Ukraine
Timoschenko richtet Appell an die EU

Die inhaftierte frühere Ministerpräsidentin der Ukraine hat die EU aufgefordert, an einem geplanten Abkommen mit ihrem Land festzuhalten. Ihre umstrittene Gefängnisstrafe dürfe dem Projekt nicht im Weg stehen.
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KiewIn der Ukraine hat die zu sieben Jahren Haft verurteilte ehemalige Ministerpräsidentin Julia Timoschenko einen dramatischen Appell an die Europäische Union gerichtet. Das geplante Assoziierungsabkommen ihres Landes mit der EU sei ein Meilenstein und dürfe nicht wegen ihrer Verurteilung platzen, forderte Timoschenko in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an die EU. Die Vereinbarung, die unter anderem ein Freihandelsabkommen zwischen der Ukraine und den 27 EU-Staaten vorsieht, sei eine endgültige Bestätigung und zugleich eine Garantie der Unabhängigkeit ihres Landes. „Ich kann es nicht hinnehmen, dass meine persönliche Freiheit der Grund für den Tod des europäischen Traums des ukrainischen Volkes sein soll.“

Die 50-jährige Timoschenko war im vergangenen Monat für schuldig befunden worden, einen Gasliefervertrag mit Russland 2009 unrechtmäßig und zum Schaden des Landes durchgesetzt zu haben. Die EU hat wiederholt von einem politisch motivierten Prozess gesprochen und erklärt, eine Verurteilung der charismatischen Politikerin gefährde das Assoziierungsabkommen. Nach dem Richterspruch sagte die EU ein für den 20. Oktober geplantes Treffen in Brüssel mit dem ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch kurzfristig ab. Nach Angaben von EU-Diplomaten steht auch das für Dezember geplante Gipfeltreffen auf der Kippe, auf dem das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine eigentlich besiegelt werden sollte.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Beim europäischen Traum ihres Volkes hat sich Frau Timoschenko offenbar in der Himmelsrichtung geirrt. Solange politische Prozesse wie der ihrige ein Markenzeichen der Ukraine sind, darf sich das freie Europa nicht auf eine Annäherung einlassen. Die EU ist bei früheren Schweinsgalopp-Vereinbarungen bereits auf die Nase gefallen. Schon vergessen?

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