaffen.
    Wäre zwar mit 5.000L Heizöl im Keller vom Gasboykott nicht direkt betroffen, würde aber aus Solidarität mitfrieren! ;-)

  • Putin hat sicherlich einen Blick auf die Landkarte geworfen und festgestellt, dass der Dnepr die natürliche (vorläufige) Südgrenzgrenze für die Westerweiterung Russlands darstellt. Diese Grenze kann Russland zu einem spätern Zeitpunkt „begradigen“ und auch Moldawien heimholen. So werden neue Reiche geschaffen, Geschichte wiederholt sich doch!!!

  • Angeblich kämpfen russische Soldaten an ihrer Seite

    Angeblich ist in Berlin ein Fahrrad der CIA umgefallen! Eine Beteiligung des russischen Geheimdienstes lässt sich nicht ausschließen!

  • Ich bin der Meinung, das es das beste wäre wenn sich die UK spalten würde!!! Mit UN Kontrolle ubd wer wohin will, dann gibts auch den Pseudo Krieg nicht mehr geben!!

  • @Pom Muc

    Sie haben ja völlig Recht. Aber in der EUSA gilt immer noch die Regel: Wenn zwei das Gleiche tun, dann ist es noch lange nicht dasselbe !

  • Zitat: „Dies kann nicht das gewünschte Szenario Putins sein, weil es mit sehr hohen Kosten für Russland verbunden wäre“, sagte zuletzt Margarete Klein von der Stiftung Wissenschaft und Politik, bevor Russland die Eskalation mit dem ungenehmigten Hilfskonvoi vorantrieb. Es spreche viel dafür, dass Putin einen „frozen conflict“ anstrebe."

    Irgendwie erinnern mich derartige Spekulationen über die Motivationen Putins an die Kreml-Astrologie vergangener Zeiten. Man wusste nichts Genaues über die inneren Vorgänge im Politbüro der KPdSU, ließ aber dennoch um so fröhlicher seiner Phantasie freien Lauf.

    Wer kann Herrn Putin oder irgendeinem anderen handelnden Politiker schon hinter die Stirn blicken?

    Ich vermute allerdings, dass derartige Phantastereien auch aus einem anderen Grunde müßig sind: Sie unterstellen ja, dass in Wirklichkeit Putin und nicht die politische und militärische Führung der Aufständischen das Kommando hat.

    Diese Vermutung jedoch wird durch nichts gestützt. Im Gegenteil, die atemberaubenden militärischen Erfolge der Aufständischen in den letzten Tagen dürften endgültig dazu geführt haben, dass sie sich von Russland überhaupt nichts mehr sagen lassen. Warum sollten sie ihren militärischen Sieg verschenken, weil Putin es vielleicht aus Rücksicht auf die Reaktion des Westens so wünscht?

    Ich denke, sie werden das nicht tun. Sie werden sich statt dessen nicht mit weniger als mit einer Abspaltung von der Ukraine und der vollen staatlichen Souveränität zufrieden geben.

    Die aktuellen Kämpfe gehen daher nicht mehr darum, ob es diese Abspaltung geben wird, sondern nur noch darum, wo genau die Grenzen des neuen Staates Neurussland verlaufen werden.

    Der Westen wird das akzeptieren, weil ihm gar keine andere Wahl bleibt.

  • Nun gut, die Regierung in Kiew hat sich für eine antirussische Politik entschieden, nun muß sie auch mit den Konsequenzen zurecht kommen. Wenn eine militärische
    Rückeroberung der ostukrainiachen Separatistengebiete
    nicht gelingt, ist eine Situation wie in Georgien und Moldawien die wahrscheinlichste, zudem hat Russland lebhaftes Interesse daran den Zugang zur Krim strategisch abzusichern.

    Ob es eine massive militärische Unterstützung der USA für Kiew geben wird, ist zur Zeit noch nicht abzusehen,
    der Konflikt würde dann allerdings eskalieren in einem Umfang, der keineswegs im Interesse der EU sein kann, wenn man einmal von UK und einigen wenigen anderen absieht.

  • Es ist interessant zu sehen, dass die Menschen sich nicht mehr so einfach hint das Licht führen lassen, wie in der Vergangenheit.

    Das Schema "die Guten" und "die Bösen" funktioniert nicht mehr. Auch wenn eine "unfreie" Presse sich alle Mühe gibt.

    Den Leuten fällt auch auf, dass die Untersuchungsergebnisse der Blackbox von MH 17 auf sich warten lassen.

    Mal sehen, wann publik wird, dass führende Politiker der BRD durch unsere Freunde mutmaßlich erpressbar waren bzw. erpresst wurden.

    Die Überwachung hat ja bestens funktioniert. Da weiß man auf der anderen Seite des großen Teiches sicher alles über Stasiakten, außereheliche und homosexuelle Verhältnisse, Steuerhinterziehungen und vieles mehr.

    Schon erstaunlich, wie die Lenker der BRD im Interesse unserer Freunde das Scheckbuch zücken. Hier ein paar Waffen für Kurden, dort eine 500 Millionen Bürgschaft für die Ukraine, da ein kleiner Bundeswehreinsatz im Ausland usw.

    Kein Geld für Schulen und Kindergärten, Länderhaushalte, die um jeden Euro kämpfen, Kommunen vor dem Kollaps, aber in der Weltpolitik scheinbar unendlich tiefe Taschen. Jene, welche die Zinsen hierfür kassieren wird es freuen.

    Und statt ein wirkliches Europa zu schaffen mit Russland im Boot, übt man sich als den US-Interessen verpflichtetes Rumpfeuropa im Aufstellen von unsinnigen Sanktionen und Aktionen gegen Russland.

    Man wird scheitern und die Rechnung wird teuer. Nichts gelernt aus Napoleon und dem Schreihals aus Graz.

    In der Kubakrise hat Russland schnell gelernt. Das Gleiche sollte man sich für die Agitatoren in der Ukraine wünschen. Sonst wird es unter Umständen bitter.

  • Man liest immer nur: Poroschenko behauptet, die ukrainische Armee behauptet, die USA behaupten, Jazenjuk behauptet. Die OSZE kann diese Behauptungen nie bestätigen.

    Einzig die 10 Fallschirmjäger entpuppten sich meines Wissens als Tatsache. Ansonsten: 0. Selbst die Schuld an MH17 kann die EUSA nebst Uktaine nicht beweisen. Im Gegenteil.

    Frage, liebes HB und übrige Presse: Wie lange soll dieses öde Spiel mit stündlichen Anschuldigungen, die danach im Sande verlaufen und nie bewiesen werden, noch gehen ?

    Übrigens: Die Separatisten hatten die Erfolgsmeldungen der ukrainischen Armee von Beginn an als falsche Propaganda bezeichnet. Anscheinend hatten sie Recht, sonst müssten Poro und Jaz nicht seit Wochen täglich nach der NATO rufen....

    Wann beendet die Westpresse also endlich mal die dumpfe Propaganda und hält sich an die Realität ?

  • Der Westen hat nun auch ein Glaubwürdigkeitsproblem. Denn in Libyen hatte man keine Bedenken damit Flugverbotszonen zum Schutz der "Rebellen" einzurichten. Dort wurden Rebellen mit Kriegsmaterial ausgerüstet und logistisch unterstützt. Rebellen wurden vor Ort inoffiziell durch Militärberater ausgebildet. Westliche Spezialkräfte wurden zur "Aufklärung" und für "Rettungseinsätze" entsandt.

    In Syrien hat man genau das Gleiche versucht. Nur hat Russland seine Lektion gelernt und früh die Grenzen des Machbaren aufgezeigt.

    Wenn man jetzt eine Gruppe russischer Fallschirmjäger die höchstwahrscheinlich zur Aufklärung vor Ort waren in den Nachrichten hervorhebt sollte man nicht vergessen wie viele ausländische Kräfte ohne der Genehmigung der damaligen Regierung in Libyen agierten.

    Es wird daher außerordentlich spannend wie Frankreich oder Großbritannien argumentieren werden. Wie die USA ein Land im Bürgerkrieg in die NATO integrieren will. Wie will man denn in der Ukraine verhindern was man vor 20 Jahren in Jugoslawien selbst gemacht hat?

    Ein künstlich erschaffener Staat mit unterschiedlichen Bevölkerungsethnien wurde getrennt. In der Tschechoslowakei ging die Trennung ja auch. Schottland darf ebenfalls abstimmen. Wenn das der Standard der EU ist muss dieser auch für Beitrittskandidaten wie die Ukraine gelten.

    Also Einstellung aller Kampfhandlungen und Volksreferendum unter UN-Aufsicht. Dass der Westen dies von sich aus nicht vorschlägt zeigt wie er den Ausgang dieses Referendums einschätzt.

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