„Umfassende Überwachung“
Skype verhilft China zu Internetzensur

„Einfach reden“, lautet der Werbeslogan des Internet-Telefonanbieters Skype – doch in China könnte das Versprechen zahlreiche (regimekritische) Nutzer in Gefahr gebracht haben. Denn die Daten und Textnachrichten der rund 70 Millionen chinesischen Skype-Nutzer werden im Auftrag der Sicherheitsbehörden auf kritische Inhalte gefiltert und waren bisher sogar auf leicht zugänglichen Servern gespeichert.

PEKING. Das ist das Ergebnis einer Studie der kanadischen Forschergruppe Citizen Lab. Die Wissenschaftler werfen Skype und seinem chinesischen Jointventurepartner, dem Hongkonger Medienkonzern TOM, vor, eine „umfassende Überwachung mit anscheinend wenig Rücksicht auf die Sicherheit und Privatsphäre der Skype-Nutzer“ ermöglicht zu haben. Zahlreiche Regimekritiker könnten so unwissentlich in Gefahr geraten sein, denn in China galt Skype wegen seiner Verschlüsselung bisher als eine der sichersten Kommunikationsplattformen. Doch nach Angaben von Citizen Lab gibt es deutliche Hinweise darauf, dass mit den gespeicherten Datensätzen sogar die gezielte Überwachung bestimmter Benutzer ermöglicht worden ist.

Mit Skype, einer Tochter des Auktionskonzerns Ebay, sieht sich ein weiterer Internetweltkonzern mit dem Vorwurf konfrontiert, Chinas Zensur des Internets und die Überwachung von Dissidenten unterstützt zu haben. In den vergangenen Jahren standen bereits Yahoo, Google, Microsoft und Oracle am Pranger.

Skype-Chef Josh Silverman zeigte sich in einer Pressemitteilung „besorgt“ über die Sicherheitslücken, berief sich jedoch darauf, dass die Installation von Filtersoftware den rechtlichen Vorschriften in China entspreche. „Es ist allgemein bekannt, dass es in China Zensur gibt und dass die chinesische Regierung Kommunikation inner- und außerhalb des Landes seit vielen Jahren kontrolliert“, sagte Silverman.

Doch so einfach ist es nicht. Denn mit der umfangreichen Datenspeicherung – noch dazu auf unsicheren Rechnern – hat das Unternehmen den chinesischen Cyberpolizisten die Arbeit weitaus leichter gemacht als nötig gewesen wäre. So fanden die kanadischen Forscher auf acht öffentlich zugänglichen Servern Millionen Datensätze mit Benutzernamen, IP-Adressen, Telefonnummern sowie den nötigen Entschlüsselungscodes. Auch die Informationen der internationalen Kontakte chinesischer Skype-Nutzer seien dort gespeichert gewesen, hieß es.

Onlinetelefonate, Skypes Hauptanwendung, wurden zwar nicht gespeichert. Aber in China ist die Nachrichtenfunktion ohnehin weitaus verbreiteter als in anderen Ländern. Zu den gefilterten Begriffen gehörten unter anderem „Kommunistische Partei“, „Tibet“, „Demokratie“, „Olympische Spiele“ oder die Namen von Präsident Hu Jintao und Ex-Staatschef Mao Zedong. Kürzlich wurde auch das Wort „Milchpulver“ hinzugefügt, nachdem durch melaminverseuchte Babynahrung mehr als 60 000 Kinder erkrankt waren.

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