Umfassendes Betreuungsangebot
Pariser Familienpolitik fördert Babyboom

Staatliche Unterstützung bei der Kinderbetreuung hat langfristig eine positive Auswirkung auf die Geburtenrate. Das zeigt das Beispiel Frankreich.

PARIS. Vergangenes Jahr wurden in Frankreich 807 400 Babys geboren, fast so viele wie im Rekordjahr 2000, meldete jüngst das Statistikamt Insee. Mit einer Geburtenrate von 1,94 Babys pro Frau belegt Frankreich zusammen mit Irland in Europa einen Spitzenplatz. „Im Unterschied zu Deutschland werden in Frankreich die Mütter ermutigt zu arbeiten“, erklärt Insee-Experte Stefan Lollivier.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird in Frankreich von der Politik bereits seit den 60er-Jahren gefördert. Bei aller Kinderfreundlichkeit Frankreichs: Laut Insee sind es in 70 Prozent der Familien die Frauen, die sich um Haushalt und Kinder kümmern. Dank der guten Betreuungsmöglichkeiten sind indes 83 Prozent der Französinnen mit zwei Kindern berufstätig.

Die Liste der staatlichen Hilfe beschränkt sich nicht nur auf steuerliche Erleichterung, wie sie derzeit in Deutschland diskutiert werden. In diesem Jahr verbessert sich in Frankreich die steuerliche Absetzbarkeit der Betreuungskosten: Statt 25 Prozent können Eltern in diesem Jahr 50 Prozent der Betreuungskosten ansetzen bis zu einem Höchstbetrag von 1 150 Euro pro Kind. Dazu gibt es in Frankreich das Familiensplitting. Das Prinzip: Bevor der Steuertarif greift, wird das Einkommen des Haushalts durch die Zahl der Köpfe geteilt – das mindert die Progression. Beispiel: Ein Ehepaar mit einem Kind teilt das zu versteuernde Einkommen durch den Faktor 2,5.

Die Rückkehr in den Job nach der Geburt wird letztlich aber erst durch das umfassende Betreuungsangebots möglich. „Es ist kein Wunder, dass die Geburtenrate vor allem in der Region Paris so hoch ist“, sagt Jeanne Fagnani, Soziologin des Forschungsnetzwerkes CNRS, „denn dort ist das Angebot an Kinderkrippen besonders groß, die Arbeitszeiten sind oft angepasst.“

Ab drei Jahren kommen die Kinder in Frankreich in die kostenlose Vorschule, die bis 18.15 Uhr geöffnet ist. Problematisch ist meist die Betreuung der Kleinsten – es gibt nicht genug Krippenplätze. Daher hat die Regierung 2003 eine Förderung für Unternehmenskrippen auf den Weg gebracht: Die Familienkasse übernimmt bis zu 80 Prozent der Investitionskosten für die Schaffung einer neuen Krippe. Das Programm zeigt Erfolg: Mittlerweile toben unter anderem bei Total, Gaz de France, und PSA Peugeot-Citroën die Kinder der Mitarbeiter in der Konzernkrippe.

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