Ukrainisches Folteropfer
Bulatow beantragt kein Asyl in Deutschland

Die Wunden im Gesicht und am Ohr sind fast verheilt. Er brauche aber noch Medikamente, sagt der ukrainische Oppositionelle Bulatow, der als Folteropfer bekannt wurde. Trotzdem will er weiter gegen die Regierung kämpfen.
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BerlinDer gefolterte ukrainische Regierungsgegner Dmitri Bulatow will zunächst kein Asyl in Deutschland beantragen. Bis Anfang März werde er verschiedene europäische Staaten besuchen und dort Gespräche führen, sagte Bulatow am Samstag bei einer Pressekonferenz im Berliner Mauermuseum Checkpoint Charlie. „Aber ich will auf jeden Fall in die Ukraine zurückkehren.“ Der Widerstand gegen die Regierung sei wichtig. Nur wenn er dort dauerhaft strafrechtlich verfolgt werde, könne er gezwungen sein, in Europa um Asyl zu bitten.

Nach einer medizinischen Behandlung in Litauen war der 35-Jährige am Freitag in Berlin eingetroffen. Am Dienstag reist er weiter. Nach eigener Aussage war der Kritiker von Präsident Viktor Janukowitsch während der Proteste in der Ukraine am 22. Januar von Unbekannten verschleppt und tagelang misshandelt worden. Die Täter seien Profis gewesen und hätten ihm einen Teil eines Ohres abgeschnitten, Nägel durch die Hände geschlagen und mit Gummiknüppeln geschlagen, sagt er am Samstag.

Bulatow hatte zu Protest-Autokorsos aufgerufen. Er betonte, er sei kein politischer Oppositioneller und stehe keiner Partei nah. „Wir sind eine zivilgesellschaftliche Bewegung.“ Ihr Ziel sei das Ende von Alleinherrschaft, Gewalt und Blutvergießen in der Ukraine. Janukowitsch müsse zurücktreten.

Am Montag seien Gespräche mit verschiedenen deutschen Politikern im Auswärtigen Amt in Berlin geplant, sagte Bulatow. Zu dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den ukrainischen Oppositionsführern Vitali Klitschko und Arseni Jazenjuk sei er aber nicht eingeladen. Er sagte aber, Klitschko sei der einzige ukrainische Politiker, der auch mit den Demonstranten gesprochen habe.

Am Sonntag will Bulatow in Berlin seinen Vater treffen, der in Hagen lebt. Gleichzeitig ist in der Ukraine erneut eine große Demonstration der Oppositionsbewegung geplant.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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