International
Ukrainische Premierministerin lockt Investoren

Die Ukraine will in den kommenden Wochen mit radikalen Wirtschaftsreformen weltweit Investoren anlocken.Dazu gehören die Privatisierung von Land, die Streichung mehrerer tausend Verordnungen und Erleichterung für ausländische Unternehmen.

HB KIEW. "Die Gründung einer Firma wird künftig maximal drei bis vier Tage dauern", kündigte die ukrainische Premierministerin Julia Tymoschenko im Handelsblatt-Interview (Montagausgabe) an.Gleichzeitig garantiere die ukrainische Regierung die Unantastbarkeit von Privateigentum und sagte ein "weltweit einmaliges Investitionsklima" zu.

Mit diesem Programm will Tymoschenko vermehrt ausländische Investoren gewinnen, die bislang trotz des demokratischen Machtwechsels zu Jahresanfang eher einen Bogen um das Land schlagen. "Es ist natürlich unrealistisch zu meinen, Großinvestoren würden binnen weniger Monate nach so einem historischen Umbruch über Milli arden-Investitionen entscheiden. Aber ab Oktober, wenn wir mit mehreren großen Privatisierungen starten, werden wir das Vertrauen internationaler Konzerne spüren", sagte sie. Schon jetzt würden sie und Präsident Viktor Juschtschenko jeden Tag internationale Konzernchefs empfangen, die Investitionen in der Ukraine planten. Um dieses Interesse weiter anzuheizen, sollen die Steuern weiter gesenkt werden. Schon jetzt liege die Einkommensteuer lediglich bei 13 Prozent, sagte Tymoschenko. "Über eine Senkung der Gewinn- und Mehrwertsteuer werden wir im Zuge der Haushaltsberatungen entscheiden." Dabei solle der in der Ukraine wichtige Agrarsektor "faktisch zur steuerfreien Zone" werden.

Um die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu verringern, wird die Ukraine nach den Worten Tymoschenkos in den nächsten Jahren die Atomkraft ausbauen. Nach den schrecklichen Erfahrungen mit der Atomkatastrophe in Tschernobyl solle aber verstärkt westliche Technologie eingesetzt werden, um den internationalen Sicherheitsstandards zu entsprechen. Gerade im Energiebereich schlug sie eine umfangreiche Kooperation zwischen ihrem Land und den anderen europäischen Staaten vor: "Wir könnten die ukrainischen und europäischen Stromnetze verkoppeln, außerdem sollten Europa und wir gemeinsam neue Wege zum Transport von Öl und Gas aufbauen." So könnte Öl aus dem Kaspischen Meer über eine Pipeline durch die Ukraine bis nach Westeuropa geliefert werden. Dies würde die Anrainer des Kaspischen Meeres aus der russischen Abhängigkeit befreien und brächte Europa alternative Versorgungsquellen.

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