Ukraine-Krise
Russland fordert Ende der Sanktionen des Westens

Russlands Ministerpräsident Medwedew fordert, das Verhältnis zum Westen zu normalisieren. Unterdessen gehen die Kämpfe im Osten der Ukraine weiter. Anschuldigungen des Westens weist Russland zurück.
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Moskau/OsloRussland drängt den Westen vor dem G20-Gipfel am Wochenende in Australien zu einem Ende der Sanktionen. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die Strafmaßnahmen müssten beendet und die Beziehungen normalisiert werden. Das Außenministerium in Moskau wies erneute Vorwürfe der ukrainischen Regierung zurück, Russland rüste die Rebellen im Osten des Landes für eine Offensive auf. Trotz der vor zwei Monaten vereinbarten Waffenruhe wurde dort auch am Donnerstag gekämpft. Mindestens vier ukrainische Soldaten kamen ums Leben.

Bei dem Gipfeltreffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer könnte es auch zu einer Begegnung von Russlands Präsident Wladimir Putin mit Kanzlerin Angela Merkel kommen. Ihr wird noch am ehesten ein Draht zur russischen Führung zugetraut. Am Montag wollen die EU-Außenminister über weitere Sanktionen gegen Russland beraten. Merkel zufolge geht es dabei um eine Ausweitung der Strafmaßnahmen gegen Einzelpersonen und nicht um neue Wirtschaftssanktionen. Medwedew sagte, man müsse zu „normalen, ruhigen, produktiven Gesprächen“ zurückkehren. Er äußerte sich am Rande des Gipfels der südostasiatischen Staaten in Myanmar nach einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama.

Die militärische Lage vor Ort deutete dagegen auf eine weitere Eskalation hin. Ein ukrainischer Militärsprecher sagte, der Beschuss von Wohngebieten in den von Separatisten gehaltenen Städten Donezk und Luhansk habe sich verstärkt. Außerdem werde weiter Militärmaterial von Russland in die Region geschafft. „Wir können nicht sagen, wann ein Angriff stattfinden könnte, aber wir müssen immer darauf gefasst sein“, sagte der Sprecher. Das russische Außenministerium warf der Regierung in Kiew dagegen vor, sich nicht an den vor zwei Monaten in Minsk ausgehandelten Friedensplan zu halten. Ein Sprecher sagte außerdem, es sei falsch, dass Russland Truppen zur Unterstützung der pro-russischen Rebellen in die Ost-Ukraine entsandt habe.

Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove hatte am Mittwoch gesagt, die Militärallianz habe beobachtet, dass russische Truppen und Panzer in den vergangenen Tagen auf ukrainisches Territorium vorgedrungen seien. Es gebe keinen Zweifel mehr, dass Russland unmittelbar militärisch in der Ukraine tätig sei. Russland hatte dies als „heiße Luft“ zurückgewiesen.

Die Nato hat sich auch besorgt über die zunehmende Zahl von Patrouillenflügen russischer Langstreckenbomber in Nordeuropa gezeigt. Am Donnerstag vereinbarten acht Staaten der Region als Reaktion darauf eine verstärkte Zusammenarbeit. Die Verteidigungsminister der baltischen und skandinavischen Staaten sowie Großbritanniens erklärten nach einem Treffen in Oslo, man werde den Informationsaustausch vertiefen und die gemeinsame Luftwaffenausbildung ausbauen. „Die Nato hat in diesem Jahr bislang mehr als 100 Abfangmanöver registriert, drei Mal so viele wie 2013 – und das Jahr ist noch nicht zu Ende“, erklärte der britischen Verteidigungsminister Michael Fallon. „Wir werden nicht zulassen, dass Russland weiter unseren Luftraum verletzt.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • http://www.fairgame-derfilm.de/

    Wer will, kann sich gerne diesen Film angucken.
    Natürlich wird im Film zugespitzt, trotzdem zeigt er die traurige Wahrheit.
    Ein Einzelfall? Wohl eher nicht.
    Ein unglücklicher Zufall, dass die USA die ganze Welt verarscht haben? Wohl eher nicht.
    Die Erde ist kein allzu friedlicher Ort. Aber wo waren damals die Rufe nach Sanktionen gegen unsere Partner, wie wir es jetzt gegen Russland hören.
    Wo bleibt die Kritik an unseren Verbündeten für Spionage, Untedrückung, Folter,...
    Im Angesicht der (teilweise berechtigten) Kritik an Russland vergessen wir sogar dass unsere Partner USA und UK uns auspionieren. Natürlich macht Russland das auch, wir sind ihnen ja auch nicht gerade freundschaftlich gesonnen.
    Wieso sind alle Vorschläge, die aus Russland kommen zunächst mal falsch, wie der Föderale Aufbau der Ukraine? Zur Erinnerung, auch Dtl ist eine Föderation, kann ja also nicht so verkehrt sein.
    Alle beteiligten Parteien sollten endlich mal wieder an den Verhandlungstisch zurück kommen (dazu zählen die USA übrigens nicht, die haben in Europa nichts verloren)

  • Wissen Sie, dass bereits Menschen von Psychotherapeuten auf Grund eines Gerichtsurteils (nachträglich) in die geschlossene Abteilung eingewiesen wurden, obwohl der "Patient" nie untersucht wurde?
    Aus der Ferne lassen sich solche Diagnose schwer treffen.
    Das gilt auch für einige Schreiberlinge hier in Deutschland.
    Wenn man schon von Realitätsverlust spricht, dann gilt dieser offensichtlich weltweit und nicht nur für die Russen.

  • kein problem, die sanktionen werden sofort zurückgenommen, wenn russland seinen krieg gegen die ukraine beendet und die besetzten gebiete in der ostukraine und ggf. die krim zurückgegeben werden.

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