Umbruch in Simbabwe Wie ein Mann sein Land zerstörte

Fast vier Jahrzehnte herrschte Robert Mugabe in Simbabwe. Nun ist der 93-Jährige zurückgetreten. Das Ende seiner Diktatur war zwar kurz und schmerzlos, dennoch hinterlässt er ein Land im Chaos.
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Die Bewohner Simbabwes hoffen nach 37 Jahren Mugabe auf einen Wechsel im Land. Quelle: dpa
Krise in Simbabwe

Die Bewohner Simbabwes hoffen nach 37 Jahren Mugabe auf einen Wechsel im Land.

(Foto: dpa)

KapstadtAls Zehntausende von Simbabwern am vergangenen Wochenende in die Straßen von Harare strömten, um dort den Rücktritt des Mannes zu fordern und zu feiern, der fast 40 Jahre lang brutal über sie geherrscht hatte, saß Robert Mugabe mit einem alten Freund daheim in seinem Büro, aß Maisbrei und schwelgte in alten Zeiten. „Er erzählte von seinen Schultagen und davon, wie die Anthropologie damals die Sicht der Kolonialisten auf Schwarze und deren Intelligenz bestimmt habe“, verriet George Charamba, seit 17 Jahren ein enger Vertrauter des Diktators, einem Reporter der britischen „Financial Times“. Charamba, der an jenem Tag bereits mehr als fünf Stunden mit Mugabe geplaudert hatte, sprach auch davon, wie entspannt der 93-Jährige trotz des Orkans wirke, der draußen gerade durch die Straße der Hauptstadt tobte. „Meine Güte, war er gut gelaunt und gesprächig“, sagte Charamba gegenüber dem Reporter.

Mugabe hat sich bis zuletzt fast nur mit Jasagern und engen Freunden wie Charamba umgeben. Viele, die ihn gut kennen, wie etwa die inzwischen verstorbene simbabwische Journalistin und Buchautorin Heidi Holland, haben bei Mugabe Charakterzüge des römischen Kaisers Caligula festgestellt, der Widerspruch nicht duldete, überall nur Verschwörungen witterte und deshalb nach der Maxime herrschte – „Oderint, dum metuant“. „Mögen sie hassen, wenn sie nur fürchten“.

Wenn er es noch gekonnt hätte, hätte Mugabe am vergangenen Samstag sicherlich wie zuvor die Polizei und das Militär mobilisiert, um die Proteste des Volkes im Keim zu ersticken. Doch das Militär stand diesmal auf der anderen Seite – auf der seines langjährigen Kampfgefährten Emmerson Mnangagwa, den Mugabe kurz zuvor völlig willkürlich als Vizepräsident geschasst hatte, um an seiner Stelle die eigene, im Volk weithin verhasste Ehefrau Grace zu installieren.

Die First Lady war Mugabes Sekretärin im Präsidentenamt, als der junge Politiker noch mit seiner ersten Frau Sally verheiratet war. Als die aus Ghana stammende und im Volk beliebte First Lady 1992 an einem Nierenleiden verstarb, kam die bis dato geheime Liaison mit Grace an die Öffentlichkeit. Seiner 40 Jahre jüngeren und extrem verschwendungssüchtigen Gattin wollte er nun die Welt zeigen – und vor allem wie bedeutsam er ist. Es verging kaum ein Monat, in dem die beiden nicht ins Ausland reisten, wo er sich feiern ließ - und sie unverfroren auf Staatskosten einkaufte. Am Ende stachelte sie ihren Mann sogar an, im Land eine Familiendynastie zu errichten - mit ihr als seiner Nachfolgerin. Eine fatale Fehlentscheidung, mit der Mugabe am Ende den Bogen doch noch überspannte und sein politisches Ende besiegelte.

Mugabe ist schon immer vor allem rachsüchtig und machthungrig gewesen. Dass er sich anders, als seine Frau, eher weniger aus Geld machte, ist seinem Büro anzusehen, in dem er wohl auch seine Rücktrittserklärung verfasste, die am Dienstag im Parlament verlesen wurde. Ein uraltes tragbares Radio stand jahrelang dort, ein alter Computer, die ganze Einrichtung spießig und antiquiert. Als Materialist würde man ihn also nicht bezeichnen. Mugabes Aphrodisiakum, so schrieb es einst Schriftstellerin Heidi Holland, war stets die Macht.

Ein Blick auf das Leben des Gründervaters seines Landes zeigt, dass der jahrelang im Westen als Lichtgestalt gefeierte Mugabe in der Tat schon immer im Herzen ein Tyrann war. Zwar hat Mugabe sechs Universitätsabschlüsse und gilt als hochintelligent, doch zieht sich die zum Machterhalt ausgeübte Gewalt wie ein roter Faden durch sein Leben. „Wie Stalin verbreitet er unter den Menschen Angst und Schrecken, um daraus politisches Kapital zu schlagen“, sagt etwa der britische Afrikakenner und Diplomat Robin Renwick. Und glaubt man der lesenswerten Autobiografie von Heidi Holland, hat Mugabes Anspruch auf absoluten Gehorsam seine Wurzeln in der Zeit, als er auf die streng geführte Missionsschule der Jesuiten nahe Harare ging.

Ein Mann unterliegt dem Größenwahn
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