Ukraine
US-Geheimdienst erwartet Offensive der Separatisten

Greifen die Separatisten in der Ukraine Mariupol an? Der US-Geheimdienst befürchtet eine Offensive der prorussischen Truppen. Allerdings stehe ein Angriff nicht unmittelbar bevor.
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WashingtonUS-Geheimdienstdirektor James Clapper rechnet mit einer Offensive der prorussischen Separatisten auf die ostukrainische Hafenstadt Mariupol im Frühjahr. Clapper sagte am Donnerstag bei einer Kongressanhörung in Washington, nach Einschätzung der US-Geheimdienste stehe ein Angriff nicht unmittelbar bevor. „Ich glaube, sie werden bis zum Frühjahr warten, bevor sie angreifen.“

Die US-Geheimdienste gehen laut Clapper davon aus, dass Russlands Präsident Wladimir Putin sich die Kontrolle über Teile der Ostukraine samt eines Landzugangs zur Krim sichern wolle. Moskau hatte die ukrainische Halbinsel im vergangenen Frühjahr nach einem umstrittenen Referendum annektiert. „Unsere Bewertung der Lage ist nicht, dass er die Eroberung der ganzen Ukraine anstrebt“, sagte der Geheimdienstchef vor dem Streitkräfteausschuss des Senats.

Clapper sprach sich für Waffenlieferungen des Westens an das ukrainische Militär aus. Dies sei seine „persönliche Meinung“, die nicht notwendigerweise die Position der US-Geheimdienste widerspiegele. So gebe es in den Geheimdiensten Befürchtungen, dass westliche Waffen für Kiew eine „negative Reaktion“ in Moskau auslösen und zur Lieferung von noch ausgefeilteren Waffensystemen an die Separatisten führen.

Der Leiter des US-Militärgeheimdienstes DIA, General Vincent Stewart, zeigte sich bei der Anhörung in dieser Frage skeptisch. Die DIA sei zu dem Schluss gekommen, dass Waffenlieferungen an den militärischen Machtverhältnissen in der Ostukraine nichts ändern würden.

Die US-Außenamtssprecherin Jen Psaki beklagte am Donnerstag, dass die vereinbarte Waffenruhe in der Ostukraine weiter verletzt werde. Allerdings hätten die Kämpfe in den vergangenen Tagen abgenommen, sagte Psaki. Es gebe eine „leichte Verbesserung“. Moskau bestreitet, die prorussischen Rebellen in der Ukraine zu unterstützen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Aber Mariopol ist nicht nur strategisch wichtig, die Bevölkerung dort dürfte auch einigermassen russland-freundlich sein. Schon bald nach dem Kiever Umsturz waren es dortige Zivilisten, die den Panzern aus Kiev zeigten, dass sie nicht willkommen waren. Nun hat sich die letzten Monate die Situation der Menschen stetig verschlechtert, die Kaufkraft sinkt massiv, Strompreise steigen, es geht bald um die nackte Existenz. Wer wird die wohl (gefühlt) eher verbessern können ? Eine Regierung die Wehrpflichtige aus dem Volk erpresst ? Es dürfte auch eine Rolle spielen, wie die Interessen des Oligarchen Achmetov berücksichtigt werden. Von Meinungsdifferenzen zu Kolomojski war schon zu hören. Die Chancen für die Separatisten dürften klar besser stehen, umgekehrt müssen die eher auf möglichst geringe Zivil-Schäden achten - als Kiev, die der Bevölkerung pauschal Terrorismus unterstellt. Die Nachschub-Wege aus Russland sind kürzer, die strategische Ausgangslage für Kiev/USA dürfte klar schlechter sein. Fragt sich nur wer mehr bereit ist zu riskieren : "ohne Rücksicht auf Verluste" wird nur für die USA tragbar sein, deren Heimat weit weg ist und "nur" Söldner-Blut bzw. Dollars kostet.

  • Selbstverständlich wird es Kämpfe um Mariopol geben, das ist nur eine Frage der Zeit. Zunächst meine ich werden die strategischen-sicherheits-relevanten Themen für Russland höchste Priorität haben, vor sentimentalen Fragen wie "Russen halten zu ethnischen Russen der Ukraine". Auch für den Westen, speziell die USA werden Machtfragen vor Geschäftsinteresse gehen. Es gilt derZunahme der russischen Stärke bzw. seiner Unabhängigkeit einen Riegel vorzuschieben, erst danach kommen Besitzansprüche aus Krediten oder Land-Rechte oder Fracking-Gasgeschäfte von Hunter Biden.

  • Warum sollten sich die Ostukrainer jemals wieder mit dem Westen aussöhnen. Es waren doch die ukrainischen Wessis welche mit dem Bombardieren der Zivilisten in Donezk und Lugansk begonnen haben.
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    Man hätte alles auf dem Verhandlungstisch friedlich aushandeln können, nur einige wollten das nicht und das waren nicht die Kiew Kritiker.
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    Herr Aussenminister Steinmeier und Frau Merkel, warum heucheln sie so herum, sagen sie es wie es war und ist. Wir sind noch nicht so verblödet wie sie es gerne hätten !!!!

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