Ultimatum abgelaufen
US-Kampfflieger bombardieren El Sadrs Milizen

US-Kampfflugzeuge haben nach Ablauf eines Ultimatums an den radikalen Schiiten-Prediger Moktada el Sadr am Freitagmorgen Stellungen seiner Miliz in der Widerstandshochburg Nadschaf angegriffen. Auch Kampfhubschrauber beschossen Ziele in der Nähe der Imam-Ali-Moschee an, in der sich El Sadrs Anhänger verschanzt haben.

HB NADSCHAF/BAGDAD. Geschosse schlugen in der Nähe der Imam-Ali-Moschee ein, in der sich Al-Sadr und mehrere hundert seiner Anhänger verschanzt haben. Unklar war jedoch zunächst, ob es sich bei dem Angriff bereits um die Großoffensive handelte, die die irakische Übergangsregierung angekündigt hatte. Sie hatte Al-Sadr am Donnerstag mehrere Stunden Zeit gegeben, seinen Aufstand zu beenden, um so eine Offensive abzuwenden.

Auch US-Kampfhubschrauber griffen Ziele in der Nähe der Moschee an. Aus der Moschee erklangen aus Lautsprechern „Allahu Akbar“ (Gott ist groß)-Rufe. Über dem nahe gelegenen historischen Friedhof der den Schiiten heiligen Stadt stieg eine dichte Rauchwolke auf, grelle Lichblitze erhellten den Nachthimmel. Gepanzerte Fahrzeuge näherten sich dem Stadtzentrum, das von mehreren Explosionen erschüttert wurden. Maschinengewehrfeuer war zu hören.

Die Miliz Al-Sadrs liefert sich bereits zwei Wochen lang heftige Gefechte mit den US-Truppen, bei denen mehrere hundert Rebellen getötet wurden. Al-Sadr hatte zunächst erklärt, seine Miliz zu entwaffnen und die Moschee zu verlassen, wenn die irakische Übergangsregierung eine Waffenruhe durchsetze. Die Regierung lehnte dies jedoch ab.

Später sorgte ein angeblich von Al-Sadr verfasster Brief für Verwirrung. Darin hieß es, Al-Sadr habe seine Miliz aufgefordert, den Schlüssel für den heiligen Schrein der Moschee den Vertretern des schiitischen Geistlichen Ajatollah Ali al-Sistani auszuhändigen. Gleichzeitig wurde in dem Schreiben eine Entwaffnung der Miliz erneut zurückgewiesen. Der Brief trug jedoch nicht dasselbe Siegel wie vorherige Briefe des Schiiten-Predigers.

Iraks Staatsminister Kassim Daud hatte erklärt, die Regierung habe alle friedlichen Mittel ausgeschöpft und sei nun fest zu einer militärischen Lösung entschlossen. „Das Hauptziel der Militäroperation wird sein, die Imam-Ali-Moschee von allen bewaffneten Kämpfern in ihrem Inneren zu befreien“, kündigte Daud an. Ob die Regierung die Moschee stürmen lassen will, sagte er nicht. Dies könnte die schiitische Bevölkerungsmehrheit provozieren, vor allem dann, wenn US-Soldaten daran beteiligt sein sollten.

US-Kampfflugzeuge griffen Augenzeugen zufolge auch Ziele in der sunnitischen Rebellenhochburg Falludscha westlich von Bagdad an. Falludscha war zuletzt beinahe täglich Ziel von US-Bombardements. Falludscha gilt als Zentrum des Widerstandes gegen die US-Truppen im Irak.

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