Ukraine und Korruption
Auf Leben und Tod

Egal ob Politiker, Arzt oder Lehrer: Die Korruption in der Ukraine wucherte immer tiefer in die Gesellschaft hinein. Auf dem System basiert das ganze Land. Wer dagegen ankämpft, setzt sein Leben aufs Spiel.
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KiewDie Leiche von Alexander Kostrenko wurde am Abend des 30. Novembers in seiner Wohnung entdeckt. Der Grund für den Tod des Aktivisten der Nichtregierungsorganisation „Anti-Korruptionsausschuss Maidan“: mehrere Messerstiche und Kopfverletzungen. Es zeigt: Der Kampf gegen Korruption endet in der Ukraine oftmals tödlich – immer noch.

Kostenko hatte sich seit mehreren Jahren für Menschen eingesetzt, deren Land oder Wohnungen zwangsverkauft worden waren. Die NGO hatte Informationen gesammelt, wonach auch Personen aus Justiz und Verwaltung bei den Vertreibungen eine tragende Rolle spielen. Während der vergangenen Monate suchten mehrere Bürgerrechtsgruppen Grundstücke von Politikern oder hohen Behördenmitarbeitern auf und recherchierten, woher die Gelder für die meistens mehrere Hektar umfassenden Gebiete stammen und wem das Land vorher gehört hatte.

Bei ihren Untersuchungen stießen sie auch auf das Luxusanwesen von Generalstaatsanwalt Vitali Jarema. Er ist seit Juni im Amt und war die meiste Zeit seines Lebens im Staatsdienst der Ukraine, vor allem als Polizist. Dabei dürfte er bestenfalls umgerechnet 200 Euro Monatseinkommen mit nach Hause gebracht haben. Doch die Familie des Generalstaatsanwalts lebt seit Jahren im teuersten Stadtteil Kiews. Die Villa ist von eigenen Seen umgeben und verfügt über einen privaten Zugang zum Fluss. Der Quadratmeterpreis im Nobelstadtteil Konscha Zaspa liegt bei 15.000 Euro aufwärts. Wie Jarema zu dem Grundstück und dem Geld für die Villa und die vielen Nebengebäude gekommen ist, dazu schweigt der Beamte bislang.

Den Kampf gegen die Korruption haben die Ukrainer bereits kurz nach der Unabhängigkeit des Landes 1991 und dann wieder 2004, nach der Orangenen Revolution, versucht. Beide Male ohne Erfolg, im Gegenteil, die Korruption wucherte immer tiefer in die Gesellschaft hinein.

Eine Studentin, die ihren Namen nicht nennen will, berichtet über ihre Erfahrungen in der Schule und an der Universität. Ihre Lehrer hätten zu Anfang jedes Semesters klargemacht, dass Klausuren 30 Euro kosteten, die Versetzung gebe es für 1000 Euro. „Viele meiner Mitschüler haben nicht gelernt, sind aber durchgekommen“, sagt der Teenager. Ihr hätten die Lehrer oft gesagt: „Jeder weiß, wie man durch die Prüfung kommt.“ Diesen Sommer habe sie die Schule beendet und anschließend Architektur studieren wollen, doch die Lehrer hätten ihr keine Empfehlungen ausgestellt. An der Uni ging das gleiche Spiel von vorne los. Nun besucht die junge Frau eine Vorbereitungsklasse und hofft, dass sie im nächsten Jahr einen Studienplatz bekommt. Veränderungen in ihrem Land wünscht sie sehnlich herbei.

Kommentare zu " Ukraine und Korruption: Auf Leben und Tod"

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  • In Kiew gibt es derart arme “Schweine“, die nehmen für 10.000 Euro einen fingierten “Totschlag“ bzw. übersteigerte Notwehr auf sich und gehen für maximal ein Jahr in den Knast bis Gras über die Sache gewachsen ist. Die Auftraggeber der tatsächlichen Mörder leben in Kiew auf Park ähnlichen Grundstücken wo der Quadratmeter 15.000 Euro kostet. Diese Mörderfeudalistenbande wird auf Befehl aus Washington mit europäischem Steuergeld gemästet.

    Diese feudalen Zustände kommen auf alle Europäer zu, aber sagt nicht das haben wir nicht gewusst!

  • @Herr Reiner Vogels
    "Immerhin spricht der IWF von dringend benötigten 15 Milliarden Euro, die in den nächsten Wochen mal eben unter der Tür durchgeschoben werden müssen (nachdem man gerade erst die Gasrechnung der Ukraine bezahlt hat."

    Ja, es ist erstaunlich wie abrupt sich in der Ukraine immer neue Finanzlöcher auftun und immer erst von außerhalb entdeckt werden müssen. Und das schönste, unser Finanzminister Schäuble obliegt dann die Aufgabe einen telefonischen Bettelanruf zum russischen Finanzminister zu machen und um eine umgehende Umschuldung eines Kredits über drei Mrd. Euro für die Ukraine zu bitten.
    Das ist so wunderbar, ein neuer Standard der Nächstenliebe gerade rechtzeitig zu Weihnachten wurde etabliert. Demnächst gehen in Deutschland immer die Nachbarn von zahlungsunfähigen Schuldnern zu den Banken und bitten um eine Umschuldung oder Streckung des Abzahlungsbetrags, weil er sonst todsicher selbst in die Zahlungspflicht genommen würde.
    Herr Schäuble und seine Chefs in Washington sehen uns also schon voll und ganz als Bürge für die Ukraine ohne das wir das geringste an deren Politik beeinflussen könnten.

    So langsam muss jeder verstehen warum z. B. der Solidaritätszuschlag, der im Jahr 2013 knapp 15 Mrd. Euro an Steuereinnahmen generierte, für immer bleiben muss. Diese Summe verfrühstückt man in der Ukraine mal nebenbei und innerhalb weniger Wochen. Freuen wir uns schon mal auf das kommende Frühjahr, es warten ganz sicher noch mehr ukrainische Finanz(arsch)löcher auf uns die gestopft werden wollen.
    Washington sagt ihr zahlt und Merkel/Schäuble/Gabriel/Seehofer/Grünen sagen JAWOLLL unsere geistig minderbemittelten Bürger zahlen das!

    Es wird sich an diesem Zustand gar nichts ändern, dazu bräuchte es Bürger mit “Eiern“ und davon gibt es viel zu wenige!

  • @Reine Einfalt
    "Wieder mal nur die Überschrift und nicht den Artikel gelesen? Das UdSSR-Erbe in der Ukraine ist hartnäckig und läßt sich leider nicht per Federstrich beseitigen..."

    Ihr Kommentar ist bestenfalls das Ergebnis von Null Wissen und Einfalt und Sie können noch nicht einmal zwischen den Zeilen lesen und verstehen. Der Grad der Korruption in der Ukraine ist um ein mehrfaches höher als selbst in der Endphase der Sowjetunion kurz vor der Auflösung. Die eigene kriminelle Verdorbenheit schiebt jeder Verbrecher und jede Verbrechernation immer wieder gerne weit von sich oder sucht billigste Entschuldigungen dafür. Ja, ja die Ukrainer sind immer noch die Opfer sie haben ihre Kriminalität schließlich erben müssen, auch wenn alle anderen ehemaligen Gliedstaaten der Sowjetunion, mit wenigen Ausnahmen, bei weitem nicht so korrupt ist wie die Ukraine, die im Übrigen seit dem Maidan-Putsch kräftig angestiegen ist und es noch tödlicher geworden ist dagegen zu opponieren. Der Satz, "Der Kampf gegen Korruption endet in der Ukraine oftmals tödlich – immer noch", ist eine freche Relativierung der tatsächlichen Situation oder wie erklären Sie sich diesen Satz:

    "Kostenko hatte sich seit mehreren Jahren für Menschen eingesetzt, deren Land oder Wohnungen zwangsverkauft worden waren."

    Aha, seit mehreren Jahren ist er schon ein Stachel im Fleisch der korrupten Feudalkruste und musste nun, nachdem nun endlich westliches Feudalrecht vorherrscht und das durch den europäischen Steuerzahler finanziert wird, sterben. Aber innerhalb von Stunden war sich der Staatsanwalt sicher, das Opfer war homosexuell und hatte versucht den “Totschläger“ in seiner Wohnung mit Alkohol sexuell gefügig zu machen, Akte zu!

    Erklären Sie mir mal bitte, denn offensichtlich sind Sie ein Anhänger der korrupten europäischen Feudalkruste, warum normale deutsche Bürger mit ihrem Geld ukrainische Mörder und Verbrecher ungewollt alimentieren müssen und das auch noch gut finden sollen?!!

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