Umbruch-Folgen: Bahrain entscheidet das Schicksal Arabiens

Umbruch-Folgen
Bahrain entscheidet das Schicksal Arabiens

Die Insel vor den Küsten Saudi-Arabiens und Katars ist zwar klein, doch Bahrains geopolitische Bedeutung ist umso größer. Deshalb wird die Revolte dort äußerst blutig. Ein Kommentar von Mathias Brüggmann
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KairoBahrain hatte bisher kaum jemand auf dem Zettel, als es um den Umbruch in der arabischen Welt ging. Kaum Öl, wenig Gas und nicht einmal so groß wie die Freie und Hansestadt Hamburg, Dennoch fällt in Manama die Vorentscheidung für den Umbruch in der arabischen Welt.

Denn nicht nur die Rolle der USA erlebt hier ihren Lackmustest: Was ist wichtiger - Demokratie oder strategischer Flottenstützpunkt und mithin also die globalen geopolitischen Interessen? In Bahrain hat das Pentagon seine 5. US-Flotte mit über 30 Kriegsschiffen, zwei Flugzeugträgern sowie 6000 Soldaten und deren Familienangehörigen stationiert. Von hier aus kontrolliert Washington die Einfahrt in den Suez-Kanal und vor allem alle Schiffsbewegungen des Erzfeindes Iran, überwacht den Luftraum der Mullahs und beobachtet den Fluss des Rohöls, das am gesamten Golf gefördert wird.

Doch noch bedeutsamer als dieser westliche Blick auf Bahrain, das Finanzzentrum am Golf, ist die arabische Sicht der Dinge: In Bahrain brechen erstmals wieder nach den Spätfolgen des Irak-Krieges inner-islamische Konflikte auf - schiitische Mehrheit gegen sunnitische Herrscher, wie im Zweistromland nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein. Vor allem aber droht dieser Konflikt sich in das nur über eine, zugegebenermaßen 26 Kilometer lange Brücke entfernte Saudi-Arabien auszubreiten. War Bahrain bisher nur das Vergnügungszentrum für unterhaltungssüchtige Saudis, der Fluchtpunkt aus ihrer wahabbitisch-strengen islamischen Heimat, so droht  der innermoslemische Zwist sich nun auszubreiten. Im Osten Saudi-Arabiens, dort wo das Öl besonders reich sprudelt, siedeln auch besonders viele Schiiten, die vom sunnitischen Königshaus schon immer abfällig beäugt wurden. Denn der schiitische Iran hat schon immer auf die Schiiten-Mehrheit im Irak und die Glaubensbrüder andernorts seinen Einfluss geltend gemacht.

Dies alles rechtfertigt nicht die Brutalität, mit der pakistanische Söldner der bahrainischen Armee und Polizei hunderte schlafende Demonstranten mit Schrotflinten angegriffen, schwer verletzt und sogar Kinder getötet haben. Es zeigt nur die Dimension auf, um die es geht. Jedenfalls steht mehr auf dem Spiel als ein von Protesten unbedrängtes Formel 1-Rennen in Bahrain am 13.März. Es geht um die Stabilität in der arabischen Welt, um die Balance am Golf und - je nach der Einmischung der USA und Europas - um die Glaubwürdigkeit des Westens. Dadurch wird das kleine Bahrain derzeit so unglaublich wichtig.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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