Ukrainischer Ex-Präsident dankt Putin
Janukowitsch taucht aus der Versenkung auf

Der ehemalige ukrainische Präsident Janukowitsch hat sich überraschend zu Wort gemeldet und eine Mitverantwortung für das Blutvergießen auf dem Maidan in Kiew eingeräumt. Wladimir Putin nannte er einen Lebensretter.
  • 3

Moskau/LondonMehr als ein Jahr nach seinem Sturz hat der ehemalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch eine Mitverantwortung für das Blutvergießen auf dem Platz der Unabhängigkeit, dem Maidan, in Kiew eingeräumt. „Ich leugne meine Verantwortung nicht“, sagte Janukowitsch in einem am Dienstag von der britischen BBC veröffentlichten Interview. „Wahrscheinlich habe ich nicht genug getan“, um die Krise zu verhindern.

Bei den Protesten im Winter 2013/2014 waren rund 100 Menschen getötet worden. Vorwürfe, einen Schießbefehl gegen die Demonstranten gegeben zu haben, wies er zurück. „Ich war kategorisch dagegen“, betonte er.

Russlands Staatschef Wladimir Putin hat Janukowitsch für dessen Einsatz als sein Lebensretter gedankt. Mit Hilfe russischer Soldaten war er am 23. Februar 2014 außer Landes geflüchtet. Er sei Putin dankbar, den Befehl zu dieser Aktion gegeben und „mein Leben gerettet zu haben“, sagte der Ex-Präsident.

„Die Tatsache, dass Wladimir Putin auf Drängen seiner eigenen Spezialkräfte diese Entscheidung traf, war richtig und seine Aufgabe.“ Seinen politischen Gegnern in Kiew warf der Ex-Präsident vor, damals einen „Militärputsch“ durchgezogen zu haben. „Sie haben das Land zerbrochen, sie haben die ganze Welt in diesen Konflikt gezogen.“

Den Verlust der Halbinsel Krim und den blutigen Krieg zwischen Regierungstruppen und moskautreuen Separatisten in der Ostukraine bezeichnete er als „Tragödie“. In Paris war für Dienstagabend ein Krisentreffen der Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine zum Konflikt im Donbass geplant. Die diplomatischen Bemühungen werden von neuer Gewalt überschattet. Bei den Gefechten wurden nach Angaben der Konfliktparteien mindestens ein Soldat und zwei Zivilisten getötet.

Janukowitsch, der im russischen Exil lebt, sagte der BBC, er wolle eines Tages in die Ukraine zurückkehren. Nach seiner Vertreibung sorgte bei seinen Landsleuten für Empörung, dass er in einem palastähnlichen Anwesen lebte, während das Land schon damals in akuter Finanznot steckte. In dem Interview wies Janukowitsch den Vorwurf der Verschwendung zurück. So seien die Strauße in dem zum Anwesen gehörenden Zoo „einfach da gewesen“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ukrainischer Ex-Präsident dankt Putin: Janukowitsch taucht aus der Versenkung auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Freie Presse heist die Freiheit zu haben herauszuschneiden was sie wollen.

  • Ja, und dann hat er noch gesagt, dass 90% der Krimbevölkerung für die Rückkehr zu Russland gestimmt haben, Tja und wer Russisch kann, findet das auch noch im Interview mit der BBC, im englischen Text wurde es weggeschnitten. Freie Presse!!

  • Cool, Strauße in der Ukraine!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%