Ukraine-Krise
USA ziehen Truppen in Europa zusammen

Sie fühlen sich bedroht: Die USA wollen erstmals ihre Truppenstärke in Europa wieder erhöhen. Präsident Obama nennt das Vorgehen Russlands im Ukrainekonflikt als Grund – die Lage im Osten des Landes bleibt angespannt.
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Warschau/ Brüssel/Moskau/New YorkDie USA wollen als Reaktion auf die russische Ukraine-Politik ihre Truppen in Osteuropa aufstocken und dafür eine Milliarde US-Dollar bereitstellen. Dies kündigte US-Präsident Barack Obama am Dienstag in Polen zum Auftakt seiner mehrtägigen Europareise an. Obama forderte die europäischen Nato-Partner auf, ihre über die Jahre eingedampften Wehrausgaben wieder aufzustocken. Aus der Ostukraine wurden erneut heftige Gefechte zwischen Regierungstruppen und prorussischen Milizen gemeldet.

Obama betonte, die Sicherheit der östlichen Nato-Staaten sei aus US-Sicht „unantastbar“. Für die befristete Entsendung zusätzlicher US-Soldaten erbitte er vom US-Kongress eine Milliarde Dollar (735 Millionen Euro) zusätzlicher Haushaltsmittel. Obama sprach nach einem Treffen mit seinem polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski in Warschau von einem „starken Signal des Engagements“.

Russland hat die von US-Präsident Barack Obama in Warschau angekündigte Aufstockung von US-Truppen in Osteuropa kritisiert. „Falls die USA die Lage in der Ukraine zu irgendwelchen Muskelspielen missbrauchen, wird das nur von Nachteil sein“, sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin am Dienstag der Agentur Interfax in New York. Aufrüstung sei der falsche Weg. Er rief den neu gewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko auf, die „Anti-Terror-Operation“ gegen Separatisten zu beenden. „Diese Operation verschlimmert nur die Situation für die Bevölkerung der Ukraine und für das ganze Land“, sagte Tschurkin.

Östliche Nato-Staaten wie Polen, Litauen, Lettland und Estland fordern die Stationierung von Kampftruppen anderer Nato-Mitglieder. Damit wollen sie den Nachbarn Russland von Militäraktionen wie der Annexion der Krim oder der Destabilisierung in der Ostukraine abschrecken.

Zu Beginn eines Treffens der 28 Nato-Verteidigungsminister in Brüssel warf Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen Russland vor, die Stabilität und Sicherheit der gesamten euro-atlantischen Region zu bedrohen. Er begrüßte zugleich die Ankündigung Obamas zur geplanten Truppenverlegung. Entscheidungen der gesamten Allianz über neue Verteidigungspläne und Stationierungen sollen nach seinen Worten aber erst beim Nato-Gipfel Anfang September in Newport (Wales) fallen.

Diplomaten zufolge lehnen unter anderem die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusätzliche dauerhafte Truppenstationierungen im östlichen Nato-Bündnisgebiet ab. Stattdessen solle die Nato durch Manöver, mehr Ausbildung, eine Verkürzung der für die Reaktionsfähigkeit nötigen Zeiten oder die vorsorgliche Bereitstellung von Militärmaterial ihre Einsatzbereitschaft demonstrieren. Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) äußerte sich ausweichend und sprach vom „richtigen Maß an Selbstbewusstsein, aber eben auch Besonnenheit“.

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  • @Pro-D

    Es geht hier nicht um Rußland, sondern da ist ein ziemlich großes Ding am Entstehen, sichtbar am entstehenden Bündnis von Rußland und China - auch die Fühler nach Deutschland und Europa wurden schon ausgestreckt (und zwar von den Chinesen).

    Das läuft unter "Seidenstrasse 2.0" - eine Verbindung von China via Schienen (dh. LANDWEG) bis ins Ruhrgebiet. Hinweis: einen Landweg kann die US-Navy nicht kontrollieren und nicht abriegeln.

    Es entstünde dann gewissermaßen eine Eurasische Wirtschaftsunion - DER ALPTRAUM DER ANGLO-AMERIKANER seit Jahrhunderten (Hearthland-Theorie, siehe auch Wolfowitz-Doktrin bzw. Brzezinski-"Schachbuch")

    Damit verbunden wäre dann auch das Ableben des Dollars als Weltwährung. Die anglo-amerikanische Hochfinanz schläft deshalb in den letzten Jahren besonders schlecht:

    „Das unverzeihliche Verbrechen Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg war der Versuch, seine Wirtschaftskraft aus dem Welthandelssystem herauszulösen und ein eigenes Austauschsystem zu schaffen, bei dem die Weltfinanz nicht mehr mitverdienen konnte.“
    Churchill zu Lord Robert Boothby, zit. in: Sidney Rogerson, Propaganda in the Next War, Vorwort zur 2. Auflage 2001.

  • @ihr

    Krieg in der Ukraine ist schon voll am Laufen. Das Putsch-Regime führt gerade, unter Schweigen der freien westlichen Presse eine Offensive durch.

    Als auf dem Maidan Schüsse fielen, heulte die gesamte „freie westliche Presse“ lautstark auf und forderte den Kopf des damaligen Präsidenten, obwohl dessen Schuld keinesfalls erwiesen war (und es sich später sogar herausstellte, daß die andere Seite dahintersteckte, die späteren Putschisten der USA waren).

    Jetzt aber, wo die Putschregierung MILITÄR gegen das eigene Volk einsetzt, herrscht hingegen Grabesstille in „unseren“ Propaganda-Blättern. Dabei wird sogar die Luftwaffe gegen die Bevölkerung eingesetzt, wie hier beim Luftangriff in Lugansk
    http://de.ria.ru/security_and_military/20140602/268660016.html

    Auch generell gibt es massive Kämpfe durch Militäraktionen der Putschisten-Regierung, über die seltsame Stille herrschen, worauf der russische Außenminister hinweist
    http://german.ruvr.ru/news/2014_06_02/Lawrow-Westliche-Medien-verheimlichen-reale-Situation-in-Ukraine-5979/

    Um hier etwas zynisch zu werden: statt zahnlosem UNO-Geplapper sollten die Russen doch lieber nach Standard-US-Methode vorgehen und sich Libyen zum Beispiel nehmen, dh. eine „Flugverbotszone“ über der Ukraine einrichten. Das natürlich nur um Zivilisten vor solchem Luftangriffen wie in Lugansk zu beschützen und nicht etwa analog wie im Falle Libyen-Nato systematisch ukrainische Armee-Einheiten zusammenbomben.

    Aber Rußland hat eben (wie es auch EUropa haben sollte - so es sich endlich von den US-Overlords lösen würde) Interesse an einer De-Eskalation der Situation, nicht an einer Verschärfung. Diese würde nur den Amerikanern in die Hände spielen, zulasten Rußlands und Europas. Die Gründe hierfür haben ich in einem weiteren Beitrag gepostet.

    Einen großen Krieg will übrigens niemand und er wird auch nicht vorbereitet. Hier geht es um Provokationen, damit der "russische Bär" in der Ukraine zuschlägt und der Kalte-Krieg2.0 der Amis beginnen kann

  • Kurios, ausgerechnet das Angriffskriegs-Bündnis NATO und die permanente Angriffskriegs-Macht USA fühlen sich in der Ukraine-Krise "bedroht". Da kann man nur lachen, genau das Gegenteil ist der Fall: das US-Regime versucht die Situation zu eskalieren und die Presse hilft ihr mit alarmistischen Schlagzeilen wie "USA ziehen Truppen zusammen.." auch noch dabei. Weshalb die USA eskalieren will, habe ich schon oft geschrieben, hier noch einmal in Kurzform:

    a) Spaltung Europas (die alte „Teile und Herrsche“-Strategie, Verhinderung eines Eurasischen Wirtschaftsraums- entsprechend der alten britischen Heartland-Theorie)

    b) Beherrschung Europas (via Kontrolle seiner Energieträger) und Schwächung Rußlands

    c) Finanzkrieg und Dollarrettung (Verhinderung einer neuen, möglicherweise rohstoffgedeckten Leitwährung durch Rußland und China).

    d) Destabilisierung von Putins Regierung durch eine Niederlage im Ukraine-Konflikt und späterer Sturz (durch die routinierten Farben-Revolutionsprofis der US-NGOs)

    Deutschland und die EU haben hier genau gegenteilige Interessen zu denen des US-Regimes (Polen als Satelliten-Kriegstreiber diskutieren wir hier besser nicht): Stärkung der (wirtschaftlichen) Zusammenarbeit innerhalb Gesamteuropas (einschließlich Rußland, das sich mit seiner rohstoffbasierten Wirtschafts Deutschlands Produktions-Wirtschaft hervorragend ergänzt), Stärkung Europas, ein gerechtes Währungssystem weg von den Betrugs-Dollars, Stabilität überall in Europa, vor allem aber in der Atommacht Rußland.

    Neben diesen eigenen Interessen sollte auch das Grundgesetz den Eifer unserer Merkel-Bananenrepublik-Regierung dämpfen allzu sehr in Vasallentreue gegenüber unseren Besatzern zu verfallen:

    Artikel 26 Grundgesetz

    (1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

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